Die Märkte erleben derzeit eine tiefgreifende Neubewertung von Unternehmensbilanzen. Während der S&P 500 oberflächlich stabil wirkt, findet im Hintergrund eine dramatische Umverteilung statt. Der Softwaresektor verlor im vergangenen Jahr fast zwei Billionen Dollar an Marktkapitalisierung – ein historischer Rückgang außerhalb von Rezessionsphasen. Die Angst vor einer „Saa- Spocalypse “ ist real: Künstliche Intelligenz (KI) könnte etablierte Software-Lösungen obsolet machen.
Doch während Anleger Softwareunternehmen abstoßen, entsteht an anderer Stelle ein neues Investitionsfeld: KI funktioniertnicht ohne physische Infrastruktur. Hier liegt die eigentliche Investitionsstory.
DER DATENZENTRUM-BOOM: VON DER RANDNOTIZ ZUR SCHLÜSSELINDUSTRIE
Die weltweiten Investitionen in Datenzentren werden 2026 erstmals die Billionen- Dollar-Marke durchbrechen. Das ist kein zyklisches Phänomen mehr, sondern ein struktureller Wandel. Die IT-Infrastruktur- Ausgaben in den USA stiegen zuletzt mit einer annualisierten Rate von 43 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen 2010 und 2024 lag das durchschnittliche Wachstum bei gerade sechs Prozent pro Jahr.
McKinsey prognostiziert, dass bis 2030 insgesamt 6,7 Billionen Dollar in Datenzentren fließen werden – davon 5,2 Billionen speziell für KI-Workloads. Gartner erwartet für 2026 allein 788 Milliarden Dollar Ausgaben für Datenzentrum-Systeme, ein Plus von 56 Prozent gegenüber 2025.
WARUM DIESER ZYKLUS ANDERS IST
Der entscheidende Unterschied zu früheren Boomphasen: Der aktuelle KI-Zyklus wird nicht nur von Hoffnung getragen, sondern zunehmend von realen Umsätzen und Produktivitätsgewinnen. Große Technologieunternehmen verdienen bereits heute Milliarden mit KI-Anwendungen. Die globale Nutzung von Chatbots wuchs von rund 500 Millionen Nutzern 2022 auf aktuell 987 Millionen Nutzer. Diese Nachfrage muss in Datenzentren verarbeitet werden.
DIE GEWINNER UND VERLIERER
Während Softwareunternehmen unter Druck geraten, profitieren andere Sektoren massiv: Halbleiterhersteller, Energieversorger, Telekommunikationsunternehmen und Infrastruktur-Betreiber. Hedgefundshaben dies längst erkannt – die „Long Semiconductors/Short Software“-Strategie ist für sie bereits zum Standard geworden. In Deutschland verdoppeln sich die Rechenzentrumskapazitäten
bis 2030. Unternehmen fragen gezielt nach leistungsstarker, sicherer und lokal betriebener Infrastruktur. Datensouveränität wird zum Wettbewerbsfaktor.
FAZIT: INFRASTRUKTUR ALS INVESTITIONSFELD
Die wirtschaftliche Realität ist klar: KI braucht Rechenleistung, und Rechenleistung braucht Infrastruktur. Unternehmen, die diese Infrastruktur bereitstellen oder die Technologie dafür liefern, könnten die eigentlichen Gewinner dieses Zyklus sein.
Für Anleger eröffnet sich ein sich schnell entwickelndes Investitionsfeld. Amundi bildet sowohl in spezialisierten Themenfonds als auch über Themen-ETFs Trend-Themen ab und macht diese investierbar. Amundi ermöglicht es Anlegern so, von der strukturellen Verschiebung hin zu KI-gestützter Infrastruktur zu profitieren – ohne einzelne Unternehmen selektieren zu müssen.
Thomas Wiedenmann
Leiter Amundi ETF,
Indexing und Smart Beta –
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