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Börsenjahr 2023: Zuversicht ohne Selbstgefälligkeit

Von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

PIX1861 / Pixabay

Jedes Börsenjahr hat seine Besonderheiten und besonderen Ereignisse. Einige werden auch noch Jahrzehnte später die Geschichte der Finanzmärkte prägen. Zu ihnen wird zweifellos auch das Jahr 2022 gehören. Aktien und Anleihen sind gleichzeitig gefallen, was zu den schlechtesten Wertentwicklungen diversifizierter Portfolios seit den 1930er Jahren führte. Der Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikts, des schwersten Krieges auf europäischem Boden seit dem zweiten Weltkrieg. Die seit den 1980er Jahren stärkste geldpolitische Straffung durch praktisch alle Zentralbanken der Welt angesichts einer Inflation, die den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreichte. All das sind historische Fakten, die dem Jahr 2022 eine Mitgliedschaft im exklusiven Club der außergewöhnlichen Börsenjahre verschaffen dürften.

Kurzfristig trübe Aussichten

Fakten, die auch die Anleger auf die Probe gestellt haben. Wird das Jahr 2023 ihnen nach Monaten im roten Bereich bei nur sehr wenigen guten Nachrichten ein wenig Gelassenheit und Zuversicht bringen? Fest steht, dass die kurzfristigen Wirtschaftsaussichten trübe sind. Wenngleich die geldpolitische Straffung bei der Eindämmung der Inflation, die nun vielleicht ihren Spitzenwert erreicht hat, wirkungsvoll war, dürfte ihre Heftigkeit eine weltweite Rezession auslösen. Der Handlungsspielraum der Zentralbanken und Regierungen wird begrenzt sein, was bei Ersteren durch die anhaltend hohe Inflation und bei Letzteren durch die höheren Refinanzierungskosten bedingt ist. Dieses Umfeld mahnt zur Vorsicht an den Aktienmärkten, deren Bewertungen zwar geschrumpft sind, aber noch nicht auf Ramschniveau liegen, und an denen es zu einer Abwärtskorrektur der Gewinnaussichten kommen könnte. Langfristig deuten die Rückgänge von Kursen und Bewertungskennzahlen, die Aktien in den vergangenen Quartalen verzeichneten, allerdings auf eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit positiver Wertentwicklungen auf Sicht mehrerer Quartale hin.

Auf lange Sicht sind Aktienbewertungen jetzt aber attraktiv

Daher empfiehlt sich kurzfristig bei anhaltend hoher Volatilität und möglichen neuen Enttäuschungen Vorsicht. Doch bei einigen Schwächen könnte man wieder Aktienrisiko in Portfolios aufnehmen. Unter diesem Gesichtspunkt könnten kleine und mittlere Wachstumswerte, die 2022 ganz besonders zu leiden hatten, interessante Gelegenheiten bieten. Die andere gute Nachricht ist, dass die großen Verlierer der vergangenen Jahre, nämlich Anleihen, allen voran Anleihen privater Unternehmen, wieder an Attraktivität gewonnen haben. Bei einem erneut sehr interessanten Carry und dem baldigen Ende der Zinsanhebungen durch die Zentralbanken sowie bei Risikoprämien, die zum Teil das Szenario eines Konjunkturabschwungs eingepreist haben, dürften Unternehmensanleihen wieder ihre Rolle als diversifizierende Komponenten in Portfolios übernehmen.

Da die Ära der Nullzinsen und der geldpolitischen Unterstützung zu Ende geht, werden Anleger mit einem zunächst einmal weniger günstigen Umfeld konfrontiert sein, das eine Überprüfung und Diversifizierung der Portfolios erfordert. Eine Entwicklung, die nach dem unerschütterlichen Prinzip der schöpferischen Zerstörung den Weg für Innovationen ebnen wird, die in den kommenden Jahren Performance generieren können.

(LFDE)

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