Investmentfonds

Studie offenbart erhebliche Aufklärungsdefizite bei der Risikoabsicherung

Der Kauf oder Bau einer Immobilie ist für die meisten Menschen eine der weitreichendsten finanziellen Entscheidungen ihres Lebens. Umso erstaunlicher ist, wie wenig Aufmerksamkeit zentrale existenzielle Risiken im Rahmen der Baufinanzierung erhalten. Eine aktuelle Studie von HDI Bancassurance, einem Geschäftsfeld der HDI Deutschland AG, in Zusammenarbeit mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov zeigt deutlich: Sowohl auf Seiten der Verbraucher:innen als auch in der Finanzierungsberatung bestehen erhebliche Informations- und Beratungsdefizite bei der Absicherung von Zahlungsausfallrisiken.

GROSSE SORGEN – ABER AN DEN FALSCHEN STELLEN

Die Studienergebnisse machen deutlich, dass Baufinanzierungen von erheblichen Bedenken begleitet werden. Rund 66 Prozent der Planer:innen äußern große bis außerordentlich große Sorgen vor Abschluss einer Finanzierung. Selbst nach Vertragsabschluss bleibt das Unsicherheitsgefühl bei mehr als der Hälfte der Befragten bestehen.

Diese Sorgen richten sich jedoch überwiegend auf schwer kalkulierbare externe Faktoren wie Zinsentwicklung, Inflation, wirtschaftliche Lage oder die langfristige Bindung an einen Kredit. Häufig genannte Befürchtungen bleiben vage, etwa die Angst, „die finanzielle Belastung nicht stemmen zu können“.

Demgegenüber werden konkrete, versicherbare Risiken weitgehend ausgeblendet. Lediglich 17 Prozent der Befragten nennen Arbeitslosigkeit als mögliches Risiko während der Laufzeit, acht Prozent denken an Arbeitsunfähigkeit und nur drei Prozent berücksichtigen den Todesfall. Selbst naheliegende Szenarien wie gesundheitliche Einschränkungen oder der Verlust des Einkommens spielen in der spontanen Wahrnehmung kaum eine Rolle.

Erst bei gezielter Nachfrage rücken diese Risiken stärker in den Fokus. So erkennen etwa 73 Prozent der Planer:innen Arbeitsunfähigkeit als potenzielle Gefahr an, 59 Prozent Arbeitslosigkeit und 62 Prozent den Todesfall. Dennoch schlägt sich dieses Risikobewusstsein nur selten in konkreten Absicherungsentscheidungen nieder.

ABSICHERUNG BLEIBT HÄUFIG AUSSEN VOR

Die mangelnde Sensibilisierung zeigt sich auch im Umgang mit Absicherungslösungen. 51 Prozent der Finanzierungsplaner:innen hatten sich zum Zeitpunkt der Befragung noch gar nicht mit der Absicherung ihrer Baufinanzierung beschäftigt. Selbst nach Abschluss einer Finanzierung geben 29 Prozent an, das Thema weiterhin ausgeblendet zu haben.

Ein wesentlicher Grund dafür liegt offenbar im Beratungsprozess selbst. Nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten erinnert sich daran, im Zuge der Informations- oder Beratungsphase überhaupt auf die Möglichkeit einer Absicherung gegen fundamentale Risiken hingewiesen worden zu sein. Besonders groß sind die Wissenslücken bei den Risiken Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit. Auch beim Abschluss einer Finanzierung bleibt fast die Hälfte der Kund:innen hierzu uninformiert.

Am häufigsten wird noch die Todesfallabsicherung thematisiert – ein Hinweis darauf, dass die Risikolebensversicherung als Standardprodukt zwar etabliert ist, eine ganzheitliche Absicherungslogik jedoch häufig fehlt.

DEUTLICHE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN VERTRIEBSWEGEN

Die Studie zeigt zudem klare Unterschiede zwischen den Beratungskanälen. Vergleichsportale und spezialisierte Online-Finanzierungsanbieter schneiden bei der Information über Absicherungsmöglichkeiten aus Sicht der Kund:innen besser ab als klassische Vertriebswege. Filialbanken, Sparkassen sowie unabhängige Finanzberater:innen räumen dem Thema Absicherung offenbar häufig nur eine untergeordnete Rolle ein.

Gleichzeitig offenbart sich hier ein zentrales Spannungsfeld: Obwohl Online-Anbieter bei der Aufklärung punkten, spielen sie beim tatsächlichen Abschluss von Finanzierung und Absicherung weiterhin eine untergeordnete Rolle. 82 Prozent der Planer:innen und Erstfinanzierer:innen wünschen sich ausdrücklich eine persönliche Beratung oder eine Kombination aus persönlichem Gespräch und digitalen Angeboten, wenn es um die Absicherung gegen Arbeitslosigkeit,
Arbeitsunfähigkeit und Tod geht.

HOHE ABSCHLUSSQUOTEN BEI AKTIVER ANSPRACHE

Dass fehlende Beratung nicht mit fehlendem Interesse gleichzusetzen ist, belegt ein weiteres zentrales Studienergebnis: Wird eine Absicherung angeboten, wird sie in vielen Fällen auch abgeschlossen. Die höchste Abschlussquote zeigt sich bei der Todesfallabsicherung mit 66 Prozent. Aber auch bei Arbeitsunfähigkeit (56 Prozent) und Arbeitslosigkeit (46 Prozent) liegen die Quoten auf einem Niveau, das die hohe Relevanz dieser Themen für Verbraucher:innen unterstreicht.

Darüber hinaus stoßen auch nachträgliche Absicherungsmöglichkeiten auf breite Zustimmung. Die Mehrheit der Befragten begrüßt es, sich selbst nach Abschluss einer Baufinanzierung noch gegen zentrale Risiken absichern zu können – ein bislang vielfach ungenutzter Beratungsansatz.

VERTRAUEN, KOSTEN UND LEISTUNGSVERSPRECHEN ALS HÜRDEN

Warum trotz Angebot nicht immer ein Abschluss erfolgt, liegt vor allem an der subjektiven Einschätzung der eigenen Situation. Rund die Hälfte derjenigen, die sich gegen eine Absicherung entscheidet, glaubt über ausreichende finanzielle Reserven zu verfügen oder hält einen Zahlungsausfall für unwahrscheinlich. Insgesamt schätzen nur zwölf bis 14 Prozent der Befragten die Wahrscheinlichkeit, ihre Kreditrate im Laufe der Rückzahlung nicht mehr bedienen zu können, als realistisch ein.

Hinzu kommt ein spürbares Misstrauen gegenüber Versicherungen. 43 Prozent zweifeln daran, dass im Schadensfall tatsächlich geleistet wird. Zudem empfinden 54 Prozent das Angebot als zu teuer oder zumindest teilweise zu teuer. Gleichzeitig zeigen die Antworten zu den Auswahlkriterien für eine Absicherung, worauf es Verbraucher:innen wirklich ankommt: An erster Stelle steht mit 86 Prozent die schnelle Zahlung im Leistungsfall, gefolgt von Leistungsumfang und Preis. Der persönliche Kontakt und Vertrauen in den Anbieter spielen dabei eine zentrale Rolle.

FAZIT: BERATUNG ENTSCHEIDET ÜBER SICHERHEIT UND ERFOLG

Die Studie „Vier Wände und ein blinder Fleck“ macht deutlich, dass Baufinanzierungen in Deutschland häufig ohne ausreichendes Sicherheitskonzept abgeschlossen werden. Obwohl viele Risiken versicherbar wären, fehlen sowohl das Bewusstsein bei Verbraucher:innen als auch die konsequente Ansprache im Beratungsgespräch. Gerade weil die persönliche Beratung bei Baufinanzierungen nach wie vor eine Schlüsselrolle spielt, liegt hier ein erhebliches Handlungspotenzial. Absicherung darf nicht als optionales Zusatzprodukt verstanden werden, sondern muss fester Bestandteil einer ganzheitlichen Finanzierungsberatung sein. Wer Risiken offen anspricht, unterstützt Kund:innen dabei, informierte und nachhaltige Entscheidungen zu treffen – und stärkt zugleich Vertrauen, Kundenbindung und wirtschaftlichen Erfolg.

HDI

 

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