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UBP Marktkommentar: Zinserwartungen am Anleihenmarkt erscheinen hoch

Die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen hat die Anleihenmärkte im dritten Quartal unter Druck gesetzt

„Die Erwartungen gehen inzwischen jedoch über das hinaus, was die wirtschaftlichen Fundamentaldaten rechtfertigen“, sagt Mohammed Kazmi, Chief Strategist der Global Multi-Sector Credit Group der UBP. Während die Märkte einen weltweit abgestimmten Zinserhöhungszyklus einpreisen, bleibt die zugrunde liegende Inflationsentwicklung vergleichsweise verhalten. Das höhere Renditeniveau eröffnet nach Einschätzung der UBP-Experten deshalb wieder Einstiegsmöglichkeiten – vorausgesetzt, Anleger achten auf eine ausgewogene Mischung aus Zins- und Kreditrisiken.

Zinserwartungen haben sich stark von den Fundamentaldaten entkoppelt

Anhaltend hohe Energiepreise und eine robuste Konjunktur haben Notenbanken wie die US-amerikanische Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die australische Zentralbank zuletzt zu Zinsanhebungen veranlasst. Für die UBP ist damit aber noch kein sich selbst verstärkender Inflationsprozess erkennbar. Bislang sieht sie weder eine „Entankerung“ der Inflationsprognosen noch ein beschleunigtes Lohnwachstum infolge der höheren Energiepreise. Auch die jüngsten US-Arbeitsmarktberichte deuten nach ihrer Einschätzung darauf hin, dass vom Arbeitsmarkt kein zusätzlicher Inflationsdruck mehr ausgeht.

Wie stark sich die Erwartungen verschoben haben, zeigt der Blick auf die USA: Zu Jahresbeginn hatten die Märkte für 2026 noch zwei Zinssenkungen eingepreist. Inzwischen rechnen sie mit mehr als vier Zinserhöhungen, einschließlich des bereits im September erfolgten Schritts. Während Fed-Chef Warsh weiterhin eine restriktive Linie signalisiert, äußern sich andere Mitglieder des Notenbankgremiums angesichts dieser Neubewertung geduldiger. Die UBP erwartet deshalb, dass sich die Zinsmärkte im weiteren Verlauf normalisieren und erholen könnten.

Robuste Unternehmen, steigende Staatsschulden

Die Zinsanhebungen in den USA sind nach Einschätzung der UBP auch Ausdruck einer stärkeren Wirtschaft als von der Fed erwartet. Das nominale Wachstum, das die Preisentwicklung einschließt, hat sich in den vergangenen beiden Quartalen auf über sechs Prozent beschleunigt. Staatliche Ausgaben und Investitionen in Künstliche Intelligenz stützen die Konjunktur und tragen auch zu einer Erholung im verarbeitenden Gewerbe bei. „Die Unternehmensgewinne erweisen sich als widerstandsfähig, die Bilanzen als solide. Das spricht dafür, Unternehmensanleihen mit gezielt dosierten Zinsrisiken zu kombinieren“, erklärt Kazmi.

Zurückhaltender ist die UBP bei Staatsanleihen mit langen Laufzeiten. „Die staatliche Finanzlage hat sich verschlechtert, während die flache Zinskurve trotz wachsender Schuldenlast wenig zusätzliche Vergütung für lange Bindungsfristen bietet. Wir bevorzugen daher mittlere Laufzeiten“, erläutert Kazmi. Diese können Unternehmensanleihen im Portfolio ergänzen: In den vergangenen Wochen waren Staatstitel bei steigenden Risikoaufschlägen am Unternehmensanleihemarkt wieder als sicherer Hafen gefragt. Damit zeigten sich erneut historische Diversifikationsmuster.

Laufende Zinserträge federn Kursschwankungen ab

Für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh. Der Konflikt zwischen den USA und Iran sowie die Reaktion der Fed auf länger anhaltend hohe Energiepreise können weiterhin für Schwankungen sorgen. Die UBP geht allerdings davon aus, dass der größte zinsbedingte Stress im Anleihensegment bereits überwunden ist. Zugleich zeigt sich die Bedeutung laufender Zinserträge: Trotz der deutlichen Neubewertung der Zinserwartungen haben diese nach Einschätzung der Bank seit Jahresbeginn größere Kapitalverluste verhindert.

Selektive Chancen bei Unternehmensanleihen und Schwellenländern

Im Unternehmensanleihemarkt richtet die UBP ihren Blick unter anderem auf Hochzinsengagements über Kreditausfallversicherungsindizes, sogenannte CDS-Indizes. Diese bieten nach ihrer Einschätzung derzeit einen Renditeaufschlag gegenüber direkten Anleiheinvestments und zugleich eine höhere Liquidität. Auch nachrangige Bankanleihen des Typs Additional Tier 1 (AT1), Anleihen mit BB-Rating und gebündelte Unternehmenskredite, sogenannte Collateralised Loan Obligations (CLOs), zählen zu den bevorzugten Ertragssegmenten. Hier sieht die Bank attraktive Prämien, ohne dafür aus ihrer Sicht zusätzliche Ausfallrisiken eingehen zu müssen.

Ergänzende Möglichkeiten sieht die UBP bei ausgewählten Schwellenländerwährungen. Die starke physische Nachfrage nach Edel- und Industriemetallen sowie deren Bedeutung als Zufluchtswerte stützen ihren positiven Ausblick. „Ausgewählte Währungen aus Schwellenländern bieten zusätzliches Aufwertungspotenzial und attraktive laufende Erträge aus Zinsunterschieden. In einem von geopolitischer Unsicherheit und Fragmentierung geprägten Umfeld können sie damit zur Diversifikation der Ertragsquellen beitragen“, sagt Kazmi.

Wandelanleihen profitieren vom KI-Investitionszyklus

Auch für Wandelanleihen, die Anleihemerkmale mit einer Beteiligung an der Aktienkursentwicklung verbinden, bleibt das Umfeld aus Sicht der UBP günstig. Die Unternehmen des S&P 500 steigerten ihren Gewinn je Aktie im zweiten Quartal 2026 um 33 Prozent und übertrafen damit die Konsenserwartung von 22 Prozent. Für das dritte Quartal erwartet der Konsens ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die UBP teilt diesen konstruktiven Ausblick, gestützt auf stärkeres Umsatzwachstum, Produktivitätsgewinne und positive Überraschungen aus dem Technologiesektor.

Das globale Wandelanleiheuniversum eröffnet nach Einschätzung der Bank vielfältige Möglichkeiten entlang der KI-Wertschöpfungskette, von Halbleitern und Hardware über Infrastruktur und Cybersicherheitssoftware bis zu spezialisierten Cloud-Anbietern, neuen Energielösungen und kritischen Rohstoffen. Im Industriesektor bevorzugt die UBP Unternehmen, die Rechenzentren und deren Energieeffizienz verbessern. Hinzu kommen europäische Verteidigungsunternehmen, die von steigenden Militärbudgets und neuen Themen wie der Raumfahrt profitieren können.

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