Im Gespräch mit „Mein Geld“ erläutert Christian Machts, CEO, Franklin Templeton, warum sein Haus frühzeitig auf das neue Vorsorgemodell setzt, welche Rolle digitale Plattformen wie Finanzguru und Partner wie MorgenFund spielen und wie internationale Investmenterfahrung in die Entwicklung neuer Lösungen einfließt. Im Mittelpunkt steht dabei eine zentrale Frage: Wie lässt sich kapitalmarktbasierte Altersvorsorge für mehr Menschen zugänglich, verständlich und langfristig attraktiv gestalten?
Herr Machts, viele Experten sprechen vom Altersvorsorgedepot als einer Zeitenwende für die private Altersvorsorge. Warum ist diese Reform aus Ihrer Sicht so bedeutend, und weshalb engagiert sich Franklin Templeton bereits so früh in diesem Markt?
CHRISTIAN MACHTS: Das Altersvorsorgedepot ist aus meiner Sicht deshalb so bedeutend, weil es die Logik der geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland grundlegend verändert. Wir kommen aus einer Welt, die sehr stark von Garantien, Komplexität und teilweise begrenzten Renditechancen geprägt war. Künftig rückt der langfristige Kapitalmarkt stärker in den Mittelpunkt. Das ist ein wichtiger Schritt, wenn private Vorsorge wieder attraktiver, verständlicher und wirkungsvoller werden soll.
Für Franklin Templeton ist klar: Ein solcher Markt entsteht nicht erst am Tag des offiziellen Starts. Die entscheidenden Weichen werden jetzt gestellt, bei Produktdesign, Kostenstruktur, digitaler Nutzerführung, Beratung und Kommunikation. Deshalb engagieren wir uns früh. Wir wollen diese Entwicklung nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten. Als globaler Asset Manager bringen wir langjährige Kapitalmarkterfahrung, internationale Vorsorgeexpertise und eine breite Investmentplattform ein. Gleichzeitig wissen wir: Ein gutes Produkt allein reicht nicht. Es muss einfach zugänglich sein und zur Lebenswirklichkeit der Menschen passen.
Mit Finanzguru haben Sie sich bewusst für ein Fintech mit über drei Millionen Nutzern entschieden. Welche Rolle spielen digitale Plattformen künftig für den Vertrieb von Investmentlösungen und die Altersvorsorge?
CHRISTIAN MACHTS: Digitale Plattformen werden eine zentrale Rolle spielen, weil sie dort ansetzen, wo viele Menschen all ihre Finanzen heute tatsächlich organisieren – auf dem Handy. Und Finanzguru ist hier führend. Wenn Altersvorsorge dort sichtbar wird, wo Menschen ohnehin über ihre finanzielle Situation nachdenken, sinkt die Einstiegshürde erheblich. Sie muss in den persönlichen Finanzkontext eingebettet sein: Einkommen, Ausgaben, Sparpotenziale, bestehende Verträge, Versicherungen, Lebensplanung. Mit intuitiver Nutzerführung und modernen KI-Technologien personalisiert Finanzguru Finanzinformationen und gibt Menschen mehr Klarheit und Kontrolle über ihre Finanzen. Finanzguru begleitet digital und auf Wunsch auch persönlich.
Unsere Partnerschaft macht daher auch deutlich: Digitaler Vertrieb muss nicht bedeuten, Beratung zu ersetzen. Im Gegenteil: Die Zukunft liegt aus unserer Sicht in intelligenten hybriden Modellen. Digitale Strecken schaffen einfachen Zugang, Transparenz und Skalierbarkeit. Persönliche Beratung bleibt wichtig, wenn Entscheidungen komplexer werden oder Anleger Orientierung brauchen.
Franklin Templeton verwaltet weltweit rund 1,7 Billionen US-Dollar. Welche internationalen Erfahrungen und Investmentkonzepte fließen in die Entwicklung Ihres AV-Depot-Angebots ein, und worin wird sich Ihre Lösung von anderen unterscheiden?
CHRISTIAN MACHTS: Globale Größe ist für sich genommen noch kein Nutzenversprechen. Entscheidend ist, welche Erfahrung und welche Investmentbausteine man daraus für Anlegerinnen und Anleger ableitet. Franklin Templeton verfügt über mehr als 75 Jahre Kapitalmarkterfahrung und arbeitet international mit unterschiedlichen Vorsorgesystemen, Plattformen und Anlegergruppen. Diese Erfahrung hilft uns, langfristige Vorsorge nicht nur als Fondsanlage zu denken, sondern als strukturierten Vermögensaufbau über verschiedene Lebensphasen hinweg.
In unser Angebot fließen insbesondere Konzepte wie globale Diversifikation, professionelle Portfolioallokation, Lifecycle- Steuerung, aktive und passive Investmentbausteine sowie ein klarer Fokus auf Kostenbewusstsein und Risikomanagement ein. Wir wollen eine Lösung entwickeln, die langfristige Renditechancen nutzt, aber für Anleger nachvollziehbar bleibt. Differenzieren wollen wir uns durch die Verbindung aus globaler Investmentkompetenz, lokaler Marktnähe und einem digitalen Zugang zum Beispiel über Finanzguru zu Endkunden, aber auch über MorgenFund als unseren Partner für unsere AV-Depot-Lösungen für Intermediäre. Unser Anspruch ist: Die Lösung muss professionell sein, aber nicht kompliziert wirken.
Das neue Altersvorsorgedepot soll mehr Menschen an den Kapitalmarkt heranführen. Welche Verantwortung tragen Asset Manager dabei, komplexe Finanzthemen verständlich zu machen und Vertrauen bei neuen Anlegergruppen aufzubauen?
CHRISTIAN MACHTS: Die Verantwortung ist sehr groß. Wenn mehr Menschen über das Altersvorsorgedepot erstmals systematisch mit dem Kapitalmarkt in Berührung kommen, müssen wir als Branche besonders sorgfältig kommunizieren. Es reicht nicht, über Renditechancen zu sprechen. Wir müssen genauso offen über Schwankungen, Risiken, Anlagehorizonte, Kosten und Erwartungen sprechen.
Vertrauen entsteht nicht durch große Versprechen, sondern durch Nachvollziehbarkeit. Anlegerinnen und Anleger müssen verstehen, warum langfristiges Investieren sinnvoll sein kann, weshalb Diversifikation wichtig ist und warum kurzfristige Marktschwankungen nicht automatisch ein Scheitern der Strategie bedeuten. Asset Manager müssen Finanzbildung, Transparenz und Produktverantwortung deutlich ernster nehmen als in der Vergangenheit. Für uns heißt das: klare Sprache, verständliche digitale Informationen, robuste Investmentprozesse und eine Kommunikation, die Menschen befähigt, bessere Entscheidungen zu treffen.
Wenn wir in fünf Jahren auf das AVDepot zurückblicken: Woran würden Sie persönlich den Erfolg dieser Reform messen, und welche Rolle soll Franklin Templeton dann im deutschen Altersvorsorgemarkt spielen?
CHRISTIAN MACHTS: Ich würde den Erfolg nicht allein am verwalteten Vermögen messen. Natürlich sind Volumen und Marktanteile wichtige Kennzahlen. Entscheidend ist aber, ob die Reform tatsächlich mehr Menschen zur privaten Vorsorge bewegt hat. Haben jüngere Anlegerinnen und Anleger begonnen, regelmäßig zu sparen? Wurden auch Menschen mit mittleren und kleineren Einkommen erreicht? Haben Anleger verstanden, dass Altersvorsorge ein langfristiger Prozess ist? Und haben die Produkte auch in schwankenden Marktphasen Vertrauen behalten?
Wenn wir in fünf Jahren sehen, dass das Altersvorsorgedepot die private Vorsorge in Deutschland einfacher, transparenter und kapitalmarktnäher gemacht hat, dann war die Reform erfolgreich. Franklin Templeton soll dann als einer der prägenden Anbieter in diesem Markt wahrgenommen werden: als Partner, der globale Investmentkompetenz mit lokaler Verantwortung verbindet, der digitale Plattformen sinnvoll nutzt und der dazu beigetragen hat, kapitalmarktbasierte Altersvorsorge in Deutschland breiter verfügbar zu machen. Unser Ziel ist nicht nur, an einem neuen Markt teilzunehmen. Unser Ziel ist, einen Qualitätsstandard mitzuprägen.
Vielen Dank für das Gespräch.






























