Editorial

Ausgabe 4/2014: Der Anfang vom Ende der Intransparenz

Das Kapitalanlagegesetzbuch hat in Deutschland ein einheitliches, geschlossenes Regelwerk für alle Typen von Investmentfonds und deren Manager geschaffen. Die Auswirkungen der AIFM-Regulierung auf die Geschäftstätigkeit der Emissionshäuser wurden im Vorfeld aber von vielen Marktteilnehmern und Beobachtern falsch eingeschätzt. Die wesentliche Ursache dieser Marktlähmung war nicht nur das zeitaufwendige BaFin-Genehmigungsverfahren, sondern auch die enorme Verzögerung bei der Zulassung der Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG). Darüber hinaus stellten die Anforderungen, die aus der neuen Regulierung hervorgingen, für die Emissionshäuser einen zusätzlichen Kostenfaktor dar, den nicht jedes Haus tragen konnte. Dementsprechend mussten einige Produktanbieter ihr Geschäftsmodell überdenken und ihre Organisation neu aufstellen. Dies führte zum Beispiel dazu, dass einige Marktteilnehmer in den Jahren 2013 und 2014 ihre Vertriebsmannschaften reduzierten oder versuchten die notwendigen Einsparungen im Bereich des Backoffice zu realisieren. Andere stellten das Neugeschäft gänzlich ein, um den Anforderungen der BaFin gerecht zu werden. Die Häuser, die sich rechtzeitig mit dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB )und dessen Konsequenzen beschäftigten, konnten von der neuen Regulierung profitieren und Ihren Marktanteil deutlich steigern. Sachwertanlagen mit Investitionsprojekten in Deutschland- Immobilien waren und sind hierbei mit Abstand die Marktführer. Rund 45,7 Prozent der Emissionshäuser beabsichtigen in dieser Anlageklasse auch in Zukunft weiter Fonds aufzulegen. Die größten Profiteure der neuen Regulierung könnten die Emissionshäuser werden, die erkannt haben, dass man sich nicht nur auf Publikumsfonds konzentrieren, sondern auch Fonds für professionelle Anleger auflegen sollte. Denn viele Markteilnehmer übersahen bei der Vorbereitung auf die Umsetzung der AIFM-Richtlinie die Chance, dass sie zukünftig den gleichen Regulierungen wie offene Investmentfonds unterstellt sein werden, und somit auch die gleichen Aussichten wie diese besitzen werden. Dementsprechend verlagerten diese Häuser Ihren Schwerpunkt auf den Aufbau von institutionellen Backoffices und Dienstleistungen sowie auf den passenden Vertriebsstruktur und auf ein entsprechendes Risikomanagement, um die Anforderungen dieser -für die meisten Anbieter- neuen Kundengruppe gerecht werden zu können. Aufgrund der Insolvenzen einiger Emissionshäuser in den Jahren 2013 und 2014 ist die Gesamtlage für die Anbieter von Sachwertanlagen nicht einfacher geworden. Doch erstaunlicherweise scheinen die Anleger dazugelernt zu haben. Volker Weber, Vorstandvorsitzender des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) berichtete auf der letzten Pressekonferenz, das der Fall Prokon im Bereich der Sachwertanlagen nur einen kleinen Einfluss hat, da die Investoren den Unterschied zwischen Sachwertanlagen in Fonds und Genussrechten kennen. Das Jahr 2014 steht weiterhin unter dem Eindruck des KAGBs. KVG-Zulassungen sowie Produktgenehmigungen erfolgen nur langsam und zähflüssig. Daher hat das Anlegermagazin Mein Geld in dieser Aufgabe einen Fokus auf das Emissionshaus Projekt-Gruppe gelegt, das sich rechtzeitig mit den Vorbereitungen auf die neue Regulierung und deren Umsetzung in der Unternehmensstruktur beschäftigt hat, um die Chancen der Regulierungen nutzen zu können. Dank dieses Weitblickes konnte die Projekt-Gruppe ihre Geschäftstätigkeit ohne Unterbrechung fortsetzen und mit dem neuen Ansatz auch institutionelle Kunden gewinnen. In der Rubrik Sachwertanlage finden die Leser alle die von BaFin registrierten und zugelassenen Kapitalverwaltungsgesellschaften. Die neuen Regulierungen sind der Anfang vom Ende der Intransparenz von Anlageprodukten, denn die gesetzlichen Anforderungen haben nicht nur einen großen Einfluss auf die internen Prozesse und Strukturen, sondern auch auf die Produkte. Auf der einen Seite bedeutet das Mehrkosten für alle Emissionshäuser und somit auch zusätzliche Kosten für den Anleger. Auf der anderen Seite sind die eingeführten Maßnahmen ein wichtiger Schritt für Transparenz, Anlegerschutz, Rechtssicherheit und Gleichberechtigung von Kapitalanlageprodukten. Doch es bleibt nur der Anfang, denn viele Wertpapiergattungen, wie zum Beispiel Genussrechte wurden bei den Regulierungen noch nicht berücksichtigt und trotz aller Bemühungen des Gesetzgebers, wird es immer Lücken geben. Dabei übersieht man die Gefahr, dass solche Regulierungen dazu führen können, dass Investoren versuchen, sich der Verantwortung für ihre Entscheidungen zu entziehen. Das wirkliche Ende des grauen Kapitalmarktes wird dann kommen, wenn die Anleger in Deutschland bereit sind, sich mit Ihren Anlagenprodukten solange auseinander zu setzen, bis sie diese verstehen oder sich bei der Kapitalanlage in professionelle Hände begeben. Solange sich das Verhalten der Anleger nicht verändert, werden Unternehmen wie Prokon immer Ihre Opfer finden.   I. Hägewald

Das Kapitalanlagegesetzbuch hat in Deutschland ein einheitliches, geschlossenes Regelwerk für alle Typen von Investmentfonds und deren Manager geschaffen. Die Auswirkungen der AIFM-Regulierung auf die Geschäftstätigkeit der Emissionshäuser wurden im Vorfeld aber von vielen Marktteilnehmern und Beobachtern falsch eingeschätzt.

Die wesentliche Ursache dieser Marktlähmung war nicht nur das zeitaufwendige BaFin-Genehmigungsverfahren, sondern auch die enorme Verzögerung bei der Zulassung der Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG). Darüber hinaus stellten die Anforderungen, die aus der neuen Regulierung hervorgingen, für die Emissionshäuser einen zusätzlichen Kostenfaktor dar, den nicht jedes Haus tragen konnte. Dementsprechend mussten einige Produktanbieter ihr Geschäftsmodell überdenken und ihre Organisation neu aufstellen. Dies führte zum Beispiel dazu, dass einige Marktteilnehmer in den Jahren 2013 und 2014 ihre Vertriebsmannschaften reduzierten oder versuchten die notwendigen Einsparungen im Bereich des Backoffice zu realisieren. Andere stellten das Neugeschäft gänzlich ein, um den Anforderungen der BaFin gerecht zu werden. Die Häuser, die sich rechtzeitig mit dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB )und dessen Konsequenzen beschäftigten, konnten von der neuen Regulierung profitieren und Ihren Marktanteil deutlich steigern. Sachwertanlagen mit Investitionsprojekten in Deutschland- Immobilien waren und sind hierbei mit Abstand die Marktführer. Rund 45,7 Prozent der Emissionshäuser beabsichtigen in dieser Anlageklasse auch in Zukunft weiter Fonds aufzulegen.

Die größten Profiteure der neuen Regulierung könnten die Emissionshäuser werden, die erkannt haben, dass man sich nicht nur auf Publikumsfonds konzentrieren, sondern auch Fonds für professionelle Anleger auflegen sollte. Denn viele Markteilnehmer übersahen bei der Vorbereitung auf die Umsetzung der AIFM-Richtlinie die Chance, dass sie zukünftig den gleichen Regulierungen wie offene Investmentfonds unterstellt sein werden, und somit auch die gleichen Aussichten wie diese besitzen werden.

Dementsprechend verlagerten diese Häuser Ihren Schwerpunkt auf den Aufbau von institutionellen Backoffices und Dienstleistungen sowie auf den passenden Vertriebsstruktur und auf ein entsprechendes Risikomanagement, um die Anforderungen dieser -für die meisten Anbieter- neuen Kundengruppe gerecht werden zu können. Aufgrund der Insolvenzen einiger Emissionshäuser in den Jahren 2013 und 2014 ist die Gesamtlage für die Anbieter von Sachwertanlagen nicht einfacher geworden. Doch erstaunlicherweise scheinen die Anleger dazugelernt zu haben. Volker Weber, Vorstandvorsitzender des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) berichtete auf der letzten Pressekonferenz, das der Fall Prokon im Bereich der Sachwertanlagen nur einen kleinen Einfluss hat, da die Investoren den Unterschied zwischen Sachwertanlagen in Fonds und Genussrechten kennen.

Das Jahr 2014 steht weiterhin unter dem Eindruck des KAGBs. KVG-Zulassungen sowie Produktgenehmigungen erfolgen nur langsam und zähflüssig. Daher hat das Anlegermagazin Mein Geld in dieser Aufgabe einen Fokus auf das Emissionshaus Projekt-Gruppe gelegt, das sich rechtzeitig mit den Vorbereitungen auf die neue Regulierung und deren Umsetzung in der Unternehmensstruktur beschäftigt hat, um die Chancen der Regulierungen nutzen zu können. Dank dieses Weitblickes konnte die Projekt-Gruppe ihre Geschäftstätigkeit ohne Unterbrechung fortsetzen und mit dem neuen Ansatz auch institutionelle Kunden gewinnen.

In der Rubrik Sachwertanlage finden die Leser alle die von BaFin registrierten und zugelassenen Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Die neuen Regulierungen sind der Anfang vom Ende der Intransparenz von Anlageprodukten, denn die gesetzlichen Anforderungen haben nicht nur einen großen Einfluss auf die internen Prozesse und Strukturen, sondern auch auf die Produkte. Auf der einen Seite bedeutet das Mehrkosten für alle Emissionshäuser und somit auch zusätzliche Kosten für den Anleger. Auf der anderen Seite sind die eingeführten Maßnahmen ein wichtiger Schritt für Transparenz, Anlegerschutz, Rechtssicherheit und Gleichberechtigung von Kapitalanlageprodukten. Doch es bleibt nur der Anfang, denn viele Wertpapiergattungen, wie zum Beispiel Genussrechte wurden bei den Regulierungen noch nicht berücksichtigt und trotz aller Bemühungen des Gesetzgebers, wird es immer Lücken geben. Dabei übersieht man die Gefahr, dass solche Regulierungen dazu führen können, dass Investoren versuchen, sich der Verantwortung für ihre Entscheidungen zu entziehen. Das wirkliche Ende des grauen Kapitalmarktes wird dann kommen, wenn die Anleger in Deutschland bereit sind, sich mit Ihren Anlagenprodukten solange auseinander zu setzen, bis sie diese verstehen oder sich bei der Kapitalanlage in professionelle Hände begeben. Solange sich das Verhalten der Anleger nicht verändert, werden Unternehmen wie Prokon immer Ihre Opfer finden.

 

I. Hägewald

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