Investmentfonds

„Green Bonds bieten das Plus positiver externer Effekte für die Gemeinschaft“

Green Bonds stehen nach Ansicht von Matteo Merlin, Manager des Eurizon Fund – Absolute Green Bonds, erst ganz am Anfang ihrer Entwicklung

geralt / Pixabay

Immer mehr Staaten, Organisationen und auch Unternehmen erkennen, dass mit grünen Anleihen nicht nur eine Verzinsung des investierten Kapitals einhergeht, sondern positive externe Effekte, die einen positiven Nutzen für die Gemeinschaft beisteuern. Gleichzeitig warnt er vor „Greenwashing“, was der gesamten Entwicklung schaden könnte.

Das Interview mit Matteo Merlin ist zu Ihrer freien Verwendung, ein Foto des Fondsmanagers in Druckqualität schicken wir Ihnen auf Wunsch gern zu:

Matteo, welche Rolle werden grüne Anleihen in Zukunft hinsichtlich des weltweiten Klimawandels spielen?

Matteo Merlin: Fragen im Zusammenhang mit dem Klimawandel werden heute fast überall als entscheidend angesehen. Umweltrisiken werden immer mehr zu einem Thema, und die Öffentlichkeit, einschließlich Unternehmenslenkern und der Aktionäre, ist sich der Bedeutung konkreter Maßnahmen bewusst. Zum ersten Mal seit 15 Jahren rangiert der Global Risk Report 2020 des Weltwirtschaftsforums für Umweltfragen in Bezug auf das wahrgenommene Risiko für die nächsten zehn Jahre unter den ersten fünf Plätzen. Der Klimawandel wird ein Faktor sein, der langfristige wirtschaftliche Entscheidungen und Kapitalallokationen verändern wird. Grüne Anleihen sind eines der Instrumente, die in Richtung einer grünen Wirtschaft oder eines Wirtschaftsmodells gehen, das das Wohlergehen der Gemeinschaften und die soziale Gleichheit verbessert und gleichzeitig ökologische und ökologische Risiken verringert.

Bis zu welchem Niveau könnte der Markt Ihrer Meinung nach weltweit wachsen?

Matteo Merlin: Im September überschritten die Gesamtemissionen des globalen Marktes für grüne Anleihen seit der ersten Emission der Europäischen Investitionsbank im Jahr 2007 die Marke von einer Billion Dollar. Trotz der Verlangsamung aufgrund der Covid-19-Pandemie belaufen sich die Emissionen seit Anfang des Jahres auf über 180 Milliarden Dollar, davon allein über 30 Milliarden im September. Das Wachstum des Marktes hat zu einer bedeutenden Entwicklung in der Zusammensetzung des Sektors geführt. Erwähnenswert ist, dass viele Regierungen beschlossen haben, nach der ersten Emission Polens im Jahr 2016 den Weg zur Emission einer grünen Anleihe zu beschreiten – gefolgt ein Jahr später von Frankreich, das heute der größte Emittent der Welt ist. Im Anschluss haben auch andere Länder diesen Weg eingeschlagen, wie etwa Irland, Belgien, Holland und Schweden. Im September begab Deutschland seine erste Emission einer 10-jährigen grünen Anleihe über 6,5 Milliarden Euro und kündigte weitere Anleiheemissionen an, um eine grüne deutsche Renditekurve aufzubauen. Am 4. November kam der zweite „Green Bund“ mit fünfjähriger Laufzeit und einem Volumen von 5 Milliarden Euro. Die staatlichen Emittenten haben dem Größenwachstum einen weiteren Schub gegeben, und wir erwarten, dass andere Länder diesem Weg ebenfalls folgen werden. Was die Unternehmen betrifft, so sehen wir eine Zunahme an Emittenten, die wiederholt grüne Anleihen begeben, sowie immer wieder neue Emissionen aus Wirtschaftssektoren, die zuvor noch nicht vertreten waren, wie der Chemie- und Automobilsektor. Insgesamt machen grüne Anleihen jedoch nur einen kleinen Prozentsatz des gesamten Schuldenmarktes aus, weshalb wir glauben, dass diese erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen.

Ist dieser Markt für Investoren leicht zugänglich oder ist das noch ein weiter Weg?

Matteo Merlin: Der Markt für grüne Anleihen ist ein junger und globaler Markt, der sich in einer Wachstums- und Entwicklungsphase befindet und an dem eine wachsende Zahl von Akteuren beteiligt ist. Die ersten Emissionen im Jahr 2007 und die Definition des GBP – Green Bond Principle, die von der ICMA im Jahr 2013 eingeführt und 2018 überarbeitet wurde, gaben dem Markt eine größere Struktur, die ein anfängliches Wachstum ermöglichte. Im Jahr 2018 erkannte die Europäische Gemeinschaft die Bedeutung des Instruments der grünen Anleihen als einen der Wachstumsmotoren der nachhaltigen Finanzwirtschaft und legte einen Vorschlag für eine Verordnung über die Schaffung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen vor. Der Prozess der Konfrontation zwischen institutionellen, korporativen und internationalen Akteuren führte in diesem Jahr zur Veröffentlichung der Taxonomie-Verordnung, zugleich sind Konsultationen über die Einführung eines EU-Green-Bond-Standards im Gange. Die Schaffung eines europäischen Standards, der weltweit verwendet werden kann, zielt darauf ab, sowohl ein Wachstum des Marktes als auch die Identifizierung von mehr und glaubwürdigeren nachhaltigen Möglichkeiten durch die Investoren zu ermöglichen. Diese Bemühungen, die mit verschiedenen Ländern auch außerhalb des europäischen Raumes geteilt werden, zeigen, dass es innerhalb des Marktes eine Entwicklung gegeben hat, von der wir bislang nur die ersten Schritte sehen.

Welche Renditen bieten Investitionen in grüne Anleihen in einer Welt mit Zinssätzen nahe Null? Sind sie höher als andere Schuldenpapiere mit fast negativen Zinssätzen?

Matteo Merlin: Meiner Meinung nach ermöglichen die verantwortungsbewussten Finanzinstrumente eine Verzinsung des investierten Kapitals, mit dem Plus, dass sie positive externe Effekte schaffen und somit einen Nutzen für die Gemeinschaft beisteuern. Veranstaltungen wie „Fridays for Future“ haben die Verbindung zwischen dem Umfeld und den sozialen Aspekten und dem Wohlergehen der Gemeinschaften unterstrichen. In Bezug auf grüne Themen gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen grünen und nicht grünen Anleihen, was die Renditen betrifft. Allerdings gibt es einige positive Aspekte, da die Anlageklasse auch Ströme von institutionellen Anlegern – wie Pensionsfonds und Versicherungen – erhält, die einen langfristigen Anlagehorizont und einen Buy & Hold-Anlagestil haben.

Welches sind die Hauptrisiken bei Investitionen in diesen Markt, die Anleger in Betracht ziehen sollten?

Matteo Merlin: Das „Greenwashing“ ist unser Hauptanliegen, wobei unser Fonds, der Eurizon Absolute Green Bonds, äußerst sorgfältig darauf achtet, dieses Phänomen zu vermeiden. Zu diesem Zweck führt der Fonds ein Screening des grün-gelabelten Universums durch und wählt Finanzinstrumente aus, die sich durch ein hohes Maß an „grün“ auszeichnen und eine Präferenz für Sektoren mit den höchsten Umweltauswirkungen zum Ausdruck bringen. Eurizon veröffentlicht zudem zweimal jährlich einen Impact-Bericht für den Fonds, in dem die Umwelt- und sozialen Auswirkungen von Projekten, die durch grüne Anlagen finanziert werden, beschrieben und quantifiziert werden. Dies ist ein nützliches Instrument für Investoren, die daran interessiert sind, die durch ihre Investitionen erzeugten positiven externen Effekte zu bewerten.

(Eurizon)

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