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Viel Rauschen, wenig Signale. Nach Jahresauftakt stehen drei Themen im Fokus.

Der Jahresauftakt ließ Anlegern keine Zeit zum Durchatmen. Eine Flut aktueller Meldungen musste verarbeitet werden – von der Militäraktion in Venezuela bis hin zu Zollandrohungen gegen europäische Handelspartner der USA

Das erzeugt oft mehr Lärm als echte Erkenntnisse – und sorgt für entsprechende Volatilität. „Für langfristig ausgerichtete Anleger ist es daher entscheidend, relevante Signale zu erkennen und entsprechend zu reagieren“, ist Laurent Denize, Co-CIO von ODDO BHF und Global CIO von ODDO BHF Asset Management, überzeugt. In seinem monatlichen Investmentbrief erläutert er drei Themen, die dieses Jahr besonders im Fokus stehen dürften.

Künstliche Intelligenz – Gewinner oder Verlierer?

KI bleibt ein zentraler Treiber an den Finanzmärkten – positiv wie negativ. Die stark überzeichnete Anleiheemission von Oracle mit einem Volumen von 25 Milliarden US-Dollar hat verdeutlicht, dass Anleger weiterhin bereit sind, den massiven Ausbau der KI-Infrastruktur zu finanzieren. Gleichzeitig fallen die Aktienkurse großer KI- und Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft und Alphabet nach Bekanntgabe weiterer Investitionsprogramme. Aktienanleger verlangen nun klarere Antworten darauf, wie diese Infrastruktur in Gewinne umgemünzt werden soll. Davon wird abhängen, welche Unternehmen letztlich als Gewinner oder Verlierer aus dem KI-Wettrennen hervorgehen. Kürzlich führte die Einführung des neuen KI-Agenten von Anthropic zu Verlusten im Software-Segment. Viele Softwareanwendungen geraten unter Druck, da KI-Agenten zunehmend Aufgaben direkt übernehmen. Dass sie bestehende Unternehmenssoftware vollständig obsolet machen, halten wir jedoch für unwahrscheinlich. Zu erwarten ist vielmehr eine stärkere Differenzierung innerhalb des Sektors: Unternehmen, die ihre Produkte erfolgreich anpassen, werden Marktanteile gewinnen, während andere ins Hintertreffen geraten. Für selektiv vorgehende Anleger könnte die jüngste Korrektur daher Einstiegsmöglichkeiten eröffnen.

Im Hardwarebereich profitiert die Speicherchipindustrie von der steigenden Nachfrage nach KI-Inferenz, also der Ausführung von KI-Modellen. Nur wenige Hersteller können die dafür nötigen Hochleistungs-Chips produzieren, was ihre Margen deutlich steigen lässt. Gleichzeitig setzt der starke Nachfrageanstieg traditionelle Hardwarehersteller unter Druck, die im Wettbewerb mit KI-Hyperscalern um Speicherchips oft das Nachsehen haben. Höhere Preise könnten die Austauschzyklen bei Endgeräten verlängern und das Gesamtmarktwachstum bremsen. Der breite KI-getriebene Schub für Technologieaktien gehört daher der Vergangenheit an. Phasen der Unsicherheit bringen naturgemäß Fehlsignale mit sich und erschweren eine klare Identifizierung von Gewinnern und Verlierern in der Wertschöpfungskette. Entscheidend bleiben daher Diversifizierung und das Nutzen von Überreaktionen des Marktes nach unten, um in fundamental solide Unternehmen zu investieren – auch im Technologiesektor.

Geldpolitik – Wer gibt den Ton an: Falken oder Tauben?

Auch die Ernennung von Kevin Warsh zum Chef der US-Notenbank löste umgehend Marktreaktionen aus. Viele Anleger sehen in ihm einen traditionellen Notenbanker mit starkem Fokus auf Inflationsbekämpfung. Dementsprechend legte der US-Dollar zu. Gold – zuvor als Inflationsabsicherung stark gefragt – gab kräftig nach. Allerdings ist es keineswegs ausgemacht, dass Warsh weitere Zinssenkungen ablehnen würde. So argumentiert er, dass Produktivitätssteigerungen durch KI die Inflation dämpfen könnten. Dies würde der Notenbank mehr Spielraum verschaffen. Wir rechnen daher weiterhin mit mindestens zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Spannender ist die Frage, ob die US-Notenbank beginnt, ihre Bilanz durch Abbau von Anleihebeständen zu verkleinern. Ein solcher Schritt könnte die Marktvolatilität erhöhen und die langfristigen Zinsen nach oben treiben. Insgesamt jedoch dürfte die Geldpolitik weiterhin Aktien unterstützen, vor allem in den USA. Daher halten wir an unserer Short-Position im US-Dollar gegenüber dem Euro fest.

Konjunktur – Aufwärts- oder Abwärtstrend?

Auch von konjunktureller Seite kommt weiter Rückenwind. So entwickelte sich die USA im vergangenen Jahr besser als von vielen erwartet, weshalb die Wachstumsprognosen angehoben wurden. Europas Erholung wird bislang vor allem von Ländern wie Spanien und Griechenland getragen, die zuvor als wirtschaftliche Sorgenkinder galten. Das von den Märkten zunächst begeistert aufgenommene schuldenfinanzierte Ausgabenprogramm Deutschlands hat sich noch nicht in harten Wirtschaftsdaten niedergeschlagen. Doch das ändert sich nun. Im Dezember verzeichnete die deutsche Industrie einen Auftragszuwachs von 7,8% gegenüber dem Vormonat. So profitierte etwa der Verteidigungssektor von staatlichen Aufträgen. Aber auch andere Branchen zeigten erste Erholungstendenzen. Die Exporte legten zum Jahresende ebenfalls überraschend stark zu. Diese Entwicklungen könnten das Interesse an europäischen Aktien neu entfachen. Nach wie vor tragen die Schwellenländer wesentlich zum globalen Wachstum bei. Während zuletzt zyklische Value-Aktien von der Erholung profitierten, deutet unsere Analyse darauf hin, dass nun Wachstumsaktien an der Reihe sein könnten.

Die anhaltende wirtschaftliche Erholung schaffe – zusammen mit einer unterstützenden Geld- und Fiskalpolitik – ein weiterhin günstiges Umfeld für Aktien, bilanziert Denize. Bei Anleihen bleibt er bei einer neutralen Duration und setzt angesichts der bereits engen Spreads bei Unternehmensanleihen auf kürzere Laufzeiten. „Den jüngsten Abverkauf bei Rohstoffen und Gold sehen wir als Kaufgelegenheit. Zudem zeichnet sich ein Trend ab, den man im Blick halten sollte: Erneuerbare Energien rücken wieder in den Fokus“, schreibt der Global CIO von ODDO BHF Asset Management.

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