
Leiter der Fondsanalyse für Europa, den mittleren
Osten und Afrika bei Lipper, dem größten Fondsanalysehaus
der Welt.
Während einige Branchenbeobachter von einer deutlichen Abschwächung der Mittelzuflüsse in börsengehandelte Indexfonds sprechen, sehen andere neue Rekorde in greifbarer Nähe. Wer hat Recht? Technisch betrachtet ist es natürlich richtig, von einem Rückgang des Anlegerinteresses zu sprechen, wenn die aktuelle Zahl niedriger ist als der entsprechende Wert für die vorherige Periode. Doch dieser Ansatz greift meiner Ansicht etwas zu kurz, eignet sich aber wie im vorliegenden Fall sehr gut dazu, eine griffige Schlagzeile zu präsentieren.
Für eine versierte Marktbeobachtung muss allerdings auch das Umfeld beachtet werden. Bei einer entsprechenden Untersuchung stellt man fest, dass ETFs im ersten Quartal 2018 verhältnismäßig hohe Mittelzuflüsse hatten, was die Messlatte für die nächste Betrachtungsperiode nach oben verschiebt und auch wenn die ETF-Industrie von hohen Mittelzuflüssen verwöhnt ist, kann nicht jedes Quartal neue Höchstwerte ausweisen.
Zudem spielt auch die Entwicklung an den Finanzmärkten sowie in der Fondsbranche insgesamt eine Rolle bei der Beurteilung der Mittelbewegungen. Weisen Investmentfonds als Produktkategorie Mittelabflüsse auf, sind selbst niedrige Zuflüsse in börsengehandelten Indexfonds als positiv zu bewerten, da ETFs sich in diesem Fall besser als der allgemeine Trend entwickeln. Dabei spielt dann die absolute Höhe der Mittelzuflüsse eine untergeordnete Rolle. In einem solchem Fall von fehlendem Investoreninteresse zu sprechen ist also irreführend.

Zusammenfassung
Meiner Ansicht nach wird sich der Trend in Richtung börsengehandelter Indexfonds, insbesondere in Europa, noch weiter verstärken. Dabei wird es zwar immer wieder zu Wachstumsdellen kommen, aber das ist ganz normal, denn zum einen kann nicht jedes Jahr ein Rekordjahr sein und zum anderen haben auch externe Faktoren, die nicht von den ETF-Anbietern gesteuert werden können, wie zum Beispiel die Stimmung an den Märkten, einen erheblichen Einfluss auf das Anlegerverhalten. Dementsprechend sollten sich Investoren und Marktbeobachter nicht von kurzfristigen Tendenzen beirren lassen, sondern diese immer im Kontext der langfristigen Trends und des Marktumfeldes beurteilen.
(Detlef Glow)
Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Refinitv.
































