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Drei Mann in einem Boot: Trump, Xi und Powell

Das Boot ist die Weltwirtschaft und das Wasser turbulenter als die Themse. Das Schiff ist darauf hin ausgelegt, auch in rauer See nicht zu kentern. Es kann sogar ein Leck überstehen, wenn der Schaden sofort behoben wird.

 

Aber niemand hat den historischen Schiffbruch von 2008 vergessen. Soweit ist es zwar noch nicht, doch die Seebedingungen im letzten Jahr waren von dichtem Nebel geprägt, der sich nicht aufzulösen scheint. Der Kapitän am Steuer des Schiffes ist nicht in der Lage, Karten zu lesen, beschuldigt seinen ersten Offizier der Meuterei (er hat sogar gedroht, ihn einzusperren) und wirft dem Chefingenieur vor, den Motor zu drosseln, während er selbst denkt, dass er mit vollem Schub laufen sollte.

  • Verabschieden wir uns hier von den Metaphern aus der Schifffahrt und kehren zu ökonomischen Begriffen zurück. Die weltweiten Wachstumszahlen sind im ersten Quartal 2019 nicht weiter zurückgegangen, womit sich die alarmierendsten Prognosen vom Jahresbeginn nicht bestätigt haben. Das reale BIP wuchs im ersten Quartal weltweit im Vergleich zum Vorjahr mit einer annualisierten Rate von 3,3%, ein halber Punkt mehr als im vierten Quartal 2018. Diese kurzfristige Erholung signalisiert sicherlich keine nachhaltige Wende hin zu einer breit an-gelegten Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Es ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Weltwirtschaft trotz zahlreicher Risiken robust bleibt, unterstützt durch eine insgesamt alles andere als restriktive Wirtschaftspolitik. Die Zinsen sind niedrig und werden es auch bleiben. Und von der Fed, sowie von den meisten anderen Zentralbanken, kommen zunehmend akkommodierende Signale.
  • Die Bedingungen für die gesamtwirtschaftliche Aktivität und die Beschäftigung waren in den letzten Monaten et-was günstiger als erwartet. Die Stimmungsindikatoren stehen in allen Branchen und Ländern aggregiert auf Expansion. Aber es gibt regionale Unterschiede. In der Eurozone ist das Wachstum unter die ohnehin schon recht niedrige Potenzialrate gefallen. Wir denken, dass wir hier die schlimmste Schwächephase überstanden haben. In den USA liegt die Wirtschaft immer noch etwas über ihrer Trendrate, aber das Wachstum hat bereits seinen Höhepunkt erreicht.
  • Die größten Unterschiede gibt es zwischen den Sektoren. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hat sich weiter verschlechtert und nähert sich der Schwelle zur Rezession, während Dienstleistungen oder Baugewerbe deutlich zuversichtlicher sind. Diese Polarisierung ist das deutlichste Zeichen für eine Verschlechterung der Handelsbeziehungen, da das verarbeitende Gewerbe der Sektor ist, der am stärksten von einem Rückgang des Welthandels und einer Verlagerung globaler Wertschöpfungsketten betroffen ist. Der nur vermeintlich abflauende Zollkrieg zwischen den USA und China hat sich wieder verschärft. Der Konflikt geht in eine technologische Auseinandersetzung über, deren Störpotenzial schwer abzuschätzen ist. Im Lauf der Zeit wird immer klarer, dass diese protektionistische Phase nur Verlierer kennt.
  • Mit Hilfe von Modellen oder historischen Mustern können subjektive Wahrscheinlichkeiten unterschiedlichen Szenarien mit einiger Sicherheit zugeordnet werden. Wir schätzen die Chancen für eine Rezession in den USA innerhalb des nächsten Jahres auf etwa ein Drittel.Dies ist daher nicht unser Basisszenario. Wir denken, dass es eine etwas weniger als 50%ige Chance gibt, dass die Fed ihre Leitzinsen im selben Zeitraum senkt, und eine weniger als 20%ige Chance für eine Erhöhung. Das Risiko ist asymmetrisch. Es gibt auch einige Risikofaktoren, die sich einfach nicht kalkulieren lassen, von geopolitischen Entwicklungen (Naher Osten, USA-China) bis hin zu den nächsten Launen des US-Präsidenten. Das ist die eigentliche Definition von Unsicherheit. Selten war sie für die Weltwirtschaft so hoch.
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