Versicherungen

„Wir haben unsere Fondspalette um mehr als 60 neue Fonds erweitert“

Mein Geld im Interview mit Stephan Hoppe, Director Investment Strategy bei Standard Life Deutschland

 

Versicherungsprodukte gelten inzwischen als nicht mehr zeitgemäß. Zusätzlichen haben sie verstärkt unter schwachen Renditen zu leiden. Lohnt sich aus Ihrer Sicht der Abschluss eines Versicherungsproduktes überhaupt noch?

Stephan Hoppe: Ja, der Abschluss eins Versicherungsproduktes lohnt sich auf jeden Fall. Denn nur ein Versicherungsprodukt kann den Kunden die Absicherung für das Langlebigkeitsrisiko bieten. Ziel einer Rentenversicherung ist es ja, eine lebenslange Rente bzw. Einkommen zu sichern. Ich kann den Kunden hier nur raten, sich für ein fondsgebundenes Produkt zu entscheiden. Denn bei Fondspolicen gibt es in der Fondsauswahl interessante Anlagekonzepte –sowohl für konservative als auch für chancenorientierte Kunden. Das Entscheidende ist, einen Investmentmotor zu wählen, der zu den individuellen Bedürfnissen passt.

 

Der Auswahl der passenden Investments kommt also eine entscheidende Bedeutung zu. Wie wählen Sie Investmentfonds für die Altersvorsorgeprodukte von Standard Life aus?

Stephan Hoppe: Unsere Fonds sollten eine wirklich gute Leistungsbilanz über einen längeren Zeitraum haben. Fonds werden in einem Altersvorsorgeprodukt wesentlich weniger getauscht als in der Direktanlage. Das bedeutet, dass wir nach Fonds Ausschau halten, die eine längere Historie haben, vor allem wenn wir über die etablierten Anlageklassen der europäischen, amerikanischen oder globalen Aktien sprechen. Ein weiterer wichtiger Anhaltspunkt sind unabhängige Ratings. Anleger kommen deutlich einfacher mit etablierten Ratings zu Recht als mit vielen quantitativen Daten. Somit haben wir uns entschieden, ein Hauptaugenmerk auf die Ratings von Morningstar, Scope und FWW zu legen. Ziel ist es, einen möglichst hohen Anteil des Fondsuniversums mit vier oder fünf Sternen beziehungsweise einem A-oder B-Rating zu haben.

 

Zur Auswahl der passenden Fonds gehört aberauch die regelmäßige Überprüfung. Was passiert denn, wenn der Investmentmotor der Fondspolice ins Stocken gerät?

Stephan Hoppe: In der Tat kommt der kontinuierlichen Überprüfung des Portfolios eine sehr wichtige Bedeutung zu, weil wir dem Kunden und demBerater ermöglichen wollen, seine Ziele bei der langfristig ausgerichteten Altersvorsorge komfortabel erreichen zu können. Wir überprüfen unser Angebot zwei Mal im Jahr. Wichtig ist es zu erwähnen, dass wir dabei sehr bedächtig vorgehen. Uns ist bewusst, dass Fonds auch einmal eine Phase der Schwäche haben können. Somit beobachten wir die Fonds halbjährlich und sollte sich beim dritten Review keine Verbesserung eingestellt haben, werden wir solche Fonds aus dem Neugeschäft nehmen und bessere Alternativen bereitstellen. Hier zeigt sich übrigens ein weiterer Vorteil von Fondspolicen: Bei einem reinen Wechsel des Investments fällt keine Versteuerung an.

 

Sie haben vor einigen Monaten ihre Fondspalette grundlegend überarbeitet. Welche Anpassungen hat es konkret gegeben?

Stephan Hoppe: Der Fokus der Überarbeitung lag dabei auf dem Ausbau unseres Fondsangebots. Wir haben unsere Fondspalette um mehr als 60 neue Fonds erweitert und zwar von renommierten Gesellschaften wie Acatis, Flossbach von Storch, First Private, Comgest oder auch Blackrock, aber auch von eher unbekannteren Investmentboutiquen. Dabei haben wir zusätzliche Anlageklassen aufgenommen, aber auch in bereits bestehenden Klassen weitere Fonds hinzugefügt. Im Segment Aktien Europa haben wir unser Angebot von drei auf neun Fonds ausgebaut. Somit sind nun in unserer Fondspalette Pan Europa, Euroland, wachstumsorientierte sowie valueorientierte Fonds zu finden. Natürlich bieten wir auch im spannenden Small Caps-Bereich interessante Fonds. Den Bereich der Mischfonds/Multi Asset Fonds haben wir verstärkt und das Thema Nachhaltigkeit erweitert. Neu aufgenommen haben wir einige Themenfonds wie Healthcare, Technologie oder Robotics.

 

Sie haben die Themenfonds angesprochen. Sehen Sie denn einen Trend zu diesen Fonds?

Stephan Hoppe: Ja, definitiv. Wir sehen bereits seit einigen Jahren, dass die Nachfrage nach diesen Fonds kontinuierlich ansteigt. Für immer mehr Anleger ist es wichtig, ihr Kapital nicht nur über Anlageklassen und Regionen hinweg zu streuen, sondern darüber hinaus auf einzelne Branchen oder Trends zu setzen. Dem sollte auch eine moderne Fondspolice Rechnung tragen und die entsprechenden Fonds anbieten. Es ist durchaus eine spannende Idee, Themen wie Healthcare als möglichen Satelliten mit in sein Portfolio aufzunehmen. Aber auch Fonds, die Technologie oder Trends wie Industrie 4.0 oder Robotics im Fokus haben, können mit entsprechendem Anlagehorizont durchaus gute Renditen mit sich bringen. Bei Trends denke ich beispielweise auch an Nachhaltigkeit. Das Thema wird bei institutionellen Anlegern zunehmend wichtiger. Die aktuellen Diskussionen auf europäischer Ebene verpflichtende Standards einzufügen, werden diesen Trend noch einmal deutlich verstärken und man sollte hier ein gutes Angebot machen können.

 

Wenn wir schon bei Trends sind, welche Entwicklungen erwarten Sie im Jahr 2019?

Stephan Hoppe: Grundsätzlich erwarte ich, dass die volatilen Entwicklungen, die wir am Ende des Jahres 2018 gesehen haben, auch das Jahr 2019 bestimmen werden. Der Trend zu breit gestreuten Anlageprodukten und hier vor allem zu Multi-Asset-Lösungen wird im Investmentmarkt nach wie vor anhalten. Sicherlich werden in diesem volatilen Umfeld auch risikobasierte Lösungen wie unsere MyFolios gefragt sein. Auf der Aktienfondsseite werden Dividendenstrategien weiterhin in der Gunst der Anleger weit oben stehen. Erfreulich ist dabei zu sehen, dass Anleger mit mehr Risikoappetit Fonds beimischen, die in kleine Aktienwerte investieren, die sogenannten Small Caps. Zunehmend größeres Interesse haben versierte Anleger auch an einzelnen Themen wie Technologie oder Automatisierung.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

(MG)

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