Investmentfonds

Energieaktien 2026: Vollgas oder Bremspedal?

Eine kommentierende Analyse von Tal Lomnitzer, Senior Investment Manager, Janus Henderson Investors

Die überdurchschnittliche Performance von Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien im Jahr 2025 spiegelte echte politische und wirtschaftliche Veränderungen wider und scheint daher den Beginn einer nachhaltigeren Neubewertung zu markieren. Europas 300-Milliarden-Euro-Initiative „REPowerEU“, die nach Ausbruch des Ukraine-Konflikts ins Leben gerufen wurde, wurde nun durch weitere Maßnahmen zur Energiesicherheit als Reaktion auf die Spannungen im Nahen Osten verstärkt. Deutschland hat im März 2026 zusätzliche 10 Gigawatt an Onshore-Windkraft-Auktionen zugesagt, während Frankreich im April Ausschreibungen für 10 Gigawatt Offshore-Windkraft gestartet hat, die ausdrücklich an die europäische Industrie gebunden sind. Großbritannien hat die Auktion der 8. Zuteilungsrunde auf Dezember 2026 vorverlegt. Die USA haben ihre Ambitionen zwar zurückgeschraubt, behalten aber bis mindestens 2030 ein starkes Förderprogramm für den Einsatz bestimmter Technologien im Bereich erneuerbare Energien wie Solarenergie und Batteriespeicher bei. China treibt den Ausbau sauberer Energien weiterhin mit Nachdruck voran und hat kürzlich seine Absicht bekräftigt, die Kapazität erneuerbarer Energien bis 2035 von einem bereits hohen Niveau aus zu verdoppeln. Aus wirtschaftlicher Sicht haben höhere Gaspreise und geopolitische Unsicherheiten den Ländern die Vorteile einer zuverlässigen Stromversorgung aus erneuerbaren Energien vor Augen geführt – beispielsweise durch Solarenergie in Kombination mit Batteriespeichern. In Märkten, in denen gesicherte erneuerbare Energie mittlerweile höhere Preise erzielt als konventionelles Erdgas, entsteht eine „Prämie für grüne Zuverlässigkeit“. Dank technologischer Fortschritte und größerer Produktionsmengen sinken die Kosten weiter, wodurch sich die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien verbessert. Dies führt zu einem positiven Kreislauf, der im Falle von Batteriespeichern bis 2030 zu einem massiven Ausbau der Speicherkapazitäten führt und so schwankende erneuerbare Energien in regelbare, zuverlässige Stromquellen wandelt.

Vor diesem strukturell positiven Hintergrund gibt es jedoch einige Risiken, die es zu berücksichtigen und beachten gilt. Die Zinssensitivität beim Ausbau erneuerbarer Energien ist hoch, da die Projekte höhere Anfangsinvestitionen erfordern als fossile Alternativen. Dadurch sind ihre durchschnittlichen Kosten anfälliger für steigende Finanzierungskosten. Darüber hinaus kann die Inflation bei den Inputkosten, insbesondere für Stahl, Kupfer, Lithium und andere kritische Metalle, die Wirtschaftlichkeit der Projekte beeinträchtigen.

Chancen bei erneuerbarer Energie?

Mit Blick auf die Energiewende und das durch KI getriebene Wachstum im Bereich Rechenzentren sehen wir Chancen in verschiedenen Bereichen. Batteriespeicher, Netzinfrastruktur und große Solaranlagen bieten nachhaltiges strukturelles Wachstum mit offensichrlichen Treibern. Die Metalle, die diesen Ausbau ermöglichen, erscheinen äußerst interessant. Die Zukunft lässt sich zwar nur schwer voraussehen, dennoch dürfte das zukünftige Energiesystem elektrifizierter, dezentraler und komplexer sein. Unternehmen, die diesen Wandel vorantreiben, werden die nachhaltigsten Erträge erzielen.

Vorteil traditionelle Energien?

Aufgrund der riesigen Vorkommen in den USA behält Erdgas dort seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und seinen strategischen Wert. Außerhalb der USA verliert die Investition in traditionelle Kohlenwasserstoffe unserer Ansicht nach strukturell an Attraktivität. Die EU importierte 2025 Energieprodukte im Wert von 337 Milliarden Euro. Ihre Wirtschaft reagiert empfindlich auf die Preise und die Verfügbarkeit dieser Produkte. EU-Länder wie Spanien oder Frankreich, die sich von fossilen Brennstoffen abgewandt haben, haben den jüngsten Energiepreisanstieg besser überstanden als beispielsweise Italien.

Der rasante Ausbau der Solarenergie in Pakistan hat die Wirtschaft vor Ölpreisspitzen geschützt, unter denen Bangladesch und andere importabhängige Länder zu leiden haben. Diese Entwicklung spricht stark für den Ausbau einheimischer Kapazitäten erneuerbarer Energien in energieimportierenden Regionen. Erdgas behält seinen strategischen Wert in den USA und weltweit als Reservekapazität. Die Ölnachfrage wird bis 2030 voraussichtlich um etwa 1 Mio. Barrel pro Tag und Jahr steigen, doch Kapitaldisziplin und geopolitische Volatilität sprechen für eine selektive Vorgehensweise.

In anderen traditionellen Rohstoffsektoren sehen wir künftig erhebliche Chancen. Die Kernenergie erlebt derzeit ein Comeback als Lösung sowohl für den Klimaschutz als auch für die Energiesicherheit, wovon die Uranproduzenten profitieren dürften. Bei kritischen Metallen führt Chinas Vormachtstellung in der Verarbeitung und in den Lieferketten zu geopolitischen Abhängigkeiten, die Handels- und Investitionsströme verändern. Die Lieferketten für Kupfer, Lithium, Seltene Erden, Graphit und andere kritische Metalle entwickeln sich nicht schnell genug, um Elektrifizierungspläne zu unterstützen, die höhere Preise über einen längeren Zeitraum erfordern, um die notwendigen Investitionen anzukurbeln. Wir sind sehr optimistisch, was die Aussichten für Unternehmen in diesen Bereichen angeht.

Wir sind auch optimistisch gegenüber den Teilsektoren der Energiebranche, die mit der Strominfrastruktur, der Wettbewerbsfähigkeit und der Energieversorgungssicherheit zusammenhängen. Batteriespeicher zeichnen sich in verschiedenen Szenarien als klarer Gewinner ab, da ihre Kapazität aufgrund des Bedarfs an Netzstabilität, der Wirtschaftlichkeit der Stromsicherung aus erneuerbaren Energien und der KI-getriebenen Stromnachfrage wachsen dürfte. Investitionen in die Stromübertragung und -verteilung zur Beseitigung von Netzengpässen sind erforderlich, um die Integration erneuerbarer Energien und den Ausbau von Rechenzentren zu ermöglichen. Dies kommt regulierten Versorgungsunternehmen mit inflationsgebundenen Erträgen sowie Unternehmen zugute, die Investitionsgüter wie Solarmodule, Kabel, Transformatoren und Umspannwerke liefern. Die Sektoren Kernenergie und Uran werden von der Beschleunigung der Atomprogramme profitieren.

Japan strebt bis 2030 einen Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung von 22 % an (gegenüber 8 % heute), China zielt auf 110 GW bis 2030 ab, und die USA kündigten den Bau von zehn neuen Reaktoren bis 2030 an. Während für die Uran-Nachfrage ein Anstieg prognostiziert wird, dürfte das Angebot aus dem Bergbau zurückgehen. Das daraus resultierende Defizit lässt darauf schließen, dass die Uranpreise auf absehbare Zeit hoch bleiben werden, zumal Hyperscaler bereit sind, für Kernenergie Aufschläge von 60 bis 100 Prozent auf die Marktpreise zu zahlen.

Bei Teilsektoren wie den nicht in den USA ansässigen Upstream-Ölproduzenten sind wir skeptisch. Die Entwicklung der OPEC-Reservekapazitäten und die Unterinvestitionen in der Raffineriebranche stützen integrierte Ölproduzenten. Die Abhängigkeit von Energieimporten und die Risiken sogenannter „Stranded Assets“ belasten jedoch langfristige Upstream-Ölprojekte außerhalb Nordamerikas. Auch die Offshore-Windenergie erscheint uns als Herausforderung, da eigenständige Projektentwickler unter Margendruck stehen und mit Umsetzungsrisiken konfrontiert sind. Daher sind wir gegenüber diesem Sektor der erneuerbaren Energien, der auf externe Unterstützung angewiesen ist, um wirtschaftlich rentabel zu sein, zurückhaltend.

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