Investmentfonds

Stabilität in der Krise

Haben nachhaltig ausgerichtete Fonds in der Coronakrise ihren Lackmustest bestanden und bewiesen, dass sie auch in turbulenten Zeiten stabiler sind als konventionell gemanagte Fonds? Eine aktuelle Studie des Analysehauses Scope zu Aktienfonds scheint dies nahezulegen

Krisen erweisen sich mitunter als Katalysator für die Beschleunigung bestimmter Entwicklungen.
Dies könnte auch für die aktuelle Corona- Krise und die Akzeptanz nachhaltiger Investments zutreffen. Dass der Einsatz nachhaltiger Strategien in der Kapitalanlage Renditenchancen nicht schmälert, haben zahlreiche Studien inzwischen bewiesen. „Das häufig gehegte Vorurteil, nachhaltige Anlagen würden schlechtere Ergebnisse als traditionelle liefern, ist falsch“, sagt Alexander Schindler, Vorstand für das institutionelle Kundengeschäft bei Union Investment, mit Blick auf entsprechende Untersuchungen,
die mit ihren Ergebnissen ohne Zweifel einen Beitrag zur Verbreitung von ESG Strategien geleistet haben.

Wie aber sieht es bei der Risikobegrenzung aus? Können nachhaltige Investments in turbulenten Zeiten hier ebenfalls punkten? Hinweise darauf gibt es jedenfalls. Einen lieferte Anfang Mai die Verbraucher- zeitschrift Finanztest. Sie verglich den herkömmlichen Weltaktienindex MSCI World mit seinem nachhaltigen Pendant MSCI World SRI. Das Ergebnis: Die Krise hat beide Indizes in den Keller geschickt, den Nachhaltigkeitsindex allerdings nicht ganz so stark. „Seit dem 19. Februar hat letzterer etwas weniger verloren als der normale MSCI World“, schrieben die Finanzexperten. Interessant: Obwohl der SRI-Index mit 400 Aktien deutlich weniger Titel berücksichtigt als der herkömmliche Weltindex mit rund 1.600 Aktien ist er offenbar weniger riskant. Die Schwankungsbreite ist geringer.

DIE RESILIENZ NACHHALTIGER AKTIENFONDS

Einen weiteren wichtigen Hinweis liefert eine Untersuchung des Analysehauses Scope, ebenfalls von Anfang Mai. Mit Blick auf die Kurseinbrüche an den Kapitalmärkten im ersten Quartal 2020 waren die Analysten aus Frankfurt der Frage nachgegangen, ob sich nachhaltig gemanagte Aktienfonds in dieser Phase anders entwickelten als konventionell gemanagte Produkte. Neben global ausgerichteten Fonds umfasste die Studie auch solche, die in Europa, Nordamerika oder in die Emerging Markets investieren.

Insgesamt wurden über 2.100 aktive und passive Aktienfonds unter die Lupe genommen. „Im Fokus standen die durchschnittliche relative Performance der einzelnen Fondskategorien und der Maximum Drawdown per Ende März 2020“, so Simone Schieg, die bei Scope gemeinsam mit ihrem Kollegen Andre Härtel für die Untersuchung zuständig ist. Nicht berücksichtigt wurden Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Asien, da in dieser Kategorie nach Angaben von Scope bislang noch keine repräsentative Anzahl an nachhaltigen Aktienstrategien vorliegt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nachhaltig gemanagte Aktienfonds im Gegensatz zu konventio-
nellen Produkten durchaus besser zur Risikominimierung und Stabilität im Portfolio beitragen können. Was die durchschnittliche Performance angeht, so übertrafen nachhaltige Aktienfonds im Untersuchungszeitraum ihre jeweiligen konventionellen Vergleichsindizes in den Kategorien Global, Europa und Nordamerika signifikant.

Die höchste Outperformance gegenüber dem Index erzielten nachhaltig gemanagte globale Aktienfonds mit einem Plus von durchschnittlich 170 Basispunkten. Einzig nachhaltig gemanagte Aktienfonds in der Kategorie der Schwellenländer blieben gegenüber ihrem Index zurück. Bei den konventionellen Aktienfonds konnten lediglich globale Produkte mit ihrem Vergleichsindex Schritt halten. In allen anderen Kategorien lagen sie deutlich bis sehr deutlich hinter ihren Benchmarks zurück.

GERINGERE MAXIMALVERLUSTE

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Betrachtung des maximalen Verlustes im Beobachtungszeitraum.
In drei Kategorien erzielten nachhaltige Aktienfonds per Ende März 2020 einen geringeren maximalen Verlust als ihr Vergleichsindex. Gelungen ist dies nachhaltigen globalen Aktienfonds, nachhaltigen europäischen Aktienfonds und nachhaltigen nordamerikanischen Aktienfonds. Am größten fiel die Differenz bei nachhaltigen Aktienfonds mit globaler Ausrichtung aus: Ihr Maximalverlust lag um durchschnittlich 160 Basispunkte niedriger als jener des MSCI World Index.

Nachhaltige Schwellenländer-Aktienfonds erlitten hingegen einen um 70 Basispunkte größeren Drawdown als ihre Benchmark: Er betrug im Mittel –22,3 Prozent, während der maximale Verlust des MSCI Emerging Markets Index im selben Zeitraum –21,6 Prozent betrug. Alle konventionellen Aktienfonds (Welt, Europa, Nordamerika & Schwellenländer) erlitten hingegen einen höheren maximalen Verlust als der jeweilige Marktindex. Am größten war die Differenz bei konventionellen Schwellenländer-Aktienfonds.
Sie wiesen durchschnittlich einen um 210 Basispunkte höheren Verlust auf als der MSCI Emerging
Markets Index.

AUFTRIEB FÜR NACHHALTIGE INVESTMENTS

Ihre Fähigkeit zur Risikominimierung dürfte ESG-Investmentstrategien weiter zugute kommen. Schätzungen zufolge nutzt gegenwärtig rund ein Drittel der institutionellen Investoren hierzulande noch keine ESG-Kriterien bei der Kapitalanlage. Bei Privatanlegern liegt diese Quote noch höher. Das gute Abschneiden nachhaltiger Investmentprodukte in der Corona-Krise dürfte hier für ein Umdenken sorgen und die Nachfrage nach ESG-Anlagen beflügeln. Längst sind diese rein ethisch motivierten Präferenzen entwachsen. Ihre ökonomischen Vorteile liegen inzwischen auf der Hand. Dies gilt insbesondere für einen Aspekt, den die auf ESG spezialisierten Asset Manager immer wieder in den Vordergrund stellen:
ESG-Kriterien helfen vor allem, das Risikomanagement zu optimieren. Die aktuelle Krise scheint diese Erkenntnis bestätigt zu haben.

(MEIN GELD)

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