Editorial

Ausgabe 5/2011:„Mitgehangen, Mitgefangen“

Der Gedanke einer Europäischen Union, um als starker Partner gegenüber den anderen Großmächten zu stehen, war grundsätzlich nicht falsch. Von den europäischen Leadern, Deutschland und Frankreich, war der schnelle Zuwachs der weiteren Mitgliedsstaaten nicht geplant. Was jedoch keiner bedacht hatte, war, dass die Eingliederung von weiteren Staaten auch wirtschaftliche Verantwortung mit sich bringt, von der Abhängigkeit bis hin zu Handlungsunfähigkeit.

Die Gemeinschaftswährung „Euro“ muss nun die in ökonomische Misere geratenen Länder wie Irland, Griechenland und wahrscheinlich bald auch Spanien und Portugal mittragen. Das wäre noch vorstellbar, wenn man ahnen könnte wo die Geschichte der Rettungsschirme endet. Doch die Zukunft der finanziellen Hilfspakete, die von den starken Euroländern getragen werden, bleibt sehr nebulös. Das Europäische Vertragswerk hat solche Situationen nicht vorgesehen und muss jetzt, mitten in der Krise, bei der Suche nach Lösungen umgestaltet werden, um die „Einen“ aufzufangen und die „Kommenden Krisenkandidaten“ zu stoppen. Jeder Beschluss muss von allen Mitgliedsländern getragen und verabschiedet werden. Ein schwieriges und vor allem langsames Unterfangen, wenn man die Anzahl der Länder und deren differenzierte wirtschaftliche Situation bedenkt.

Allein das Gespräch um die Eurobonds führte zu extremen Unruhen. Befürworter verwiesen darauf, dass diese schon existieren, da die EU-Kommission sich mit 60 Milliarden Euro aus dem gemeinschaftlichen EU-Haushalt an den Hilfspaketen für die überschuldeten Euroländer beteiligt hat. Darüber hinaus nimmt der provisorische Euro- Rettungsschirm EFSF Kredite auf, die er an angeschlagene Staaten weitergibt. Also ist der Weg zu dem Eurobonds doch ganz nah, davon mal abgesehen, dass keines der EU Länder und erst recht nicht die starken Staaten wie Frankreich und Deutschland sich eine Griechenland-Pleite leisten können. Schließlich hat man eine große Menge Staatsanleihen aus Griechenland gekauft und befindet sich somit in einer totalen Abhängigkeit. Aussteigen kostet noch mehr Geld als die Einführung der Eurobonds.

Gegner der Eurobonds behaupten, dass der Bundesgerichtshof es gar nicht genehmigen kann, da die Finanzpolitik der nationalen Ebene unterstehen würde. Außerdem würde das Ganze Deutschland, laut einer Studie des ifo Instituts, mindestens 47 Milliarden Euro kosten. Das größere Problem wäre wahrscheinlich, dass die Einführung der Eurobonds eine Änderung des europäischen Vertragswerks bedeutet, die erfahrungsgemäß Jahre dauern kann. So bleibt das Thema mitgehangen, gleich mitgefangen. Leider färbt diese Handlungsunfähigkeit auf die Märkte ab. Anleger wissen nicht, was sie erwartet und wo noch irgendeine Form von sicheren Anlagen zu finden ist. Zudem verunsichern die erfolglosen Bemühungen der USA, die ihren Schuldenberg und ihre Konjunktur in den Griff bekommen die Anleger auf der ganzen Welt. Die Ursache der miserablen Lage der vereinigten Staaten liegt dabei schon weit in der Vergangenheit.

1971 teilte Präsident Nixon mit, dass sich die USA von nun an weigern würden, den Dollar jederzeit gegen eine festgelegte Menge an Edelmetall einzutauschen. Ursache war der Vietnam/Korea-Krieg, wo sich die USA finanziell überhoben hatten und zu viele Dollars in Umlauf brachten. Dadurch drohte langfristig der Ausverkauf der US Goldreserven. Ab dem Moment war die Weltleitwährung Dollar nur noch eine Papierwährung, die beliebig vermehrt werden konnte. Dies fällt den USA umso leichter, da die amerikanische Notenbank FED eine private und nicht, wie von vielen angenommen, eine staatliche Institution ist. Die Entscheidung von Nixon war die Basis für die Finanzkrise in 2008 und die heutige Verschuldung der Vereinigten Staaten. Leider führt dieser Zustand beiderseits des Atlantiks zu großem Misstrauen bei den Anlegern und die aktuellen Einbrüche an der Börse geben dies wieder. Staaten, Politik und Anleger sind in einem nicht durchbrechbaren Kreislauf aneinander gebunden. Um die finanzpolitischen Herausforderung in der heutigen Zeit zu meistern, bedarf es viel ökonomischen und wirtschaftlichen Wissens. Für Anleger und Berater ist die Situation gleich schwer. Wem empfiehlt man was? Verliert der Anleger, verliert langfristig auch der Berater.

Mein Geld hat in dieser Ausgabe, durch die Fokussierung auf globale Aktienfonds und einem Interview mit dem wohl bekanntesten Fondsmanager Deutschlands, Herrn Klaus Kaldemorgen, die Lage der Investmentindustrie beleuchtet. Anlässlich der DKM finden unsere Leser einen große „Versicherungssonderpublikation“, wo aktuelle Highlights aus der Branche präsentiert werden. Geschlossene Fonds mit den zu erwartenden Regulierungen für Emissionshäuser und Berater werden nicht nur in diesem Magazin behandelt, sondern auch bei der nächsten Roundtable Diskussionsrunde von Mein Geld TV am 28.10.2011 zum Thema „Geschlossene Fonds eine berechtigte Kapitalanlage“

Trotz aller Unruhen an den Märkten sollte sich der Investitionsgedanke durch Informationen und Wissen durchsetzen, denn keiner von uns ist unabhängig und Jeder braucht Jeden.

I. B. Hägewald

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