Investmentfonds

Festverzinsliche Wertpapiere: attraktive Renditen trotz Niedrigzinsen

Mein Geld Chefredakteurin Isabelle Hägewald im Interview mit Helge Müller, Chief Investment Officer von Genève Invest

 

Was ist die Anlagestrategie des Switzerland Invest – Fixed Income High Yield Fund?

HELGE MÜLLER: Der Fonds investiert ausschließlich in festverzinsliche Unternehmensanleihen. Das Prinzip ist dabei stets das gleiche: Die Anleihen zahlen einen festen Kupon mit ein bis vier Ausschüttungen pro Jahr und am Ende der Laufzeit wird der Nominalbetrag zurückerstattet. Während Staatsanleihen und Unternehmensanleihen von Großunternehmen wie beispielsweise Siemens oder Nestlé sich am Markt mit sehr niedrigen Zinsen refinanzieren können, müssen Unternehmen aus der zweiten Reihe und mittelständische Unternehmen dem Markt deutlich höhere Zinserträge anbieten, um Anleihen zu emittieren. Von diesen mittelständischen Unternehmen suchen wir ganz gezielt Anleihen heraus, die aus unserer Sicht ein limitiertes Risiko darstellen. So kann beispielsweise eine Siemens-Anleihe eine Rendite von unter 0,5 Prozent ausweisen, während ein Siemens-Zulieferer gut gefüllten Auftragsbüchern über mehrere Jahre sich in 2018 mit sieben Prozent refinanzieren musste. Solche Titel kaufen wir ganz gezielt, wobei wir das Risiko weiter reduzieren, indem wir die Anlagen auf in der Regel mehr als 80 Emittenten verteilen.

 

Was sind die Vorteile der festverzinslichen Anlage?

HELGE MÜLLER: Der zentrale Vorteil der festverzinslichen Anlage ist der Umstand, dass man sehr prognostizierbare Erträge erhält, da die Unternehmen gezwungen sind, die Zinsen gemäß Emissionsprospekt stets pünktlich zu bezahlen. Durch die festgelegte Endlaufzeit der Anleihe besteht ein Eventeffekt. Man bekommt das Geld an einem festgelegten Datum zurück und kann sich danach überlegen, wo man es als nächstes investieren möchte. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber dem Aktienmarkt, da man zwar in eine gute Aktie investieren kann, aber nie weiß, wann diese steigen wird und man im Falle eines Einbruchs manchmal Jahre warten muss, um die Verluste wieder aufzuholen. Es ist ein Mythos, dass man mit Anleihen keine guten Erträge erzielen kann. So hat beispielsweise der High Yield Index für europäische Unternehmensanleihen in den letzten zwanzig Jahren die europäischen Aktienmärkte deutlich outperformt. Das Gleiche gilt für den amerikanischen Markt. Dabei sind die Schwankungen von Anleihen deutlich geringer als die von Aktien. In der Regel braucht man nicht mehr als zwei Jahre, um einen Verlust auszugleichen und ein neues Allzeithoch zu erreichen. Bei einigen Aktienmärkten kann man manchmal zehn Jahre und mehr warten, wenn man zu einem ungünstigen Zeitpunkt eingestiegen ist, um wieder auf den Ausgangswert zu kommen. Gerade für ältere Investoren, die auf regelmäßige Ausschüttungen angewiesen sind, stellen Anleiheinvestitionen daher eine attraktive Alternative dar.

 

Wie ist der Fonds aktuell positioniert?

HELGE MÜLLER: Aktuell ist das Portfolio auf rund achtzig Titel verteilt. Bei den ausgewählten Währungen geht der Fonds sehr konservativ vor. Es wird ausschließlich in Währungen investiert, die von Ländern, die höchste Bonität genießen, ausgegeben wurden. Dies sind neben dem Euro und dem US-Dollar noch skandinavische Währungen. Bei den Laufzeiten der Anleihen liegt der Fokus auf Anleihen mit mittlerer Laufzeit, in der Regel vier bis sechs Jahre. Auf diese Weise generiert der Fonds einen sehr vorhersehbaren und konstanten Strom von Zinserträgen. Europäische Unternehmensanleihen aus der zweiten Reihe sind in 2018 zum Teil zehn bis 15 Prozent gefallen. Viele dieser Titel handeln derzeit deutlich unterhalb des Ausgabekurses. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass so eine Situation in der Regel nicht lange anhält. Hier haben wir ganz gezielt das Portfolio verstärkt mit Anleihen, die vom Kurswert deutlich nachgegeben haben, von denen wir aber die Einschätzung haben, dass sie gut aufgestellt sind um selbst in einem schwierigen Marktumfeld bestehen zu können.

 

Was ist Ihr Ausblick für festverzinsliche Anlagen für 2019?

HELGE MÜLLER: Aus unseren Erfahrungen der letzten drei Jahrzehnte Anleihemanagement wissen wir, dass wenn die Kurse der ausgegebenen Anleihen deutlich unterhalb des Ausgabekurses fallen, diese sich sehr schnell wieder erholen. Dies war beispielsweise der Fall in 2008/2009 und 2011/2012. In diesem Jahr erwarten wir die gleiche Reaktion. Die Anleihen werden nach unserer Einschätzung in den nächsten zwölf Monaten wieder oberhalb der Ausgabekurse notieren. Anleger, die diese Situation ausnutzen möchten, würden in so einem Szenario neben den attraktiven Zinsen auch noch von der deutlichen Kurserholung profitieren.

VIELEN DANK FÜR DAS GESPRÄCH.

(MG)

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