Die Ergebnisse des RICS Global Construction Monitor für das erste Quartal 2026 zeigen, dass der übergeordnete Construction Sentiment Index (CSI) leicht auf einen Wert von +8 gestiegen ist, nach +7 in Q4 2025. Damit bewegt sich der Indikator weiterhin in leicht positiverem Terrain. Hinter dieser insgesamt stabilen Entwicklung zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Sowohl auf regionaler als auch auf Länderebene ist eine deutliche Verschiebung erkennbar.
Der kostenseitige Druck hat sich im Quartalsverlauf deutlich verschärft. Die 12-Monats-Kostenprognosen sind in allen Bereichen gestiegen, und die Befragten nennen zunehmend geopolitische Spannungen im Nahen Osten als einen wesentlichen Einflussfaktor. Auch die Erwartungen hinsichtlich der Kreditbedingungen haben sich deutlich verschlechtert. Der 12-Monats-Ausblick hat erstmals seit mehreren Quartalen deutlich ins Negative gedreht. Demgegenüber bleiben die Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen Arbeitsvolumens insgesamt positive, insbesondere im Bereich Infrastruktur.
Regionale Verschiebung: Dynamik im Nahen Osten und Afrika lässt nach, APAC stabilisiert sich
Die auffälligste Entwicklung beim CSI in diesem Quartal war eine deutliche Abschwächung in der Region Naher Osten und Afrika (MEA), wo der Index im ersten Quartal von +29 auf +8 fiel. Dies zeigt nach mehreren Quartalen mit konstant starken Werten auf eine deutliche Abschwächung des Wachstumstempos. Auch in der Region Amerika schwächte sich der Index leicht von +25 auf +21 ab, obwohl die Region weiterhin eine solide positive Stimmung verzeichnet. Europa gab ebenfalls von +14 auf +7 nach und signalisiert damit einen gewissen Verlust an Dynamik bei der jüngsten Erholung. Im Gegensatz dazu verbesserte sich die Region Asien-Pazifik (APAC) auf einen neutralen Wert von 0 (von -14 in Q4). Diese Verbesserung ist hauptsächlich auf weniger negative Ergebnisse aus dem chinesischen Festland zurückzuführen. Dennoch bleiben die Bedingungen in den meisten anderen APAC-Märkten relativ robust, wodurch APAC die einzige Region war, die im Quartalsvergleich eine Verbesserung der Stimmung verzeichnete.
Auf Länderebene führen Indien und die USA das Wachstum an, während Katar, Mauritius und Frankreich zurückfallen Indien behauptete im ersten Quartal seine Position als stärkster Markt mit einem Wert von +42 %, gestützt durch breit angelegtes Wachstum in allen Sektoren und besonders starke Dynamik im privaten Wohnungsbau und in der Infrastruktur. Auch die Niederlande (+31), Singapur (+30) und die USA (+25) verzeichneten im Quartal solide Expansionen. Deutschland (+21), Saudi-Arabien (+18), Irland (+15) und Südafrika (+14) meldeten ebenfalls starke Werte, während die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) (+11), Malaysia (+9) und Australien (+4) moderateres Wachstum auswiesen. Am schwächeren Ende der Skala verzeichneten Katar (-43) und Mauritius (-29) deutliche Verschlechterungen gegenüber dem Vorquartal. Befragte in beiden Märkten verwiesen auf ein schwächeres Marktumfeld. Auch Hongkong (-28) und Frankreich (-27) blieben klar im Schrumpfungsbereich, während sich die Aktivität in China (-26) und Italien (-26) weiter abschwächte. Sri Lanka (-13) und Großbritannien (-10) meldeten moderat negative Werte, während sich die Bedingungen in Kanada (-3) und Neuseeland (-5) nahezu stabil zeigten.
Bei Betrachtung der sektoralen Aufschlüsselung übertrifft die Infrastruktur weiterhin andere Marktsegmente in vielen Regionen. In etwa zwei Dritteln der im Monitor erfassten Länder liegen die aktuellen Arbeitsvolumina im Infrastrukturbereich über denen im privaten Wohnungsbau und bei Gewerbeimmobilien. Frankreich, Mauritius und die Niederlande bilden Ausnahmen, da dort die Infrastrukturaktivität schwächer ist als in anderen Segmenten. Insgesamt bleibt Infrastruktur jedoch ein zentraler Wachstumstreiber im breiteren Baumarkt.
Zukunftserwartungen bleiben positiv, sind jedoch fragiler
Während das Gesamtbild weiterhin positiv bleibt, ist in diesem Quartal besonders auffällig, dass Befragte ihre Erwartungen für das Arbeitsvolumen in den nächsten 12 Monaten in den meisten Regionen und Sektoren zurückgeschraubt haben. Besonders stark ist diese Anpassung in der Region Amerika sowie in der Region Naher Osten/Afrika ausgeprägt. In Amerika fiel der Netto-Saldo für die Erwartungen im Gewerbeimmobilienbau innerhalb von 12 Monaten fast um die Hälfte auf +19 % (von +36 % in Q4), während sich die Erwartungen im privaten Wohnungsbau ebenfalls auf +19 % abschwächten (von +29 %).
In der Region Naher Osten/Afrika war der Rückgang noch deutlicher. Hier fielen die Infrastrukturerwartungen von +61 % auf +17 % und die Erwartungen für den Bau von Gewerbeimmobilien sanken von +40 auf +16 %. Die VAE liefern hierfür ein besonders deutliches Beispiel: Die Erwartungen beim Bau von Wohnungen fiel von +68 % auf -23 % (von +68 %) und beim Bau von Gewerbeimmobilien von +58 % auf -6 % (von +58 %). Auch Saudi-Arabien und Neuseeland verzeichneten deutliche Rückgänge ihrer 12-Monats-Prognosen in allen drei Sektoren.
APAC war die einzige Region mit einer deutlichen Verbesserung der 12-Monats-Erwartungen. Alle drei Sektoren verbesserten sich hier, da Befragte in China und Hongkong für das kommende Jahr weniger pessimistisch sind. Auch Deutschland und Indien meldeten verbesserte Erwartungen in allen drei Sektoren. Besonders stark bleiben die Infrastrukturerwartungen in den USA (+69 %) und Indien (+74 %).
Auf globaler Ebene stieg der Nettosaldo für das Infrastrukturarbeitsvolumen in den nächsten 12 Monaten weiter von +35 % auf +40 %. Dies unterstreicht die Rolle der Infrastruktur als widerstandsfähigster Teil des Ausblicks. Die zentrale Aussage lautet daher: Die Befragten erwarten weiterhin Wachstum im kommenden Jahr – allerdings mit deutlich weniger Überzeugung als noch vor drei Monaten, insbesondere in Märkten, die stark von geopolitischen und kostenbezogenen Störungen betroffen sind.
Kostendruck nimmt zu, Materialpreise besonders kritisch
Global sind die Kostenprognosen für die nächsten 12 Monate im ersten Quartal deutlich gestiegen. Die Prognose für Materialkosten stieg von 4,0 % auf 6,4 %. Die Erwartungen für qualifizierte und unqualifizierte Arbeitskräfte blieben weitgehend stabil bei 4,5 % bzw. 3,0 %. Der Anstieg bei Material- und Baukosten ist der stärkste seit längerer Zeit und steht im Einklang mit Aussagen der Befragten über steigende Kraftstoffpreise, Störungen im Schiffsverkehr sowie allgemeine Belastungen der Lieferketten aufgrund der Spannungen im Nahen Osten.
Ausblick für Kreditbedingungen verschlechtert sich deutlich
Die Kreditbedingungen verschlechterten sich im ersten Quartal weiter. Der Nettosaldo der Befragten, die in den vergangenen drei Monaten eine Verschlechterung meldeten, sank von -12 % auf -18 %. Noch bemerkenswerter ist die Verschlechterung der Zukunftserwartungen für in drei Monaten: -23 % (von +4 %) und für in 12 Monaten: -14 % (von +13 %). Dies stellt eine deutliche Umkehr gegenüber der schrittweisen Verbesserung Anfang 2025 dar. Die Befragten nennen dabei insbesondere Zinserwartungen, Volatilität an den Finanzmärkten sowie geopolitische Unsicherheit. Zusätzlich verschlechterten sich die aktuellen Gewinnmargen weiter auf einen Nettosaldo von -29 % (von -20 %). Dieser Margendruck entspricht dem starken Anstieg der Inputkosten, da erwartete Baukostensteigerungen voraussichtlich stärker ausfallen als Preissteigerungen bei Ausschreibungen.
Europa: Marktumfeld schwächt sich ab, Italien und Großbritannien folgen Frankreich in den negativen Bereich
Angesichts zunehmender geopolitischer und makroökonomischer Belastungen zeigen die Ergebnisse des Global Construction Monitor für Europa im ersten Quartal 2026 ein schwächeres regionales Bild, so dass der CSI von +14 auf +7 sank. Obwohl der Gesamtwert weiterhin positiv ist, zeigt die Betrachtung auf Länderebene ein deutlich fragmentierteres Bild als in den vergangenen Quartalen. Italien und Großbritannien sind nun neben Frankreich ebenfalls im negativen Bereich. Zudem haben sich die zuvor starken Werte in Deutschland, Irland und den Niederlanden abgeschwächt. Die europaweiten Erwartungen für den Wohnungsbau wurden zurückgenommen, während sich die Infrastruktur weiterhin widerstandsfähig zeigt.
Italien und Großbritannien rutschen in negativen Bereich
Auf Länderebene führt Deutschland die untersuchten Märkte weiterhin an, obwohl der Wert von +34 auf +27 sank. Auch die Niederlande schwächten sich von -25 auf +19 ab, Irland fiel von +18 auf +9. Die auffälligste Veränderung zeigte sich in Italien. Hier fiel der CSI deutlich von +18 auf -15 mit Schwäche in allen drei Sektoren. Großbritannien fiel ebenfalls klar ins Negative von +2 auf -9. Frankreich blieb mit -24 der schwächste Markt der Region und nahezu unverändert gegenüber -22 in Q4, wobei die Infrastruktur dort weiterhin etwas Unterstützung bietet.
Materialkosten ersetzen Arbeitskräftemangel als größtes Problem
Im ersten Quartal zeigt sich in Europa eine deutliche Veränderung bei den Faktoren, die die Aktivität bremsen. Materialkosten sind nun das am häufigsten genannte Problem: 63 % der Befragten nannten diesen Faktor, der damit deutlich höher als 50 % in Q4 liegt. In Deutschland lag der Anteil derer, die den Faktor nannten sogar bei 67 %.
Auch Materialengpässe stiegen auf von 17 % auf 27 %. Auch die unzureichende Nachfrage stieg von 37 % auf 46 %. Auch hier zeigt Deutschland eine ähnliche Tendenz, wo der Wert von 39 % auf 60 % stieg. Im Gegensatz dazu gingen folgende Faktoren europaweit zurück: Arbeitskräftemangel: 28 % (von 49 %), Wettbewerb: 28 % (von 33 %), Fachkräftemangel: 52 % (von 55 %) und Finanzierungsengpässe: stabil bei 52 % (von 54 %).
12-Monats-Ausblick bleibt positiv, aber Wohnungsbau schwächer
Bei den Erwartungen für die Arbeitsauslastung in den kommenden 12 Monaten zeigt sich, fiel im Bereich des Wohnungsbaus der Nettosaldo von +31 auf +14 %. Dies war der stärkste Rückgang unter allen Sektoren. Die Erwartungen für den Bau von Gewerbeimmobilien blieben weitgehend stabil bei +18 % (Q4: +20 %). Die Erwartungen für Infrastruktur verbesserten sich weiter von +24 % auf +38 %. Damit bleibt Infrastruktur das Segment mit dem stärksten Ausblick.
Auf Länderebene zeigt Deutschland weiterhin den ausgewogensten Ausblick über alle Sektoren hinweg. Besonders bemerkenswert ist dabei der starkte Anstieg beim Ausblick im Bereich des Wohnungsbaus, hier stieg der Wert von +38 % auf +67 %. Auch Irland und die Niederlande bleiben im positiven Bereich. Frankreich fällt als klarer Nachzügler auf, da Befragte dort in beiden privaten Sektoren mit einer Schrumpfung rechnen. Auch Italiens Ausblick hat sich deutlich verschlechtert. Die Erwartungen an die Gewinnmargen in den nächsten 12 Monaten verschlechterten sich ebenfalls stark von -1 % auf -19 %. Dies deutet auf wachsende Sorgen über sinkende Margen aufgrund steigender Kosten hin.
Fazit: Infrastruktur ist zentraler Treiber der Bauaktivitäten
Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Senior Vice President (SVP) der RICS weltweit: „Der globale Construction Index bleibt stabil und zeigt eine moderate Verbesserung der allgemeinen Marktdynamik. Hinter dieser insgesamt stabilen Entwicklung zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Sowohl auf regionaler als auch auf Länderebene ist eine deutliche Verschiebung erkennbar. Der 12-Monats-Ausblick hat erstmals seit mehreren Quartalen deutlich ins Negative gedreht. Demgegenüber bleiben die Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen Arbeitsvolumens insgesamt positiv, insbesondere im Bereich Infrastruktur. Das Segment wird zum zentralen Treiber der Bauaktivitäten. Der Kostendruck hat sich im Quartalsverlauf deutlich verschärft. Die 12-Monats-Kostenprognosen sind in allen Bereichen deutlich verschlechtert. Hintergrund sind die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, deren Auswirkungen auf Energie- und Materialpreise und die verschlechterten Kreditbedingungen. Damit dreht der Ausblick erstmals seit mehreren Quartalen deutlich ins Negative. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Rahmenbedingungen für den Rest des Jahres entwickeln.“































