Sachwerte / Immobilien

RICS veröffentlicht neues Leistungsverzeichnis Asset Management

Professional Group reagiert auf veränderte Anforderungen an das Asset Management. ESG, Digitalisierung und klare Leistungsabgrenzungen rücken starker in den Fokus

Alexander Lickfett © SPACT

Die Professional Group Asset Management (PGAM) der RICS Deutschland hat ihr „Leistungsverzeichnis Asset Management“ umfassend überarbeitet und in dritter aktualisierter Fassung veröffentlicht. Das etablierte Branchenwerk, das 2012 erstmals herauskam, trägt den veränderten Rahmenbedingungen im Immobilienmarkt Rechnung und schafft eine aktuelle Grundlage für die Definition, Beauftragung und Vergütung professioneller Asset Management-Leistungen.

Ziel der PGAM ist es, ein praxisnahes und transparentes Leistungsbild für das Real Estate Asset Management zu formulieren und damit sowohl Auftraggebern als auch Asset Managern Orientierung zu geben. Neben der Beschreibung konkreter Leistungen enthält die Publikation Empfehlungen zu Vergütungsmodellen und empirische Informationen zu marktüblichen Vergütungsspannen.

„Das Asset Management hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Die Anforderungen gehen heute deutlich über die klassische wirtschaftliche Steuerung einer Immobilie hinaus. Nachhaltigkeit, Regulierung, Datenqualität und Digitalisierung greifen unmittelbar in strategische und operative Entscheidungen ein. Mit der Neuauflage bilden wir dieses veränderte Aufgabenbild praxisnah ab und schaffen zugleich mehr Klarheit darüber, welche Leistungen professionelles Asset Management umfasst“, so Alexander Lickfett FRICS, Leiter der PGAM und Geschäftsführer der SPACT GmbH.

ESG wird integraler Bestandteil des Asset Managements

Ein Schwerpunkt der Überarbeitung liegt auf Nachhaltigkeit und ESG. Anders als ein isoliertes zusätzliches Aufgabenfeld versteht die PGAM ESG als Querschnittsthema, das den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie und wesentliche Wertschöpfungsprozesse einer Immobilieninvestition betrifft. Entsprechend wurde bewusst auf ein separates ESG-Modul verzichtet. Stattdessen sind Nachhaltigkeitsaspekte in die einzelnen Leistungsbereiche integriert. Zentral verankert sind sie bereits im Modul „Strategie“, beispielsweise in den Bereichen Investment-, Portfolio- und Objektstrategie.

„Nachhaltigkeit ist keine Zusatzaufgabe mehr, die neben dem eigentlichen Asset Management steht. ESG-Anforderungen beeinflussen Strategien, Businesspläne, Investitionsentscheidungen, Reporting und die Weiterentwicklung von Beständen. Deshalb war es uns wichtig, diese Themen dort abzubilden, wo sie über das gesamte Leistungsbild hinweg in der Praxis tatsächlich wirken“, führt Sandy Bierwirth-Zeussel MRICS, stellvertretende Leiterin der PGAM und Geschäftsführerin bei RMC Risk Management Consulting GmbH, aus

20 Module schaffen Transparenz über Leistungen und Schnittstellen

Das Leistungsverzeichnis strukturiert das Aufgabenspektrum des Asset Managements in insgesamt 20 Module. Zehn davon werden als Basismodule definiert und bilden im Regelfall das originäre Leistungsbild ab. Dazu zählen unter anderem Strategie, Businessplan und Budget, Controlling, Reporting, Daten- und Dokumentenmanagement, die Auswahl und Steuerung von Dienstleistern, Objekt- und Mieterbetreuung, Forderungs- und Liquiditätsmanagement sowie Vermietung. Ergänzungsmodule umfassen beispielsweise Ankauf, Finanzierung, Research, Risiko- und Compliance-Management, Baumanagement, Refurbishment und Projektentwicklung, Objektbewertung sowie Verkauf.

Die modulare Struktur ermöglicht es Auftraggebern und Auftragnehmern, Leistungsumfang und Verantwortlichkeiten präzise festzulegen. Innerhalb der Module wird zusätzlich zwischen Grund- und Zusatzleistungen sowie zwischen Asset- und Portfolioebene unterschieden. Damit soll insbesondere auch die Abgrenzung zu angrenzenden Disziplinen wie Property Management und Facility Management erleichtert werden. Die RICS definiert Asset Management dabei als das verantwortliche strategische und operative Management aller rendite- und risikobeeinflussenden Maßnahmen auf Objekt-, Portfolio- und Gesellschaftsebene über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie.

Digitalisierung wird Teil professioneller Steuerung

Auch die digitale Transformation wird in der Neuauflage stärker berücksichtigt. Insbesondere dem Daten- und Dokumentenmanagement kommt nach Einschätzung der PGAM wachsende Bedeutung zu. Eine sachgerechte, sichere und nachvollziehbare Erfassung, Verarbeitung und Speicherung von Daten bilden zunehmend die Grundlage für effizientes Asset Management. Das Leistungsverzeichnis widmet der Digitalisierung darüber hinaus ein eigenes Kapitel. Dabei geht es nicht allein um den Einsatz neuer IT-Systeme, sondern um digital ausgerichtete Prozesse, Datenqualität und -sicherheit, Rollen und Berechtigungen sowie die Einbindung von KI in die Arbeitsorganisation.

Lickfett: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass Daten verlässlich verfügbar sind und daraus bessere und schnellere Entscheidungen entstehen können. Auch KI wird die Arbeitsorganisation im Asset Management verändern. Voraussetzung dafür sind jedoch belastbare Daten, klar definierte Prozesse und eindeutige Verantwortlichkeiten. Genau diese Verbindung wollen wir mit dem Leistungsverzeichnis herstellen.“

Orientierung auch bei Vergütung und Vertragsgestaltung

Neben dem eigentlichen Leistungsbild behandelt die Publikation ausführlich die Vergütung von Asset Management-Leistungen. Sie stellt unterschiedliche Vergütungsmodelle dar, gibt Empfehlungen zu deren Anwendung und enthält Informationen zu marktüblichen Vergütungsspannen. Damit soll das Leistungsverzeichnis nicht nur bei der Definition des Leistungsumfangs, sondern auch bei Ausschreibungen, Vertragsverhandlungen und der Ausgestaltung einer angemessenen Vergütung unterstützen. Ergänzt wird die Neuauflage durch rechtliche Hinweise zu Asset Management-Verträgen.

„Unser Anspruch war nicht, einen starren Standardvertrag oder eine abschließende Checkliste vorzulegen“, so Bierwirth-Zeussel. „Das Leistungsverzeichnis soll vielmehr eine gemeinsame Sprache zwischen Auftraggebern und Asset Managern schaffen. Je klarer Leistungen, Schnittstellen, Verantwortlichkeiten und Vergütung definiert sind, desto besser lassen sich Erwartungen abgleichen und Leistungen auch qualitativ beurteilen.“

Fazit: Asset Management ist eine zentrale Steuerungsdisziplin

Die dritte Auflage des Leistungsverzeichnisses zeigt, wie stark sich das Berufsbild des Asset Managers verändert hat. Gefragt ist nicht mehr allein die wirtschaftliche Optimierung einzelner Immobilien. Asset Manager müssen heute strategische, regulatorische, nachhaltigkeitsbezogene und digitale Anforderungen zusammenführen und in konkrete Maßnahmen übersetzen. Das neue Leistungsverzeichnis soll dafür Orientierung geben und zugleich zu einem gemeinsamen Verständnis darüber beitragen, was professionelles Asset Management heute leisten muss.

Hier der Link zum Leistungsverzeichnis Asset Management Deutschland: https://spact.de/de/download.html

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