Sachwerte / Immobilien

IVD: Rasante Zinserhöhungen bremsten Preisanstieg bei Wohnimmobilien

Die Zurückhaltung der Kaufinteressenten infolge der Zinswende führte zur Abkühlung des Wohneigentumsmarkts. Vermehrte Kaufpreisverhandlungen und -preisnachlässe sind die Folge.


„Bis vor zweieinhalb Jahren herrschten historisch niedrige Hypothekenzinsen, die einen Immobilienboom befeuerten. Die Zinswende in den Jahren 2021/2022 löste dann eine Zurückhaltung der Kaufinteressenten beim Immobilienerwerb aus: Da das deutlich höhere Zinsniveau die Gesamtkosten eines Immobilienerwerbs massiv erhöhte, mussten viele klassische Käufer, die traditionell mit einem hohen Anteil an Fremdkapital finanzierten, ihren Traum vom Immobilienerwerb hintenanstellen. Immobilienverkäufer mussten sich mit der Zeit eingestehen, dass sie ihre Preisforderungen ohne eine Reduktion nicht mehr durchsetzen können“, bewertet Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts, die Kaufmarktsituation.

„Die spürbaren Preisrückgänge alleine konnten die allgemeine Nachfrage allerdings nicht deutlich ankurbeln, das schaffen erst jetzt die seit wenigen Monaten verbesserten Finanzierungskonditionen und erzeugen somit eine leichte Aufbruchstimmung am Wohneigentumsmarkt“, sagt der IVD-Experte.

Das IVD-Marktforschungsinstitut hat die Wechselwirkung der Wohnungsbaukredite und der Kaufpreise für Eigentumswohnungen aus dem Bestand exemplarisch für München und Stuttgart analysiert. Die beiden Charts zeigen die Wechselwirkungen sehr plastisch.

Die Zeit des günstigen Geldes ging 2022 zu Ende, seitdem sanken in München und Stuttgart deutlich. Am 21. Juli 2022 erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) nach mehr als sechs Jahren erstmals ihren Leitzins um 0,5 Prozent, seitdem gab es zehn weitere Erhöhungen, sodass der Leitzins letztens im September 2023 auf 4,5 Prozent gestiegen ist. Seitdem verbleibt der EZB-Leitzins auf konstantem Niveau, ab Juni 2024 könnte erstmalig eine Zinssenkung folgen.

Die Zinshöhe von Wohnungsbaukrediten (durchschnittlicher effektiver Jahreszinssatz) stieg seit Ende 2021 – nach einer langen Talfahrt – wieder an, insbesondere die Auswirkungen des Ukrainekriegs haben die Inflation angetrieben, die Zentralbanken zu einer straffen Geldpolitik gezwungen und somit den Anstieg der Hypothekenzinsen ausgelöst.

Während die Wohnungsbaukredite 2020 und 2021 noch bei 1,30 Prozent (jeweils jährlicher durchschnittlicher Jahreszins) lagen, zogen sie 2022 rasant auf 2,57Prozent% und 2023 weiter auf 4,06 Prozent. Seit Dezember 2023 gaben die Bauzinsen kontinuierlich nach und erreichten im März 2024 3,88 Prozent (Gesamtwert für das erste Quartal 2024: 3,90 Prozent).

Mit der Zinswende in den Jahren 2021/2022 folgte die Zurückhaltung der Kaufinteressenten beim Immobilienerwerb, die bis heute andauert. In der Zwischenzeit sind die Kaufpreise für Wohnimmobilien vielerorts deutlich gesunken, beispielsweise in den süddeutschen Landeshauptstädten München von 9.475 Euro/m² im Jahr 2022 auf 7.600 Euro/m² heute und in Stuttgart von 5.850 Euro/m² im Jahr 2022 auf 5.000 Euro/m² heute.

Ein verbessertes Finanzierungsumfeld könnte in den kommenden Monaten neue Impulse setzen: Eine Kombination aus steuerlichen Anreizen und einer Vielzahl von Förderprogrammen sowie die leicht gesunkenen Hypothekenzinsen könnten dazu beitragen, dass die Attraktivität der Wohnimmobilien-Investments wieder steigt.

Infos hier

print

Tags: , , , ,

ASCORE Auszeichnung

Es gibt viele gute Tarife – für die Auszeichnung „Tarif des Monats“ gehört mehr dazu. Lesen Sie hier, was die ausgezeichneten Tarife zu bieten haben.

Tarife des Monats im Überblick

ETF-News

ETF-News

Aktuelle News zu börsengehandelten Indexfonds.

zu den News

Guided Content

Guided Content ist ein crossmediales Konzept, welches dem Leser das Vergleichen von Finanzprodukten veranschaulicht und ein fundiertes Hintergrundwissen liefert.

Die Ausgaben im Überblick

ESG Impact Investing

In jeder Ausgabe stellt "Mein Geld" ein UN-Entwicklungsziel und dazu passende Investmentfonds vor.

Un-Entwicklungsziele im Überblick

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mein Geld Newsletter

Melden Sie sich für unseren 14-tägigen Newsletter an.

zur Newsletteranmeldung

25 Jahre Mein Geld
Icon

Mein Geld TV

Das aktuelle Video

-
Welche Neuerungen gibt es zum BAV-Geschäft?

Im bAV Geschäft gibt es immer wieder neue Trends und verbesserte Tarife. Was können Berater und Vermittler für 202472025 erwarten?

zum Video | alle Videos
Icon

Mein Geld Magazin

Die aktuelle Ausgabe

Mein Geld 03 | 2024

Die Zeitschrift Mein Geld - Anlegermagazin liefert in fünf Ausgaben im Jahr Hintergrundinformationen und Nachrichten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Finanzen.

zur Ausgabe | alle Ausgaben