Sachwerte / Immobilien

Lakeside Living: Begehrter Speckgürtel

Steigende Mieten, zu wenig Neubauten, der Wunsch nach Wohneigentum – immer mehr Menschen zieht es aus der Stadt aufs Land. Ein Interview.

Lakeside Living © BLI

Die Gemeinden in den Speckgürteln der Metropolen müssen sich auf die neue Situation einstellen. Beispielhaft dafür ist die Gemeinde Kloster Lehnin, südwestlich von Potsdam. Hier entsteht aktuell die Wohnsiedlung Lakeside Living. Über die Herausforderungen, aber auch über Chancen und Risiken haben wir mit Uwe Brückner, Bürgermeister von Kloster Lehnin, sowie Achim Amann, Immobilienunternehmer von Black Label Immobilien, gesprochen.

Herr Brückner, seit der Jahrtausendwende liegt die Bevölkerungszahl von Kloster Lehnin ziemlich konstant bei rund 11.000. In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Wohnraum in Ihrer Gegend aber deutlich gestiegen. Wie gehen Sie damit um?
Uwe Brückner: Wir mussten erstmal schauen, welche Flächen wir den neuen Bewohnern anbieten können. Die Nachfrage war zunächst deutlich größer als das vorhandene Bauland. Glücklicherweise konnten wir u.a. auf einen alten Bebauungsplan der damals noch selbstständigen Gemeinde Grebs zurückgreifen. Auf der Hälfte des Areals war hier vor ein paar Jahren schon eine Doppelhaussiedlung entstanden, die andere Hälfte haben jetzt die Investoren von Lakeside Living übernommen. Das Wohnprojekt kam uns also sehr entgegen.

Herr Amann, Sie sind auch für andere Projekte in und um Berlin sowie in anderen Bundesländern unterwegs. Ähneln sich die Situationen?
Achim Amann: Ziemlich, ja. Bauland ist überall knapp, deswegen ist es in Kloster Lehnin optimal, dass wir die Fläche jetzt bebauen können. Doch der Andrang nimmt auch in anderen Ortschaften zu. Viele Menschen haben genug vom Leben in der Stadt und wollen einen Neuanfang auf dem Land. Das ist nicht nur im Berliner Umland zu spüren.

Wie kommt das?
Uwe Brückner: Von den Menschen, die nach Kloster Lehnin ziehen, hören wir immer dasselbe: Sie freuen sich über die schöne Gegend, das viele Grün und die Seen im Umkreis. Hier können sie abschalten, sich erholen. Infrastrukturell sind wir bereits hervorragend ausgestattet, weil es bei uns genügend Ärzte, Schulen und Kitas gibt. Und auch die Anbindungen sind super: Über die Autobahn sind es nur 60 Kilometer bis zur Berliner City West. Oder die Leute nutzen das ÖPNV-Angebot.

Achim Amann: Beim Landleben gibt es immer mehr Pro-Punkte, während in der Stadt das Contra ständig größer wird. In Berlin fehlen Wohnungen, wodurch die Neuvertragsmieten immer weiter in die Höhe schießen. Zudem sind die Lebenskosten in Großstädten generell um rund 30 Prozent höher als auf dem Land. Viele Leute wollen außerdem raus aus der Miete und Wohneigentum erwerben, deshalb vergrößern sie ihren Suchradius. Durch die Zunahme an Homeoffice-Möglichkeiten werden Orte wie Kloster Lehnin deshalb sehr attraktiv.

Der Boom der Städte ist also vorbei?
Achim Amann: Nun ja, es wird auch immer Menschen geben, die in einer Metropole leben möchten und es sich leisten können. Die Zahl derer, die raus möchten, nimmt aber auch zu, das beobachten wir schon seit einiger Zeit. Eine kleine Völkerwanderung, sozusagen. Mal sind es Menschen, die ihr ganzes Leben in der Stadt gelebt haben und nun einen Tapetenwechsel brauchen. Andere Leute haben vielleicht nur ein paar Jahre hier gelebt und festgestellt, dass es nichts für sie ist. Es geht ja nicht nur um den Wohnraum, sondern auch um Themen wie Lärm, Kriminalität oder Feinstaubbelastung und oft auch die Qualität der Schulen. Gerade junge Familien ziehen weg aus der Stadt. Da ist die ländliche Idylle natürlich im Vorteil.

Eine neue Wohnsiedlung lässt sich nicht einfach so aus dem Boden stampfen. Worauf musste der Bauträger bei Lakeside Living achten?
Achim Amann: Na, es gibt ja bestimmte Vorgaben für Neubauten. Bei Lakeside Living entstehen jetzt 94 Reihenhäuser mit Grundstücksflächen zwischen 130 und 560 Quadratmetern, die bei der Energieeffizienz sogar besser sind als KFW40. Es entstehen sogenannte Passivhäuser+. Das heißt, die Bewohner verbrauchen sogar weniger Energie als die Immobilie produziert. Dazu gehören Photovoltaikanlagen, die genügend Strom für Wärmepumpen liefern, aber auch Pollenfilter, dreifach verglaste Fenster oder Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge.

Uwe Brückner: Dieses Konzept hat mich gleich überzeugt. Wer es schafft, auf fossile Energieträger zu verzichten, hat einen deutlichen Vorsprung in der Entwicklung. Der Ortsteil Grebs könnte durch das Projekt zu einem Vorzeigemodell für unsere Gemeinde werden. Nicht zuletzt auch, weil es bezahlbar bleibt. Im Vergleich zur Großstadt ist das Leben in Kloster Lehnin deutlich günstiger – nicht nur in Bezug auf das Wohnen.

Sehen Sie auch Risiken?
Uwe Brückner: Gewisse Risiken lassen sich bei solchen Großprojekten natürlich nie ausschließen. Sind alle Genehmigungen pünktlich da? Wie entwickeln sich die Baukosten? Gibt es sonstige Verzögerungen? Ich denke aber, dass der Entwickler und sein Team alles im Griff haben und überschauen. Insgesamt bietet das Projekt deutlich mehr Chancen als Risiken. Vor allem auf lange Sicht wird es unsere Gemeinde deutlich aufwerten und vielen Menschen zu Wohneigentum verhelfen.

Und was sagen die alteingesessenen Bewohner zu ihren künftigen Nachbarn?
Uwe Brückner: Wie bei so gut wie allen Dingen gehen die Meinungen natürlich auseinander. Manche Leute sind skeptisch, weil sie keine Veränderungen mögen oder einen Verlust an Lebensqualität befürchten. Andere dagegen haben erkannt, dass wir dringend Wohnraum benötigen und freuen sich schon auf die neuen Einwohner. Das eigene Haus wurde schließlich auch mal gebaut – ich denke, das würden die meisten Menschen in Kloster Lehnin so unterschreiben.

Achim Amann: Nach meiner Erfahrung geht die Eingewöhnung meist ziemlich schnell. Zu Beginn sind die Menschen, typisch Brandenburger, vielleicht etwas ruppig. Aber dafür sind sie auch sehr herzlich und integrieren neue Bewohner rasch in die Gemeinschaft. Im Speckgürtel gibt es immer ein sehr gutes Dorf- und Vereinsleben, sodass man schnell Anschluss findet.

Kloster Lehnin ist also bereit für die Ex-Städter?
Uwe Brückner: Auf jeden Fall. Wir sind stolz darauf, dass das Interesse an unserer Gemeinde wächst und wir den neuen Bewohnern topmoderne Wohnmöglichkeiten bieten können. Durch das namensgebende Kloster war der Ort historisch seit jeher interessant. Und durch die ehemalige preußische Landschule aus dem 18. Jahrhundert im Schloss Reckahn, die heute als Museum genutzt wird, hat Kloster Lehnin schon immer aufgeschlossene Bürger angezogen, die dem Fortschritt offen gegenüberstehen. Diesen Geist haben wir uns in Kloster Lehnin bewahrt.

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