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NN IP: Banknotenentwertung in Indien

Kannan Venkataramani, Senior Portfolio Manager Asian Equity bei NN Investment Partners in Singapur mit einem InvestmentView zur Banknotenentwertung in Indien.

In einem außerordentlich kühnen wirtschaftspolitischen Schritt hat die indische Regierung Banknoten im Wert von 500 und 1.000 Rupien aus dem Verkehr gezogen. Premierminister Narendra Modi unterstrich die Bedeutung dieser Maßnahme noch dadurch, dass er sie selbst in einer Fernsehansprache bekanntgab.

Durch die Abschaffung dieser Banknoten, die insgesamt knapp 86% des gesamten Bargeldumlaufs in Indien ausmachen, soll „Schwarzgeld“ eliminiert werden, d.h. nicht deklarierte Bargeldbestände, die unter Umständen illegal erworben und gegenüber den Steuerbehörden nicht angegeben wurden. Außerdem hofft die Regierung, dadurch die Verwendung von Fälschungen zum Zweck der Terrorismusfinanzierung einzuschränken.

Seit Jahrzehnten bemüht sich Indien darum, das Schattenvermögen in den Griff zu bekommen. Manchen Schätzungen zufolge beläuft es sich auf über 20% des BIP bzw. den Gegenwert von 415 Mrd. US-Dollar.  Neben Immobilien und Gold wird Bargeld besonders häufig dazu verwendet, Geld zu verstecken. Banknoten im Wert von 500 und 1.000 Rupien werden dabei bevorzugt, weil sie es ermöglichen, große Beträge in kleinen Bündeln zu horten. Die Regierung hofft, dass ihre jüngste Maßnahme zur Lösung des Problems beiträgt. Aber wie wird sich dieser Schritt auf die Wirtschaft auswirken?

Kurzfristige Probleme

Auf kurze Sicht ist mit negativen Auswirkungen zu rechnen. Die ungültigen Banknoten können bei den Banken umgetauscht werden, wofür die Regierung allerdings tägliche bzw. wöchentliche Obergrenzen festgelegt hat. Außerdem verlangen die Banken vor dem Umtausch einen Lichtbildausweis, so dass jemand, der sein Vermögen nie angegeben hat, wohl nur schwer nachweisen kann, warum er größere Summen umtauschen muss. Damit könnte ein Teil des nie deklarierten Vermögens mancher Inder über Nacht wertlos werden, was zu einem negativen Vermögenseffekt führt.

Nicht deklariertes Bargeld wird in Indien häufig zur Finanzierung von Immobilientransaktionen sowie zum Kauf von Gold, Schmuck und anderen teuren Luxusgütern verwendet. Diese Sektoren werden besonders in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Aktienkurse aller großen indischen Immobilienkonzerne brachen nach der Ankündigung vom 8. November ein.  Auch die gesamtwirtschaftliche Produktivität könnte in nächster Zeit in Mitleidenschaft gezogen werden. Da Bartransaktionen jetzt sehr viel schwieriger geworden sind, wird es den Unternehmen schwerfallen, Außenstände einzutreiben. Außerdem könnte es zu Betriebskapitalproblemen kommen. Der landwirtschaftliche Sektor basiert weitgehend auf Bargeld. Dort ist mit negativen Auswirkungen zu rechnen, zumal die Maßnahme vor Beginn der Winteraussaat erfolgte.  Seit dem Bargeldeinzug wurden die kurzfristigen BIP-Wachstumsprognosen deutlich nach unten korrigiert.  Die Wirtschaft wird zweifelsohne einige Monate lang in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies ist jedoch ein kleiner Preis für die potentiell beträchtlichen Vorteile der Maßnahme.

Langfristige Vorteile

Auf lange Sicht wird die Maßnahme unseres Erachtens positive Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Regierung haben und das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Erstens macht sie deutlich, dass die Regierung Korruption und Steuerflucht bekämpfen will und dass die Risiken und Kosten derartiger Praktiken deutlich zunehmen.

Zweitens wird dadurch die finanzielle Inklusion gerade für die Bevölkerungsschichten beschleunigt, die sie am dringendsten benötigen. In den vergangenen beiden Jahren hat sich die Regierung intensiv darum bemüht, private Haushalte mit niedrigen Einkommen zur Eröffnung von Sparkonten zu veranlassen. Wenn nur ein Teil dieser Konten infolge der Bargeldeinziehung aktiv genutzt wird, können gerade diese Haushalte von einer höheren Rendite für ihre Ersparnisse und von niedrigeren Kosten profitieren.

Drittens wird es in der Zeit von „Big Data“ immer schwieriger, Einkommen zu verschleiern, wenn der Anteil bargeldloser Transaktionen zunimmt. Zusammen mit der geplanten, landesweiten Verbrauchsteuer („goods and services tax“, GST) kann so die Steuereintreibung deutlich verbessert werden. Bei einer besseren Einhaltung der steuerlichen Vorschriften steigen die Einnahmen der Regierung, was dieser wiederum die dringend benötigten Mittel zur Verbesserung der Infrastruktur des Landes verschafft. Dadurch entstehen neue Stellen, ein wichtiges Hindernis für die wirtschaftliche Produktivität wird beseitigt, und die ausländischen Direktinvestitionen können weiter ansteigen.

Indiens derzeitige Regierung war von Anfang an reformorientiert. Durch die direkte Überweisung von Subventionen auf Bankkonten fließt inzwischen weniger Geld an korrupte Mittelsleute ab, und die geplante GST-Einführung wird es deutlich erleichtern, Geschäfte zu machen, und zugleich zu beträchtlichen Produktivitätsgewinnen führen und die Steuereinnahmen erhöhen. Mit ihrem kühnen Schritt zur Korruptionsbekämpfung treibt die Regierung so ihre Reformen weiter voran.

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