Investitionen in künstliche Intelligenz und Infrastruktur, eine anziehende Industrie sowie ein stabiler Konsum bilden die Grundlage einer breit getragenen, zyklischen Erholung. Parallel dazu schreitet die Disinflation voran, sodass sich die Leitzinsen allmählich in Richtung eines Bereichs von zwei bis zweieinhalb Prozent bewegen. Dieses Umfeld begünstigt Risikoanlagen, jedoch deutlich breiter gestreut als im technologiegeprägten Vorjahr. „Die Indikatoren zeigen ein zunehmendes Momentum: Industrie, Konsum und Investitionen verstärken sich gegenseitig und schaffen ein Umfeld, das wieder spürbar konstruktiver wirkt“, erklärt Michaël Lok, Group CIO und Co‑CEO UBP Asset Management, im aktuellen House View.
Die Daten der vergangenen Wochen bestätigen, dass die Erholung zunehmend global verankert ist. In den USA sorgt der lebhafte Konsum für Stabilität, während Europa von umfangreichen fiskalpolitischen Impulsen – insbesondere aus Deutschland – profitiert. Trotz geopolitischer Spannungen wirkt die Weltwirtschaft weniger anfällig für abrupte Störungen, solange keine neuen Handels- oder Energieengpässe entstehen. Dennoch herrscht nach dem technologiegetriebenen Vorjahr noch Zurückhaltung; viele Marktteilnehmer müssen sich erst an die breitere sektorale Rotation gewöhnen. Vor diesem Hintergrund betont Michaël Lok: „Dieses Umfeld spricht für Risikoanlagen, allerdings mit einer breiteren Streuung. Das Jahr hat jedoch unsicher begonnen: Schwankende Rohstoffpreise und hohe KI‑Investitionen bei gleichzeitigem Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI‑Gewinne sorgten für zusätzliche Volatilität.“
Die neue Fed‑Ära
Die Zentralbanken dürften ihre unterstützende Geldpolitik zunächst fortsetzen. In den USA ermöglichte die stabile Lage am Arbeitsmarkt es der Fed, die Leitzinsen im Januar unverändert zu lassen. Produktivitätssteigerungen und eine rückläufige Inflation eröffnen zusätzlichen Spielraum für Zinssenkungen. „Die Ernennung von Kevin Warsh zum Fed‑Vorsitzenden im nächsten Frühjahr hat die Märkte jedoch skeptischer gegenüber weiteren Senkungen gemacht. Dennoch dürfte sein Mandat eine Senkung der Realzinsen bei
einer schrittweisen Reduzierung der Bilanzsumme sowie eine Überprüfung von Entscheidungsprozessen und des Einsatzes quantitativer Lockerung mit sich bringen“, so Lok. Warsh deutet gleichzeitig an, dass die Notenbankbilanz künftig restriktiver gehandhabt werden dürfte, was die Struktur der Zinskurve nachhaltig beeinflussen kann. Lok ergänzt: „Die kommende Fed‑Ära dürfte Spielraum für niedrigere Leitzinsen bieten, zugleich aber den Einsatz der Notenbankbilanz klar begrenzen; das verändert die Signalwirkung über die gesamte Zinskurve.“
Aktien Geopolitische Spannungen, Währungsbewegungen und die erhöhte Schwankungsbreite im Technologiesektor haben die Aktienmärkte turbulent ins neue Jahr geschickt. Mit Beginn der Berichtssaison rücken jedoch wieder stärker die Fundamentaldaten in den Fokus, insbesondere im Technologiesegment, das nach einer mehrjährigen Rally empfindlicher auf Veränderungen des Narrativs reagiert. Michaël Lok unterstreicht die Bedeutung struktureller Wachstumstreiber und einer klaren regionalen Ausrichtung: „Unsere starke Überzeugung hinsichtlich US‑Aktien bleibt, da die derzeit hohen Bewertungen durch ein robustes Gewinnwachstum gestützt werden. Heute investieren wir weiterhin im langfristigen KI‑Thema mit besonderem Augenmerk auf Technologieführerschaft und Monetarisierung.“
US‑Aktien bieten damit trotz kurzfristiger Unsicherheiten weiterhin stabile Fundamentaldaten. Zugleich gewinnt die Technologiebranche durch KI‑Investitionen, Infrastrukturbedarf und steigende Anforderungen an Rechenkapazitäten weiter an strategischer Bedeutung – auch wenn selektives Vorgehen angesichts einer möglichen Sektorrotation wichtiger wird.
Anleihen
Die Anleihemärkte zeigten zu Jahresbeginn eine solide Entwicklung. Während sich die Spreads weiter verengten, stiegen die US‑Renditen leicht an, wodurch die Gesamterträge hinter dem reinen Carry zurückblieben. Michaël Lok betont: „Wir sehen trotz der starken Performance 2025 weiteres Potenzial für eine Outperformance von Agency‑MBS, da sie höheren Carry, kein Kreditrisiko, attraktive Bewertungen und unkorrelierte Spread‑Dynamiken bieten, die die Diversifikation verbessern. Gleichzeitig bildet die Kombination aus ausgewählten Hochzinssegmenten, AT1‑Strukturen und Agency‑MBS ein robustes Fundament.“
Gold und Währungen
Der Goldmarkt erlebte im Januar eine markante Bewegung mit einem schnellen Anstieg und einer drastischen Korrektur. Die grundlegenden Treiber bleiben jedoch ausgesprochen stabil. „Die Fundamentaldaten untermauern einen langfristig positiven Ausblick für Gold, denn die Kombination aus struktureller Nachfrage und geopolitischer Unsicherheit verleiht dem Metall eine seltene Stabilität“, erklärt Lok. Neben der starken Nachfrage institutioneller und privater Anleger stocken auch zahlreiche Zentralbanken ihre Bestände weiter auf. Die UBP ist weiterhin bullish für Gold und hat das Kursziel für Ende 2026 daher auf 6.000 US‑Dollar je Unze angehoben.
Risiken
Trotz des insgesamt konstruktiven Umfelds bleibt Wachsamkeit erforderlich. Eine erneute Dollarstärke könnte Schwellenländer und Gold belasten. Der KI‑Investitionszyklus birgt Bewertungsrisiken, da Monetarisierung und Adoption möglicherweise langsamer vorankommen als erhofft. Michaël Lok fasst dies zusammen: „Entscheidend ist, dass die KI‑Revolution nicht alle gleichermaßen profitieren lässt. Sie wird Gewinner und Verlierer hervorbringen, sodass eine selektive Auswahl sowohl innerhalb der Technologie als auch bei nachgelagerten Anwendern unerlässlich bleibt.“
Zudem bleibt die geopolitische Lage ein prägender Faktor für die Märkte. Die globale Ordnung bewegt sich zunehmend weg von breitem Multilateralismus hin zu stärkerer Fragmentierung und Polarisierung, was die Wahrscheinlichkeit politisch bedingter Marktverwerfungen erhöht.
































