Wirtschaft

J.P. Morgan Asset Management: 4 Fragen zur COP26-Klimakonferenz

Kapitalmarktstratege Tilmann Galler zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die vom 1. bis 12. November 2021 in Glasgow stattfinden wird

cocoparisienne / Pixabay

FRAGE 1: WAS IST COP26?

Die COP 26 in Glasgow ist die 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (UN), die als jährliche Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, kurz COP) die UN-Klimarahmenkonvention festlegt. Ein Ergebnis des aktuellen Klimagipfels soll sein, die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, das 2015 von 196 Vertragsparteien auf der COP21 verabschiedet wurde. Die Staaten einigten sich darauf, die Erderwärmung bis 2050 auf maximal 2 Grad Celsius und idealerweise auf unter 1,5 Grad Celsius gegenüber dem Niveau von 1990 zu begrenzen.

Auf der COP26 werden Regierungen und politische Entscheidungsträger die national festgelegten Beiträge (NDCs) überprüfen und in vielen Fällen aktualisieren, mit denen die Emissionen reduziert und die Auswirkungen des Klimawandels gesteuert werden sollen. Zu diesen neuen Zielen zählen

  • eine Initiative der Europäischen Union, die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren – bislang war eine Emissionsreduktion von 40 Prozent geplant,
  • das neue Ziel der USA, die Emissionen bis 2030 um 50 bis 52 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 zu reduzieren,
  • die Festlegung von vorläufigen Meilensteinen durch China im Anschluss an die Ankündigung von Präsident Xi, die Klimaneutralität bis 2060 erreichen zu wollen,
  • mögliche ambitionierte Emissionsziele aus Indien, Mexiko, Argentinien und Brasilien.

Das politische Klima weltweit hat sich von einer abwartenden Haltung zu einem wettbewerbsorientierten Umfeld gewandelt, in dem sich die Nationen in ihren Ambitionen gegenseitig schier überbieten. Die US-Regierung hat zum Beispiel erklärt, dass sie bei der grünen Transformation weltweit führend sein möchte. Anfang des Jahres berief das Land das Major Economies Forum (MEF) für Energie und Klima ein, an dem 17 Volkswirtschaften teilnahmen, die für 80 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich sind. Damit diesen Worten auch Taten folgen, sind nun aber Investitionen – sei es von Regierungen, Institutionen oder privaten Anlegern – eines der wichtigsten Instrumente.

FRAGE 2: WARUM IST DIE KLIMAKONFERENZ COP26 WICHTIG?

Die vergangenen zehn Jahre waren die wärmsten seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Treibhausgase als Hauptverursacher der Erderwärmung sind seit 1990 um fast 50% gestiegen. Vor diesem Hintergrund hat der Klimarat der Vereinten Nationen IPCC im August 2021 einen grundlegenden Bericht veröffentlicht, der in den Worten von UN-Generalsekretär António Guterres „ein Alarmsignal für die Menschheit“ darstellt. Der Bericht warnt davor, dass bei einem Anstieg über 2 Grad Celsius irreversible Klimaschäden folgen werden. Wenn wir nichts ändern, müssen wir bis Ende des Jahrhunderts mit einem globalen Temperaturanstieg von über 3 Grad Celsius rechnen, was zu häufigen Extremwetterlagen (Dürren, Überschwemmungen, Wirbelstürmen, Waldbränden), schweren Verlusten an Menschenleben und nach einigen Wirtschaftsmodellen zu einem Schrumpfen der Weltwirtschaft um 18 Prozent in den nächsten 30 Jahren führen wird.

Der Umstieg auf eine „saubere Wirtschaft“ hingegen könnte Schätzungen der UN zufolge bis 2030 einen Anstieg des globalen BIP um 26 Billionen US-Dollar bewirken und 65 Millionen neue kohlenstoffarme Arbeitsplätze schaffen. Die globale Pandemie hat uns eine kleine Lektion darin erteilt, was eine große Naturkatastrophe für die Weltwirtschaft bedeuten kann – der Klimawandel stellt ein viel größeres Risiko dar.

FRAGE 3: WELCHE AUSWIRKUNGEN HABEN DIE NATIONAL FESTGELEGTEN BEITRÄGE (NDCs) FÜR DEN KAPITALMARKT?

Die während der COP26-Konferenz vereinbarten NDCs könnten große Auswirkungen auf Märkte und Anlegerinnen und Anleger haben, da sowohl öffentliche als auch private Investitionen auf Unternehmen verlagert werden, die den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft unterstützen. NDCs können durch eine Partnerschaft zwischen Regierung und Privatwirtschaft erreicht werden, insbesondere durch einen abgestimmten Investitionsansatz. Veränderungen können durch neue Vorschriften und Richtlinien auf nationaler, regionaler oder Gemeindeebene bewirkt werden, sei es durch die Handlungen großer Investoren oder durch ehrgeizige Maßnahmen von Unternehmen.

Die Umgestaltung des politischen Umfelds wird auch Veränderungen der Geschäftsmodelle der Unternehmen, ihrer Investitionsentscheidungen, Umsätze und Gewinne bedeuten. Wir erleben bereits die Auswirkungen von Regierungsinitiativen, etwa um den Anstieg der Treibhausgasemissionen der Automobilindustrie, des Verkehrs und der Energie zu bremsen. Weitere Beispiele sind

  • die Entscheidung Großbritanniens, den Verkauf neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2030 zu verbieten – dies beschleunigt die Entwicklung von Elektrofahrzeugen und die elektrische Ladeinfrastruktur,
  • die Zusage der Philippinen, bis 2030 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, was vom Unternehmen AC Energy unterstützt wird, das verstärkt Elektrizität durch erneuerbare Quellen wie Solar-, aber auch Wind- und Wasserenergie sowie Geothermik gewinnen will
  • die Elektrifizierung von 140 Kilometern Eisenbahnstrecke im Abschnitt Marakand-Karshi der regionalen Wirtschaftskooperation in Zentralasien (CAREC), der Europa mit Zentralasien verbindet, mit Unterstützung der Asiatischen Entwicklungsbank.

FRAGE 4: WIE LÄSST SICH IM ZUGE DER COP26 DIE ANLAGESTRATEGIE AUSRICHTEN?

Es gibt verschiedene Strategien, um diesen Wandel als Anlegerin oder Anleger zu unterstützen. In nachhaltig verwalteten Fonds wird verstärkt in Unternehmen investiert, die beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft einen erheblichen Beitrag leisten oder gar in ihrem jeweiligen Sektor führend sind. Maßgeblich dafür sind solide Analysen der Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg und ein aktiver Dialog mit der Unternehmensführung wie die ökologische Ausrichtung verbessert werden kann. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber reinen „Ausschluss“-Fonds, die in alles investieren außer beispielsweise in Ölkonzerne, Waffenproduzenten oder Tabakkonzerne.

Heute gibt es rund um den Globus Sektoren, mit denen sich die Klimaagenda unterstützten lässt. Beim nachhaltigen Wohnungsbau beispielsweise schafft die Umstellung auf kohlenstoffarme Gebäude Chancen. In der nachhaltigen Infrastruktur gibt es immer mehr innovative Lösungen für das Umwelt-und Abfallmanagement. Und im Automobilsektor stellen sich viele etablierte Akteure der Herausforderung der Emissionsreduktionen, indem sie den Umstieg auf Elektrofahrzeuge beschleunigen und ehrgeizige Ziele zur Abfallreduzierung und Emissionsreduzierung setzen.
Anlegerinnen und Anleger können also sowohl eine Rolle als Katalysator des Wandels als auch als Nutznießer davon spielen. Der Internationale Währungsfonds argumentiert, dass Klimarisiken nicht ausreichend im Markt eingepreist sind, obwohl die Kosten von Naturkatastrophen im letzten Jahrzehnt mit 1,3 Mrd. US-Dollar zu Buche schlugen.

Die COP26-Konferenz zielt darauf ab, die nationalen Ziele für eine kohlenstoffarme Zukunft in der Zeit nach der Pandemie neu zu setzen. Das Ergebnis könnten Stimulierungsmaßnahmen für die grüne Wirtschaft sein, die von den führenden Industrieländern der Welt vorangetrieben werden. Es sind auch Maßnahmen denkbar, die die Schuldenlast gefährdeter Länder zu verringern. Dabei könnten Staatsschulden gegen Investitionen in Umweltziele ausgetauscht werden, wie kürzlich bei der Auflegung der blauen Staatsanleihe der Seychellen, die zum Meeresschutz beitragen soll. Alle diese Vereinbarungen werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern.

So ist es für Anleger von entscheidender Bedeutung, die Relevanz der COP26 auf Wertpapieranlagen zu verstehen. Und die Konferenz kann beispielsweise eine gute Gelegenheit sein, die einge Anlagestrategien neu auszurichten, um nicht nur gute Erträge zu erzielen, sondern mit den Investments zudem etwas Gutes zu bewirken. Bereits jetzt gibt es spannende Möglichkeiten rund um das Thema Nachhaltigkeit – die COP26-Konferenz könnte weitere Investitionsmöglichkeiten aufzeigen.

(J.P. Morgan Asset Management)

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