Die beiden ACATIS-Gründer, Dr. Hendrik Leber und Dr. Claudia Giani-Leber, haben Ende November 2025 an einer von Sven Krüger, Broker bei der japanischen SMBC Nikko Bank, organisierten Reise teilgenommen. Der Fokus lag auf Unternehmen, die sich rund um das Thema Halbleiter ansiedeln lassen. Es war hochspannend!
Darüber hinaus kamen Lebers exakt zur richtigen Jahreszeit der herbstlichen Laubfärbung in Japan an. Da sich die Japaner selbst am meisten über die intensiv roten Ahornblätter oder die goldgelben Gingkoblätter freuen, sind die vielen kunstvoll angelegten Tempelgärten und Parks willkommene Ausflugsziele. Sie erfreuen sich ebenso daran, sich in kunstvolle Kimonos zu kleiden, sich sorgfältig zu schminken und sich fotografieren zu lassen. In Kyoto, am Wochenende vor dem Start der Halbleiter- Tour, konnten Dr. Hendrik Leber und Dr. Claudia Giani-Leber dies ebenfalls ausgiebig genießen. Auch kulinarisch bot die Reise eine abwechslungsreiche Vielfalt, von der unkomplizierten und leckeren Bento- Lunchbox über Sushi, Tempura und Wagyu- Beef. Aber nun zu den Halbleitern.
DIE HALBLEITERBRANCHE JAPANS UND IHRE ALLEINSTELLUNGSMERKMALE
Halbleiter sind die Basis unserer modernen Welt: Kein Computer oder Smartphone würde ohne sie funktionieren. Auch für die Photovoltaik oder für LED Leuchtmittel sind Halbleiter unverzichtbar. Doch was sind Halbleiter überhaupt und wie unterscheiden sie sich von anderen Stromleitern? Warum sind sie besser als Leiter (Metalle), die Elektrizität sehr gut und ohne Widerstand leiten? Der Vorteil liegt darin, dass Halbleiter (z. B. Silizium) elektrische Flüsse sehr gut steuern, entweder permanent oder dynamisch, und sie damit für verschiedene Anwendungen äußerst vielseitig sind.
Die Herstellung von Halbleitern – und schließlich Chips – ist von intensivem Wettbewerb geprägt und hier behaupten japanische Unternehmen ihre unangefochtene Marktführerschaft. Ihr Erfolgsgeheimnis liegt in der extremen Spezialisierung auf Upstream-Nischen, in denen Qualität, Zuverlässigkeit und proprietäres Knowhow die entscheidenden Alleinstellungsmerkmale darstellen. Sie sind die unverzichtbaren Lieferanten der Werkzeuge, Materialien und Infrastruktur, die für die Herstellung der Chips von morgen benötigt werden. Damit sprechen wir über die Chips der vierten Generation, die durch immer feinere Schichten – bis in den Bereich der Angström-Größe – vordringen.
Infrastruktur und Material sind die Fundamente der Chipfertigung. Einige Unternehmen haben ihre Dominanz durch einzigartige Service-Modelle und die Kontrolle über lebenswichtige Komponenten gesichert. Das in Kyoto ansässige, relativ kleine Unternehmen Japan Material (JM) sticht hier als weltweit einziges Unternehmen hervor, das Halbleiterherstellern einen ganzheitlichen One-Stop-Shop-Service anbietet. Dieser Service umfasst kritische Infrastruktur wie Wasser, Gas, Chemikalien, Strom und Klimaanlagen. Zu den beeindruckenden Kunden zählen nahezu alle großen Halbleiterproduzenten wie TSMC, Sony, Rapidus, Global Foundry sowie Micron und Kioxia. Durch dieses Outsourcing wird eine erhebliche Kostenreduktion für die Kunden möglich, und Japan Material kann durch Service-Angebote im Abonnement, die nicht von der Auslastung der Kundenanlagen abhängen, stabile Einnahmen generieren. Dr. Giani-Leber war auch besonders beeindruckt von Japan Material, da die Besuchergruppe vom Firmengründer selbst empfangen wurden. Der etwa Mitte achtzig Jahre alte Gründer und CEO Hisao Tanaka hat das Unternehmen im Alter von 57 Jahren gegründet. Stolz erzählt er, dass es seit der Gründung kein einziges Jahr mit Verlusten gab. JM hat nie Geld von einer Bank geliehen und hat keine Schulden. Japan Material hat keine Leistungsschwankungen. Das Geschäft entwickelt sich wie das gleichmäßige Hinaufsteigen einer Treppe. Außergewöhnlich ist auch, dass es bei JM kein festes Rentenalter gibt. Die Mitarbeiter können so lange arbeiten, wie sie möchten, oft finden sich aktiv im Betrieb Großvater, Sohn und Enkel. Hisao Tanaka vergleicht die Aufgabe seines Unternehmens mit den Helfern eines Theaterstücks, die hinter dem Vorhang agieren, nicht gesehen werden, aber sehr wichtig für die Aufführung auf der Bühne sind.
Shin-Etsu aus der Präfektur Tokio hält seine Marktführerschaft bei Wafern (60 % des Elektroniksegments) mit einem konstanten Marktanteil von 30 Prozent seit dem Jahr 2000. Wafer sind erstmal flache Rohlinge, die in der Halbleiterindustrie als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Mikrochips verwendet werden. Das Alleinstellungsmerkmal liegt hier in der Qualität und Zuverlässigkeit, da bei Wafern der Ausbeuteunterschied große Auswirkungen auf das Endprodukt hat. Shin-Etsu bindet Kunden durch langfristige Verträge und setzt proprietäres Know-how zur Optimierung der Produktionsanlagen ein. Ähnlich spezialisiert ist auch Nissan Chemicals, das die kleine Gruppe ebenfalls in der Präfektur Tokio besuchte. Das Unternehmen investiert sieben bis neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung für zukunftsweisende Materialien wie Perowskiten (ein Metall, das für Sensoren, Elektroden, Lasern etc. wichtig ist), die voraussichtlich ab etwa 2030 für Solarzellen wirksam werden.
HIGHTECH-KOMPONENTEN UND PRÄZISIONSFERTIGUNG
Andere Giganten in Japan konzentrieren sich auf hochkomplexe Komponenten, die für die nächste Generation von Servern und Geräten essenziell sind. MuRata in Kyoto dominiert den Markt für MLCCs (MultiLayer Ceramic Capacitors = mehrlagige Keramikkondensatoren). Das Unternehmen nutzt seine Stärke in Material, Design und hochpräziser Schicht- und Schneidetechnik, um Konkurrenten zurückzudrängen.MuRata verzeichnet das bemerkenswerteste Wachstum in MLCCs für AI-Server. Angesichts des Preiswettbewerbs chinesischer Hersteller setzt MuRata auf die Strategie der Customization, also Maßanfertigung für ihre Kunden.
Hoya, ein Glasproduzent aus Tokio, ist ein Schlüsselakteur in der Komplexität: Das Unternehmen ist ein unverzichtbarer Komponentenlieferant für EUV-Masken-Rohlinge, deren Qualifizierung bei Kunden wie TSMC zwei bis drei Jahre dauert. EUV-Maskenrohlinge sind spezielle Materialien, die für die Herstellung fortschrittlicher Halbleiterbauelemente verwendet werden. Sie erfordern eine hohe Präzision und Qualität.Zudem ist Hoya wichtig für die Augmented Reality (AR) Optik und treibt die Speicherdichte von HDD HAMR (Heat Amplified Storage) für Rechenzentren von 30 Terabyte auf 100 Terabyte pro Laufwerk voran. Hoya ist als Komponentenlieferant ebenfalls in die Entwicklung der nächsten Generation eingebunden und hat gerade erst 1-Nanometer- Diskussionen begonnen.
AUSRÜSTUNG FÜR DIE ZUKUNFT DER 3D-STRUKTUREN
Die Herstellung der nächsten Chip-Generationen erfordert extrem spezialisierte Anlagen. Kokusai, Präfektur Tokio, dominiert den Batch-Markt (Stapel-Produktion) der Atomic Layer Deposition (ALD) mit 70 Prozent Marktanteil und erwartet ein starkes Wachstum durch die anstehende 3D-Integration, die den Trend zu kompakteren und leistungsstärkeren Chips auf der Basis von Atom-Größe (!) fortsetzt. So wird die Herstellung von 3D-Strukturen bis zu 100 Schichten möglich. Das Unternehmen dient als technologischer Partner von Applied Materials bei der Entwicklung von Deposition-Technologien.
JEOL (Japan Electron Optics Laboratory) ist führend bei Fotomasken-Maschinen, sowohl als Single-Beam Mask Writer als auch als Multi-Beam-Modell. Kunden sind TSMC und Samsung. Das Alleinstellungsmerkmal liegt in der Präzisionslithografie, wobei das neue Multi-Beam-Modell 401 auf sieben Angström (0,7 nm) zielt. Aber auch die Single-Beam-Modelle, die noch für 40 bis 50 Nanometer ausgelegt sind, werden auf dem Markt weiterhin benötigt. Tokyo Electron (TEL) in Miyagi, im Norden von Sendai, plant eine massive Kapazitätserweiterung seiner Ätz-Ausrüstungssparte (Etching Equipment Division). Das Unternehmen ist stark im dielektrischen Ätzen und hat eine hohe Produktionssichtbarkeit von 15 Monaten. Dr. Hendrik Leber und Dr. Claudia Giani-Leber haben dort eine große neue Anlage besucht, bestehend aus mehreren, architektonisch hervorragend gelungenen Gebäuden des Bauunternehmens TAISEI, das sich auch mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Die öffentlichen Innenräume, nicht die Produktionsräume, sind vollständig aus japanischem Lärchenholz gebaut, mit warmer und freundlicher Ausstrahlung. Das Geschäft mit Trockenätzsystemen von TEL Miyagi dürfte am expandierenden Markt deutlich wachsen, der für 2030 ein prognostiziertes Marktvolumen von über einer Billion US-Dollar hat. TEL plant, zum „weltweit führenden Hersteller für Halbleiterausrüstung“ zu werden. Es arbeitet bereits an der vierten Generationen der Technologie („We do the next four generations, and will continue after that“).
Ergänzend positioniert sich die spezialisierte 2.5 D-Foundry Tohoku Micro Tech (TMT), deren Ziel es ist, Super-Chips mit Micro-Bump-Verbindungen zu fertigen, um die zukünftigen Anforderungen der KI an 3D-Strukturen zu erfüllen. TMT ist Teil der Universität Tohoku. Die Universität ist Eigentümerin der Anlage, weshalb sie ein Untermieter in einem äußerst schlichten Werksgebäude von Panasonic, Tokio, ist. Die Ausrüstung gehört der Universität. Ihr Hauptprojekt ist derzeit die Herstellung von Chips für das CERN. Mitsumasa Koyanagi, vielfach ausgezeichneter und prämierter Forscher, Entwickler und Universitätsprofessor, zeigte den Lebers die Anlagenräume von TMT. Die gesamte Grppe musste eine vollständige Schutzkleidung (inklusive Handschuhen!) überziehen und jeder einzelne eine Luftschleuse passieren. Alleine dies war aufregend und speziell.
Nicht alle der beschriebenen Firmen arbeiten explizit an der Produktion von „Chips der vierten Generation“ (der Angström-Generation, < 1 nm), aber mehrere der Unternehmen sind Schlüsselakteure in der Entwicklung von Geräten und Materialien, die diese Generation ermöglichen. Einige Unternehmen sind bereits direkt an der Angström-Technologie beteiligt. Andere Unternehmen arbeiten an kritischen, zukünftigen Technologien, die für die Angström-Generation notwendig sind, oder sehen sich als kontinuierlicher Lieferant dieser Technologie: Nissan Chemicals befasst sich mit den technologischen Grenzen der Miniaturisierung. Das Unternehmen stellt die Frage, „wie man weitermachen kann“, sobald der 1-Nanometer erreicht ist. Dr. Hendrik Leber und Dr. Claudia Giani-Leber können nach dieser Reise bestätigen: Die Halbleiterindustrie Japans ist geprägt von Innovation und technologischem Fortschritt. Die Branche bewegt sich und ist attraktiv. Investitionschancen kann man finden!
ACATIS






























