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ESG-Regulierung: Nach dem E kommt jetzt das S

Mit ihrem Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums legte die EU-Kommission im März 2018 den Grundstein für eine systematische und transparente Ausrichtung der Finanzwirtschaft an den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung. Erster wichtiger Baustein des Plans war die Erarbeitung eines Klassifizierungssystems zur Bestimmung der ökologischen Nachhaltigkeit. Diese Taxonomie liegt nun vor und soll dabei helfen, die ökologische Qualität verschiedener Wirtschaftstätigkeiten zu bestimmen.  Jetzt geht die EU daran, den zweiten zentralen Baustein in Angriff zu nehmen. Mit der sogenannten sozialen Taxonomie soll ein Regelwerk auf den Weg gebracht werden, das Kriterien zur Beurteilung der sozialen Wirkung eines Unternehmens beinhaltet. Viele Beobachter erwarten hier einen Prozess, der noch schwieriger werden könnte als dies bei der Erarbeitung der ökologischen Taxonomie der Fall gewesen ist. Denn während man bei der Beurteilung der ökologischen Wirkung von Unternehmenstätigkeiten auf wissenschaftliche Kriterien zurückgreifen konnte, sei dies mit Blick auf die soziale Taxonomie nur bedingt gegeben. Mitunter sei es daher kompliziert, soziale Ziele sinnvoll quantitativ zu messen. Dies liege auch daran, dass eine soziale Taxonomie eher nützliche Auswirkungen definiere, während es auf ökologischer Ebene vor allem um Schäden gehe.

NACHHALTIGKEIT ZIELT AUCH AUF SOZIALE BELANGE

Trotz dieser Bedenken hat im Februar eine Expertengruppe unter dem Vorsitz von Antje Schneeweiß, Co-Chefin des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren, einen Bericht über die mögliche Ausgestaltung einer sozialen Taxonomie vorgelegt. Diese „soll Orientierung bieten, was sozial ist“, sagte die deutsche Investmentexpertin der dpa. „Gäbe es nur eine Umwelt- und keine Sozialtaxonomie, so würden viele Wirtschaftsbereiche bei der Beurteilung von Nachhaltigkeit durchs Raster fallen.“ Dies sei nicht wünschenswert, sagte Schneeweiß und fügte ein Beispiel hinzu. „Die Produktion von bezahlbaren Impfstoffen spielt in der Umwelttaxonomie keine Rolle – sie ist für unsere Gesellschaft aber sehr wichtig und sollte daher ebenfalls Rückenwind bekommen.“ Sozial nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten könnten nach den Vorstellungen der Expertengruppe künftig dadurch identifiziert werden, dass sie zu mindestens einem Sozialziel der EUSozialtaxonomie wesentlich beitragen, kein anderes Sozialziel wesentlich beeinträchtigen und einen sozialen Mindestschutz gewährleisten. Die Diskussionen über das Papier dürften nicht leicht werden und könnten sich über das gesamte Jahr hin erstrecken. Schnelle Entscheidungen sind also nicht zu erwarten. Und sie sind auch nicht geboten. Denn im Gegensatz zur dringlichen Aufgabe des Klimaschutzes sind soziale Fragen zwar relevant, aber gegenwärtig keineswegs prioritär. Dies wird auch in Investorenkreisen so gesehen. „Wir brauchen einfache, gut verständliche und vor allem umsetzbare Lösungen. Ein Übermaß an bürokratischem Aufwand wird gesellschaftliche Veränderungen eher verhindern als fördern“, gibt Thomas Katzenmayer, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Kirchenbank, zu Bedenken.

ASSET MANAGER HABEN ES IN DER HAND

Unabhängig von den Brüsseler Regulierungsbemühungen findet die Berücksichtigung von sozialen Aspekten bei der Kapitalanlage bei einigen Asset Managern bereits jetzt schon systematisch Anwendung. Auf Klarstellungen der EU muss man hier nicht unbedingt warten. Eine Investmentfirma, die hier besonders weit geht, ist das zu Natixis Investment Managers gehörende französische Fondshaus Mirova. Im Interview mit der „FAZ“ erläuterte dessen Chef, Philippe Zaouati, unlängst: „Für uns ist die soziale Entwicklung genauso wichtig wie der Umwelt- und Klimaschutz.“ Konkret bedeutet dies unter anderem, dass Mirova Unternehmen mit einer „agressiven Steuervermeidungspolitik“ negativ bewertet. Ein anderes Beispiel ist Facebook. Auch hier hat Mirova Bedenken. „Wir investieren nicht in Facebook, weil wir hier einen Interessenkonflikt zwischen dem Geschäftsmodell und dem Datenschutz sehen“, so Zaouati.

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