Zum ersten Mal wurde das neue FNG-Siegel Transition verliehen
Am 11. Dezember wurden auf dem Frankfurter Römerberg zum elften Mal die FNG-Siegel verliehen. Trotz – oder gerade wegen – der überbordenden Regulatorik im Bereich nachhaltige Finanzen, Greenwashing-Skandalen und -Skandälchen, dem Verlust an Glaubwürdigkeit einiger Kriterien, die von der EU-Politik als nachhaltig eingestuft werden und einer viel zu verkopften, Realitätsfremden Pflicht-Vorgabe zur Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen, steht das bereits 2015 eingeführte Gütezeichen weiter hoch im Kurs.
190 Finanzprodukte, die sich einer umfassenden Prüfung unterzogen haben, wurden mit dem unabhängigen Gütesiegel ausgezeichnet. Beworben hatten sich 205 Fonds und ETFs. 78 Häuser, darunter 5 neue, aus insgesamt 12 Ländern entschieden sich für eine Bewerbung. 15 der eingereichten Produkte konnten die Mindestanforderungen nicht erfüllen und erhielten kein Siegel. Neben dem etablierten FNG-Siegel wurde erstmals ein Fonds mit dem neuen FNG-Siegel Transition ausgezeichnet.
MANCHER EU-BELIEBIGKEIT SETZT DAS FNG-SIEGEL KLARE KANTE ENTGEGEN
Die Freude, mit der EU-Politik endlich einheitliche Standards für nachhaltige Geldanlagen zu bekommen, ist mittlerweile teilweise in Entsetzen umgeschlagen, insbesondere, was konkrete Kriterien angehen, die von der EU als nachhaltig definiert werden: Es fing an mit der Aufnahme von Atomstrom in die sogenannte EU-Taxonomie, ein Katalog von ökologischnachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten der EU. Obwohl die EU damit gegen ihre eigene Regel des „do no significant harm“ verstößt – diese Regel besagt, dass nur dann etwas im Sinne der Taxonomie als nachhaltig deklariert werden darf, wenn es nicht gegen die anderen Umwelt-Ziele der EU, wozu auch Müllvermeidung und Kreislaufwirtschaft gehören – verstößt – war das ein Deal mit Frankreich, um Deutschlands Bedarf an Gas nicht zu kompromittieren. Denn trotz des nicht CO2 ausstoßenden Atomstroms, ist die immer noch andauernde Endlagersuche des ewig anmutend strahlenden Atommülls ein offenkundiges „harm“, den jedes Kind als nicht-nachhaltig versteht. Aktuell gipfelt so manche EU-Unglaubwürdigkeit darin, dass sogar die Atombombe und weitere gemeinhin als kontroverse Waffen angesehene militärische Güter, wie zum Beispiel Napalm-Brandwaffen explizit als vereinbar mit Nachhaltigkeits-Fonds eingestuft werden.
Diesem politisch opportunen Zeitgeist hält das FNG-Siegel als freiwilliger Qualitätsstandard nachhaltiger Geldanlagen mit klarer Kante entgegen. Nach dem Motto „wo nachhaltig draufsteht, muss auch nachhaltig drin sein“, steht das etablierte Gütezeichen weiterhin für einfache Wiedererkennbarkeit gut gemachter Nachhaltigkeits-Fonds mittels unabhängiger Zertifizierung. Dazu zählen auch klare Ausschlußkriterien.
So sprach sich kürzlich eine deutliche Mehrheit von 83 Prozent im Rahmen einer Umfrage unter den Stakeholdern des Gütezeichens eindeutig dafür aus, den bislang strengen Waffen-Ausschluss des FNG-Siegels beizubehalten. „Für all diese ist das FNG-Siegel weiterhin eine gefragte Orientierungshilfe für gut gemachte Nachhaltigkeitsfonds“, betonte Marian Klemm, Vorstandsvorsitzender des Forum Nachhaltige Geldanlagen, in seiner Begrüßungsrede.
BISHERIGE REGULATORIK UND ESMA-LEITLINIEN ZU FONDSNAMEN REICHEN ZUR ORIENTIERUNG AM MARKT NOCH NICHT AUS
Auch im Hinblick auf die für die gesamte Wirtschaft notwendige Transformation, bei der es um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen geht, waren die teils vage formulierten Beschreibungen der ESMA, die zu hohe Interpretationsspielräume für Transition-Fonds zulassen, Motivation, mittels des neuen FNG-Siegel Transition einen klaren und heute schon verfügbaren Qualitätsstandard für entsprechende Finanzprodukte zu entwickeln.
„Nach einer Konsultation im letzten Jahr haben wir die Transition-Variante als separates Gütezeichen eingeführt, um Produkte auszuzeichnen, die auch in Unternehmen mit zu transformierenden Geschäftsfeldern investieren, wie fossile Energie und Stromversorgung“, erläuterte Roland Kölsch, der beim gemeinnützigen Wissenschaftsverein F.I.R.S.T. die Hauptverantwortung für die FNG-Siegel trägt.
DISKUSSIONSRUNDE ZUR NOTWENDIGKEIT VON LABELS
Neugierig und lebhaft mitdiskutierend waren die 100 Gäste bei der Einführung in die von der EU-Kommission vorgeschlagene Reform der Offenlegungsverordnung und die daran anschließende Diskussionsrunde „Produktkategorien – braucht es überhaupt noch Labels?“ mit Dr. Magdalena Kuper vom BVI, Kilian Minderlein von der ERSTE AM, der Finanzberaterin Britta Hennekes und Prof. Timo Busch von der Universität Hamburg, der das FNG-Siegel schon seit vielen Jahren mit seiner wissenschaftlichen Expertise unterstützt.
Die Antwort auf die Frage war: Ja, freiwillige Qualitätsstandards, die über die Regulatorik hinausgehen, allein schon, um Best-Practices zu fördern, gute Nachhaltigkeits-Ansätze zu würdigen und Ansporn für die Branche zu sein, wird es auf jeden Fall noch bis zur frühestens 2028 in Kraft tretenden neuen Regulatorik zu nachhaltigen Geldanlagen brauchen. Abzusehen ist, dass das jetzige (etablierte) FNG-Siegel gut zur „ESG-Basics“-Kategorie passt und mit dem neuen FNG-Siegel Transition ist diese neue Kategorie bereits orientiert. Zur Sustainable-Kategorie wird sich die Komplettierung zeigen. Im Idealfall aber bitte Qualitätsstandards / Labels oder ähnliches auf europäischer Ebene! Und vor allem: Die Retailkundschaft benötigt leicht verständliche Bilder / Symbole und eingängige Narrative.
ROLAND KÖLSCH
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