Warum die USA im globalen Aktienindex immer mehr Raum einnehmen – und wie Anleger bewusst gegensteuern können
ETF-STRATEGIE
Der MSCI World gilt für viele Anleger als Synonym für globale Aktienanlage. Doch der Blick in den Index zeigt: Die Vereinigten Staaten dominieren das weltweite Aktienbarometer inzwischen deutlich. Wer sein Depot regional ausgewogener aufstellen möchte, kann mit einem MSCI World ex USA gezielt gegensteuern. Wer langfristig in internationale Aktien investieren will, kommt am MSCI World kaum vorbei. Der Index bündelt große und mittelgroße Unternehmen aus 23 entwickelten Volkswirtschaften und ist damit für viele Anleger ein Basisbaustein im Portfolio. Seine Stärke liegt in der breiten Streuung – zumindest auf den ersten Blick. Denn globale Diversifikation bedeutet nicht automatisch eine gleichmäßige Verteilung über die einzelnen Länder. Der MSCI World ist marktkapitalisierungsgewichtet. Je größer der Aktienmarkt eines Landes und je höher die Börsenwerte seiner Unternehmen, desto stärker fällt sein Gewicht im Index aus.
Genau diese Mechanik hat den US-Anteil in den vergangenen Jahren immer weiter steigen lassen. Vor allem die außergewöhnliche Entwicklung großer amerikanischer Technologiekonzerne hat die Gewichte verschoben. Wer heute in einen MSCI World investiert, setzt damit zwangsläufig auch einen deutlichen Schwerpunkt auf den US Aktienmarkt.
WENN DIVERSIFIKATION ZUR KONZENTRATION FÜHRT
Für den Index selbst ist diese Entwicklung kein Fehler, sondern die konsequente Folge seiner Konstruktion. Für Anleger kann sie dennoch eine strategische Frage aufwerfen: Wie viel USA steckt bereits im eigenen Depot?
Denn häufig kommen zum MSCI World noch US-Aktienfonds oder einzelne amerikanische Unternehmen hinzu. Der tatsächliche regionale Schwerpunkt kann dadurch deutlich höher ausfallen, als es die Bezeichnung „Weltportofolio“ vermuten lässt.
Hier setzt ein MSCI World ex USA an. Er bildet die entwickelten Aktienmärkte außerhalb der Vereinigten Staaten ab und verzichtet vollständig auf US-Unternehmen. Dadurch gewinnen Europa, Japan
und weitere Industrieländer automatisch an Gewicht.
Dabei geht es nicht darum, den klassischen MSCI World grundsätzlich zu ersetzen. Vielmehr bietet ein ex-USA-Ansatz ein zusätzliches Instrument für die regionale Portfolioallokation. Anleger können damit bewusster entscheiden, welchen Anteil die USA in ihrem Gesamtdepot einnehmen sollen.
MEHR SPIELRAUM FÜR DIE AKTIENALLOKATION
Der eigentliche Vorteil liegt damit in der Flexibilität. Wer bereits stark im US-Markt investiert ist oder dessen Gewicht bewusst reduzieren möchte, kann sein Depot mit einem ex-USA-ETF vergleichsweise einfach neu ausbalancieren.
Die Frage lautet dabei nicht, ob amerikanische Aktien grundsätzlich besser oder schlechter sind als europäische oder japanische Titel. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Gesamtportfolios. Eine hohe Konzentration auf einen einzelnen Markt kann Chancen bieten, erhöht aber zugleich die Abhängigkeit von dessen Bewertungen und wirtschaftlicher Entwicklung. Mit einem ETF, der die USA bewusst ausklammert, lässt sich diese Gewichtung gezielt verändern – ohne auf die breite Streuung innerhalb der übrigen entwickelten Aktienmärkte zu verzichten.
BNP PARIBAS ERWEITERT DAS ETF-ANGEBOT
Eine entsprechende Möglichkeit bietet seit Mai 2026 der BNP Paribas Easy MSCI World ex USA UCITS ETF. Der Fonds bildet den MSCI World ex USA Index physisch ab und investiert breit gestreut in entwickelte Aktienmärkte außerhalb der Vereinigten Staaten. Die Börsennotierung erfolgte im Mai 2026 an der Xetra.
Der ETF ist thesaurierend. Bis einschließlich 13. April 2027 gilt eine reduzierte Gesamtkostenquote von 0,07 Prozent pro Jahr; anschließend beträgt sie 0,14 Prozent.
BNP Paribas Asset Management versteht das Produkt dabei nicht als Gegenentwurf zum klassischen MSCI World, sondern als zusätzliche Möglichkeit, die regionale Zusammensetzung eines Portfolios gezielter zu steuern.
Denn wenn einzelne Länder und Unternehmen in globalen Indizes immer größere Gewichte erreichen, verändert sich auch das Risikoprofil eines vermeintlich breit diversifizierten Investments. Ein genauer Blick auf die tatsächliche regionale Verteilung kann deshalb sinnvoll sein.
Der MSCI World bleibt ein wichtiger Baustein für globale Aktienportfolios. Doch Anleger müssen die darin enthaltene Ländergewichtung nicht einfach hinnehmen. Mit einem ex-USA-ETF lässt sich die Balance zwischen den großen Aktienmärkten gezielter gestalten.
CLAUS HECHER






























