Jupiter positioniert sich in Deutschland für ein neues Marktumfeld. Der britische Asset Manager stellt sein Geschäft neu auf – mit klareren Vertriebswegen, aktiven Anlagestrategien und deutlich mehr Nähe zum Kunden
Jupiter Asset Management hat sein Deutschlandgeschäft für die nächste Wachstumsphase neu ausgerichtet. Im zweiten Halbjahr 2025 stiegen die Nettozuflüsse bereits spürbar, das für Kunden verwaltete Vermögen legte deutlich zu. 2026 hat sich das Wachstum weiter beschleunigt. Doch für Daniel Blum, Head of Business Development Germany, ist das erst der Anfang. Mit „Jupiter Germany 2.0“ haben er und sein Team ambitionierte Ziele.
Im Zentrum steht eine klarere Ausrichtung auf Kunden und Märkte. Die drei Vertriebsbereiche Advisory, Discretionary und Institutional bekommen deutlichere Aufgaben, sollen aber enger zusammenarbeiten. Statt starrer Silos geht es um gemeinsame Informationen, Investment-Know-how und Ressourcen. Das Ziel: schneller reagieren, Kunden besser verstehen und die vorhandene Expertise gezielter einsetzen.
Im Advisory-Geschäft liegt der Fokus auf großen Regionalbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken sowie führenden unabhängigen Vermögensverwaltern. Gleichzeitig soll die Reichweite über Pools, Plattformen und Partnerschaften ausgebaut werden. Im Discretionary-Geschäft will Jupiter die Zusammenarbeit mit Fondsselektoren systematischer gestalten und die regionale Präsenz über die bisherigen Zentren Frankfurt, Köln und Düsseldorf hinaus erweitern. Das institutionelle Geschäft bleibt dagegen bewusst selektiv. Hier zählen langfristige Beziehungen und größere, strategisch interessante Mandate mehr als die Jagd nach jedem einzelnen Tender.
AKTIV STATT AUTOPILOT
Auch auf der Produktseite setzt Jupiter auf Differenzierung. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Bewertungen und die starke Konzentration der Aktienmärkte auf wenige große Technologie- und KI-Unternehmen sprechen aus Sicht des Asset Managers für aktives Management. Stockpicker können Konzentrationsrisiken begrenzen, fundamentale Entwicklungen stärker berücksichtigen und Chancen abseits der großen Indexgewichte suchen.
Von Kunden seit Jahresbeginn besonders nachgefragt werden Jupiters systematische Aktienstrategien, sowohl als globale Absolute-Return- wie auch als Long-only- Ansatz, europäische Aktien sowie Investments in Indien und Asien. Hinzu kommen globale, flexible Anleihelösungen. Auch spezialisierte Strategien wie Global Value oder Bausteine wie Financials Contingent Capital spielen eine Rolle. Jupiter will dabei nicht mit einem möglichst großen Produktregal punkten. Entscheidend sei vielmehr, ob ein Produkt einen konkreten Kundenbedarf trifft, über echte Investmentkompetenz verfügt und langfristig Marktpotenzial besitzt.
Das gilt auch für die Expansion in den Markt aktiver EFTs. Nach einem Active ETF auf globale Staatsanleihen Anfang 2025 folgte Ende des Jahres ein Produkt für globale Small Caps – beide in Zusammenarbeit mit HANetf. Weitere Strategien sollen im Herbst folgen. Für Jupiter ist das kein Widerspruch zum bisherigen Ansatz: Entscheidend ist die Anlagestrategie, die Active ETF-Struktur ist lediglich die Verpackung.
60/40 WAR GESTERN
Hingegen steht aus Sicht vieler Anleger die klassische 60/40-Aufteilung auf dem Prüfstand. Das Jahr 2022 hat gezeigt, dass Aktien und Anleihen durchaus gleichzeitig unter Druck geraten können. Jupiter sieht daher Bedarf für zusätzliche Rendite- und Diversifikationstreiber. Absolute-Return-Strategien, flexible Anleihe-Ansätze sowie eine breitere regionale Streuung können dabei eine Rolle spielen. Nach Jahren der US-Dominanz rücken Europa, Asien und Schwellenländer wieder stärker in den Fokus.
Parallel will Jupiter seine Servicequalität ausbauen. Technologie, Daten und KI können hierbei unterstützen – den persönlichen Austausch sollen sie jedoch nicht ersetzen. Vertrauen, Präsenz vor Ort und der direkte Zugang zu Investmentexperten bleiben
wichtige Bestandteile des Geschäftsmodells.
JETZT ZÄHLT DIE BREITE
In den kommenden zwölf bis 18 Monaten will Jupiter bestehende Kundenbeziehungen weiter vertiefen, neue Vertriebswege erschließen und über alle Vertriebsbereiche wachsen. Dabei stehen die Themen systematische Aktienstrategien, Europa, Indien und Asien sowie ausgewählte Anleihe-Strategien im Fokus.
Fazit: Jupiter nutzt die veränderten Kapitalmarktbedingungen, um sein Deutschlandgeschäft strategisch weiterzuentwickeln. Eine stärkere Kundennähe, fokussierte aktive Strategien und ein klar strukturiertes Vertriebsmodell sollen die Grundlage für weiteres Wachstum schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Breite des Angebots, sondern die Frage, welchen Mehrwert eine Strategie für das Portfolio der Kunden leisten kann.
JUPITER






























