Investmentfonds

China bleibt ein Muss für Investoren

Trotz sinkender Wachstumsdynamik sollte die chinesische Wirtschaft nicht abgeschrieben werden.

 

„Die Lokomotive der Weltwirtschaft bremst ab.“ So beschrieben die Experten der Fondsgesellschaft Union Investment unlängst die relative Wachstumsschwäche im Reich der Mitte. Und tatsächlich: Hatte das chinesische Wirtschaftswachstum 2010 noch bei über zehn Prozent gelegen, so sank es in den folgenden Jahren kontinuierlich ab. Ende vergangenen Jahres lag es nach offiziellen Angaben bei 6,1 Prozent. Das ist deutlich mehr als in allen Industriestaaten, allerdings das geringste Wachstum seit rund 30 Jahren. Das selbst gesteckte Ziel der Kommunistischen Partei, das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2010 und 2020 zu verdoppeln, könnte zwar noch so eben erreicht werden. Klar ist jedoch, dass die chinesische Wirtschaft deutlich an Dynamik verliert.

China muss sein Wachstumsmodell ändern

Dies liegt nicht nur an dem inzwischen bereits zwei Jahre dauernden Handelskonflikt mit den USA. Viele Probleme sind hausgemacht. So weisen Wirtschaftsexperten etwa auf die Überschuldung des Landes, die Konsumzurückhaltung seiner Bürger und auf die nach wie vor geringe Produktivität in Teilen der chinesischen Wirtschaft hin. So paradox es klingen mag, könnte das nachlassende Wachstum vor diesem Hintergrund dennoch als ein positives Zeichen gewertet werden. Signalisiert es doch, dass die chinesische Wirtschaft gewillt ist, anstelle eines rein quantitativen Wachstums künftig stärker auf ein qualitatives Wachstum zu setzen. Die Folgen wären ein weniger schuldenfinanziertes Wachstum und das Ende einer Industriepolitik, welche nicht wettbewerbsfähige und unproduktive Unternehmen bisher nur allzu häufig am Leben erhalten hat. Viele Beobachter halten das zurückgegangene Wachstum daher eher für eine gesunde Entwicklung als für einen Schaden. Denn am Ende des Transformationsprozesses würde die chinesische Wirtschaft wie eine reifere Wirtschaft zwar langsamer wachsen, dafür aber weniger anfällig sein. Gerade der chinesischen Wirtschaft würde eine erhöhte Resilienz gut tun. Schließlich ist sie seit 2010 nach den USA die zweitgrößte, beziehungsweise gemessen an der Kaufkraftparität, seit 2016 die größte Volkswirtschaft der Welt. Verliefe ihre Entwicklung stabiler und berechenbarer, wäre das auch für Investoren eine gute Botschaft.

Hohes Interesse professioneller Investoren

Weltweit scheinen sich Großanleger von den zurückgegangenen Wachstumszahlen in China tatsächlich nicht irritieren zu lassen. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer vom Investmenthaus Invesco in Auftrag gegebenen Studie. Ende des vergangenen Jahres wurden dazu 411 institutionelle Investoren aus Nordamerika, Asien-Pazifik (APAC) und Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) zu ihrem China-Engagement befragt. Mehr als 80 Prozent der Befragten wollen ihre China-Allokationen in den nächsten zwölf Monaten demnach moderat bis deutlich ausweiten. Nur vier Prozent hingegen planen, ihre Investments in China zurückzuführen.

Und wo sehen die Profianleger ihre Chancen in China? Vor dem Hintergrund des chinesischen Aufstiegs an die Weltspitze im Technologiesektor bezeichneten 58 Prozent der Studienteilnehmer vor allem den Bereich der technologischen Innovation (zum Beispiel bei der Künstlichen Intelligenz oder der Robotik) als potenziell attraktives Anlagethema. An zweiter Stelle stand die sich entwickelnde Finanzdienstleistungsindustrie im Reich der Mitte. 51 Prozent der Befragten erkennen in diesem Sektor gute Chancen. 41 Prozent bejahten dies für „New Economy“-Dienstleistungen wie Gesundheit, IT und Bildung. Auch erneuerbare Energien spielen für die Befragten eine wichtige Rolle.

Wie die Invesco-Studie weiter zeigt, sind fast 90 Prozent der Befragten auf die eine oder andere Weise gezielt am chinesischen Markt investiert. Ihr China-Engagement geht in diesen Fällen also nicht etwa auf  asiatische Regionalfonds oder Emerging- Market-Investments zurück.

Ihre spezifischen China-Investments begründeten die Investoren mit mehreren Anlagezielen. Zu den wichtigsten zählen die Portfolio diversifikation (87 Prozent) sowie die Alpha- Generierung (62 Prozent).

Die Frage, ob diese Anlageziele erreicht wurden, wurde von 77 Prozent der Studienteilnehmer bejaht. 21 Prozent hielten eine abschließende Beurteilung noch für verfrüht und lediglich ein Prozent gab an, die Ziele bislang nicht erreicht zu haben.

Dennoch gilt: Trotz der überwiegend positiven Erfahrungen der Studienteilenehmer sind die chinesischen Finanz- und Kapitalmärkte in besonderem Maße abhängig von staatlicher Einflussnahme. Zwar gab es in jüngster Vergangenheit hier gewisse Fortschritte. Unzureichende Rechtssicherheit sowie das Fehlen zuverlässiger Finanzintermediäre bleiben aber weiterhin wichtige Risikofaktoren für Anleger. Viele von ihnen halten die Risikoprämie an den chinesischen Märkten allerdings offenbar für attraktiv genug, um dort weiterhin engagiert zu sein.

(MG)

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