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Zehn europäische Aktien, die Anleger jetzt im Auge behalten sollten

Die schmerzhaften Reformen der vergangenen Jahre haben Wirkung gezeigt: Nach Jahren der Krise befindet sich Europa wieder auf dem Weg zurück zum Wachstum. Investoren sollten sich daher wieder stärker auf einzelne Unternehmen und deren Fundamentaldaten konzentrieren, erklärt Niall Gallagher, Fondsmanager des GAM Star European Equity.

by Gerd Altmann, pixelio.de

Hier stellt er zehn seiner bevorzugten Aktien für die kommenden Monate vor – vom deutschen Online-Händler über einen spanischen Discountsupermarkt bis hin zu einem holländischen Telekommunikationskonzern.

1. Zalando
Die Skepsis beim Börsengang im Oktober 2015 war unberechtigt: Zalando ist einer der Gewinner des strukturellen Wandels im Einzelhandel. Die Zutaten zum Erfolgsrezept: Erstens, eine Haltung, die der Technologie immer Vorrang gibt, ähnlich wie bei Amazon – Zalando beschäftigt knapp 1.000 Ingenieure, während sein größter Konkurrent Asos nur über 70 verfügt. Zweitens, eine starke Fokussierung auf 15 Märkte bei gleichzeitiger Ansprache verschiedener Kundengruppen. Und drittens, die Bereitschaft, den Drittfirmen genügend Freiraum zu geben, um ihre Produkte selbst zu vermarkten. So entsteht eine Win-Win-Situation für Markenhersteller, Kunden und die Plattform selbst. Es ist davon auszugehen, dass der Umsatz bis Ende 2016 um 35 Prozent wachsen wird. Trotz hoher Investitionen in Logistik und Marketing generiert Zalando bereits jetzt einen positiven Free Cashflow und ist gut kapitalisiert.

2. Wirecard
Wirecard bietet seinen Kunden in Europa und Asien Lösungen rund um den bargeldlosen Zahlungsverkehr an – von der Bereitstellung sicherer Zahlungsmethoden über das Risikomanagement bis hin zur Herausgabe von Kreditkarten. Damit ermöglichen die Produkte insbesondere Lösungen, den Bereich E-Commerce voranzubringen. Damit befindet sich Wirecard im Zentrum mehrerer langfristiger, miteinander verbundener Wachstumstrends – etwa der Abkehr vom Bargeld zu Gunsten elektronischer Zahlungsmittel oder der Verlagerung des Einzelhandels in die digitale Welt. Diese Revolution steckt selbst in den entwickelten Märkten noch in den Kinderschuhen: Im Heimatmarkt Deutschland erfolgen gut 80 Prozent der Zahlungsvorgänge noch über Bargeld. In Frankreich ist der Anteil geringer, aber mit mehr als 50 Prozent ebenfalls hoch. Darüber hinaus bieten Schwellenländer wie Indonesien äußerst attraktive langfristige Wachstumschancen für E-Commerce-Dienstleister wie Wirecard. Die Akzeptanz für elektronische Zahlungsoperationen steigt in Südostasien: das jährliche Transaktionswachstum beträgt rund 40 Prozent.

3. DIA
DIA ist ein spanischer Lebensmittel-Discounter der anderen Art. Im Durchschnitt sind seine Produkte fünf bis zehn Prozent billiger als die der Konkurrenz. Mehr als die Hälfte der Läden wird von Franchise-Nehmern geführt – dies ermöglicht eine flexible Kostenbasis und die Verbesserung der Top-Line-Performance, die nicht zuletzt durch die zurückgehende Deflation in Spanien noch gestützt wird. Zudem sind die Mietvertragslaufzeiten in Spanien kürzer als im Rest Europas. Während Supermarktbesitzer in Großbritannien Mietverträge mit Laufzeiten von 25 Jahren abschließen müssen, können Verträge unprofitabler DIA-Märkte schnell beendet werden. Ein Investment kann sich hier also lohnen, denn der spanische Markt ist im Gegensatz zum restlichen Europa stark fragmentiert. DIA dürfte bei der Konsolidierung des Marktes eine wichtige Rolle spielen.

4. Henkel
Der Konsumgüterhersteller teilt sein Geschäft etwa gleichmäßig auf die drei Felder Wasch- und Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe auf. Dabei verfügt Henkel über starke Marken und Marktpositionen – die hauseigenen Wasch- und Reinigungsmittel liegen weltweit auf Platz fünf, Schönheitspflege auf Platz zehn und bei Klebstoffen ist Henkel Marktführer. Damit ist der Konzern bestens für weiteres organisches Wachstum positioniert. Darüber hinaus bietet gerade das Feld der Schönheitspflege noch Luft nach oben.

5. KPN
Der Betreiber eines Festnetz- und Mobilfunktelekommunikationsnetzes in den Niederlanden ist aufgrund umfangreicher Investitionen nun sowohl beim Preis als auch hinsichtlich Übertragungsgeschwindigkeit äußerst wettbewerbsfähig. Nach den Veräußerungen deutscher und belgischer Mobilfunknetze gehört KPN zu den am besten positionierten Telekommunikationskonzernen in ganz Europa. Der Free Cash Flow wird vermutlich zwischen 2015 und 2020 um 20 Prozent wachsen.

6. Continental
Continental ist der zweitgrößte Automobilzulieferer der Welt. Dabei bietet das Unternehmen das Beste aus zwei Welten: Während das Fahrzeugkomponenten-Geschäft ein hohes Wachstum aufweist, unterliegt es zugleich auch stärkeren Zyklusschwankungen. Dagegen ist das Reifengeschäft wesentlich widerstandsfähiger in Abschwungphasen. Denn auch in Zeiten schwacher Konjunktur werden Ersatzreifen benötigt, die rund 70 Prozent des Geschäftes ausmachen. Das Fahrzeugkomponenten-Geschäft von Continental positioniert sich insbesondere im Bereich Systemlösungen und weniger als Hersteller von Einzelteilen. So ist Continental nach SAP der zweitgrößte Arbeitgeber von Ingenieuren in Deutschland. Dies schlägt sich auch in signifikanten Ausgaben für Forschung und Entwicklung nieder. Diese liegen derzeit bei neun Prozent des Umsatzes und sollten ein jährliches Umsatzwachstum von sechs bis sieben Prozent in den kommenden fünf Jahren ermöglichen.

7. Faurecia
Trotz niedriger Margen hat der Automobilzulieferer einen hohen Kapitalumschlag, der sowohl eine hohe Kapitalrendite als auch hohe Free Cash Flows generiert. Faurecia stellt vor allem Sitzelemente, Abgasanlagen und Innenraumsysteme her und nimmt dabei weltweit fast überall Platz eins ein. Das Unternehmen wurde in der Vergangenheit wegen geringer Margen, seiner wenig anspruchsvollen Produkte und seiner Abhängigkeit von der europäischen Automobilindustrie häufig als sehr zyklischer Wert betrachtet. Doch das könnte sich bald ändern: Das Unternehmen hat damit begonnen, die Geschäftsbereiche zu verkaufen, die besonders niedrige Margen abwerfen oder zu sehr auf Europa fokussiert sind.

8. Kion
Dass die Produktzyklen bei Gabelstaplern oder Lagertechnikgeräten um die acht bis zehn Jahre betragen, ist ein großes Plus für den weltweit zweitgrößten Anbieter der Branche: Es bietet eine stabile Basis für das Service-Angebot, das im Vergleich zum Neugeschäft insgesamt auf eine höhere Rentabilität kommt. Der Absatz neuer Produkte wird vor allem durch das wachsende Geschäft in Schwellenländern und die Konjunkturerholung in Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien getrieben. Auch von strukturellen Trends wie den Entwicklungen im E-Commerce, in der Supply Chain und in der Logistik kann Kion profitieren – dies könnte sogar dazu führen, dass das Marktvolumen das Vorkrisenniveau um 20 Prozent übersteigen wird.

9. Kingspan
Kingspan, das weltweit führende Unternehmen für Isolierungen im Wohn- und Gewerbebau, hatte jahrelang unter dem Abschwung des Baumarktes und unter der globalen Finanzkrise zu leiden. Der Umsatz fiel um ein Drittel. Trotzdem ist Kingspan ein sehr gut geführtes Unternehmen: Während die Konjunktur in Großbritannien und Irland zurückging, hatte Kingspan nur geringe Schulden und kam dank seines guten Managements gestärkt aus der Krise hervor. Durch eine Reihe von bedeutenden Akquisitionen ist das Unternehmen globaler aufgestellt: Es kann nun von den Konjunkturaufschwüngen der Kernmärkte profitieren. Da Gewerbe- und Wohngebäude immer besser isoliert werden, um Wärmestrahlung und damit den Kohlenstoffverbrauch zu reduzieren, hat Kingspan auch ein ausgezeichnetes, strukturelles Wachstumspotenzial.

10. Grafton
Der Baustoffhändler Grafton liefert Materialien an Unternehmen in Großbritannien, Irland und Belgien. Die Rezession in Großbritannien traf das Unternehmen zwar hart, und die Krise in Irland hinterließ gar noch tiefere Spuren: der Umsatz ging um mehr als 50 Prozent zurück und die Rentabilität nahm deutlich ab. Aber dennoch gelang es dem Unternehmen die Krise zu überstehen, selbst ohne die Ausgabe neuer Aktien. Die Aktionäre profitieren vom Aufschwung des Bau- und Immobilienmarktes. Zudem wächst das Geschäft in Großbritannien derzeit und auch der irische Ableger befindet sich auf einem guten Weg – der Umsatz steigt und die Gewinne erholen sich.

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