- Größter Rückgang weltweit: Deutschland verliert 2026 fünf Plätze und fällt im internationalen Ranking der 42 untersuchten Märkte auf Rang 25.
- Finanzsystem verliert deutlich an Boden: Bei der Unterstützung finanzieller Inklusion durch das Finanzsystem rutscht Deutschland seit 2022 um 18 Plätze von Rang 13 auf Rang 31 ab.
- Finanzielle Teilhabe zunehmend negativ wahrgenommen: Nur noch 46 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich finanziell eingebunden, gegenüber 76,2 Prozent im Jahr 2022.
- Nachlassende Unterstützung durch das Finanzsystem in Deutschland spiegelt breiteren Dynamikverlust in Teilen Europas wider.
Deutschland verzeichnet im Global Financial Inclusion Index 2026 unter allen Märkten den stärksten Rückgang bei der finanziellen Inklusion und fiel weltweit um fünf Plätze auf Rang 25, wie aus dem Index der Principal Financial Group® und des Centre for Economics and Business Research (Cebr) hervorgeht.
Laut dem Index, der 42 Märkte anhand der Unterstützung durch Arbeitgeber, Regierung und Finanzsystem bewertet, erreicht Deutschland 2026 bei der finanziellen Inklusion einen Gesamtwert von 51,8 von 100 Punkten.
Der Rückgang Deutschlands ist vor allem auf die nachlassende Unterstützung durch das Finanzsystem zurückzuführen: Hier fiel das Land weltweit um fünf Plätze auf Rang 31 von 42 zurück und erreichte einen Wert von 38,6. Dies steht im Gegensatz zum allgemeinen globalen Trend: Die Unterstützung durch das Finanzsystem war im Index 2026 die Säule mit der stärksten Entwicklung und verbesserte sich in 32 der 42 untersuchten Märkte.
Die Ergebnisse deuten auf einen längerfristigen Dynamikverlust bei der finanziellen Inklusion in Deutschland hin. Deutschland hat seit dem ersten Index im Jahr 2022 den stärksten Gesamtrückgang aller Märkte verzeichnet – ein Abstieg um zehn Plätze von Rang 15 auf Rang 25 –, während die Unterstützung durch das Finanzsystem im selben Zeitraum um 18 Plätze von Rang 13 auf Rang 31 zurückgefallen ist. Die Unterstützung durch die Regierung hat sich als widerstandsfähiger erwiesen, und Deutschland ist in dieser Kategorie seit Einführung des Index von Platz 14 auf Platz 11 aufgestiegen.
Die Unterstützung der finanziellen Inklusion durch Arbeitgeber bleibt ebenfalls relativ schwach. Deutschland belegt bei der Unterstützung durch Arbeitgeber Platz 33 und gehört damit zu den zehn am schlechtesten platzierten Märkten im Index. Dies spiegelt ein breiteres globales Gefälle wider: Märkte in Asien und im Nahen Osten haben bei der Unterstützung durch Arbeitgeber durchweg viele der Spitzenplätze belegt, während Deutschland und mehrere andere entwickelte westliche Volkswirtschaften im unteren Bereich der Rangliste geblieben sind.
Pushpin Singh, leitender Ökonom am Centre for Economics and Business Research, sagte: „Deutschlands Rückgang im diesjährigen Index unterstreicht, wie sich die Landschaft der finanziellen Inklusion verändert. Starke Institutionen und eine entwickelte Wirtschaft bleiben wichtige Grundlagen, aber sie garantieren keine dauerhaften Fortschritte. In Märkten wie Südostasien haben wir gesehen, wie Finanzsysteme modernisiert und der digitale Zugang ausgebaut wurden. Es gibt weniger Anzeichen für eine ähnliche digitale Beschleunigung in Industrieländern, die sich weiterentwickeln müssen, wenn sie Schritt halten wollen.
Deutschland profitiert weiterhin von einer relativ starken staatlichen Unterstützung, doch die schwächere Unterstützung durch das Finanzsystem und die Arbeitgeber belastet zunehmend das Gesamtergebnis. Angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten, mit denen die Bevölkerung weiterhin zu kämpfen hat, ist es entscheidend, dass sich die Stärke der institutionellen Grundlagen in innovativen Finanzprodukten, gleichbleibend hochwertigen Dienstleistungen und verlässlicher Unterstützung am Arbeitsplatz niederschlägt.
Es wird interessant sein zu sehen, welche Auswirkungen das neue Altersvorsorgedepot auf die finanzielle Inklusion in Deutschland haben wird – insbesondere, ob dieses staatlich geförderte Anlagekonto die Menschen erfolgreich dazu bewegen wird, mit Kapitalmarktanlagen wie Fonds und ETFs langfristig für den Ruhestand vorzusorgen.“
Rückgang der finanziellen Inklusion in Deutschland spiegelt breiteren Dynamikverlust in Teilen Europas wider
Deutschlands Abschneiden ist Teil eines umfassenderen Wandels in der finanziellen Inklusionslandschaft. Zwar stieg die weltweite finanzielle Inklusion 2026 um 2,6 Punkte auf 52,0 und erreichte damit den höchsten Stand seit Einführung des Index, doch die Fortschritte verliefen ungleichmäßig. Afrika stieg um 5,1 Punkte, der Nahe Osten um 3,2 Punkte, der Asien-Pazifik-Raum um 3,0 Punkte und Nordamerika um 2,7 Punkte. Im Gegensatz dazu sank der Wert für Westeuropa um 0,7 Punkte und der für Südeuropa um 0,3 Punkte.
In ganz Europa behielten sieben der 14 untersuchten Märkte denselben Ranglistenplatz. Großbritannien und die Niederlande verbesserten sich jeweils um einen Platz, während Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen und Schweden zurückfielen. Die Schwäche des Kontinents zeigt sich besonders deutlich bei der Unterstützung durch das Finanzsystem: Die Hälfte der Märkte, die in dieser Kategorie weltweit in der Rangliste zurückfielen, liegt in Europa. Die Niederlande und Norwegen rutschten jeweils um sechs Plätze ab, Deutschland um fünf und Dänemark um drei.
Bei der Unterstützung durch Arbeitgeber zeigt sich ein ähnliches Bild. Von den 14 europäischen Märkten im Index liegen zehn weltweit in der unteren Hälfte, und fünf befinden sich bei der Unterstützung durch Arbeitgeber unter den letzten zehn Plätzen. In den entwickelten Volkswirtschaften insgesamt sank die Unterstützung durch Arbeitgeber im Jahr 2026 um durchschnittlich 3,4 Punkte, was beinahe dem Vierfachen des Rückgangs in den Schwellenländern entspricht.
Menschen in Deutschland fühlen sich finanziell immer weniger unterstützt
Der vom Index verzeichnete Rückgang der Unterstützung spiegelt sich darin wider, wie die Menschen in Deutschland finanzielle Inklusion wahrnehmen. Der Anteil der Menschen, die sich in Deutschland finanziell integriert fühlen, ist seit 2022 von 76,2 % auf 46,0 % gesunken. Deutschland, Finnland und Polen verzeichneten weltweit die größten Fünfjahresrückgänge bei der Wahrnehmung finanzieller Inklusion, wobei die positive Wahrnehmung in jedem dieser Märkte seit Einführung des Index um mehr als 30 Prozentpunkte gesunken ist.
In ganz Europa verschlechterte sich die Wahrnehmung der Unterstützung durch Regierung und Finanzsystem in jedem untersuchten europäischen Markt gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland sank der Anteil der Einwohner, die angaben, die Handlungen der Regierung hätten sie finanziell unterstützt, gegenüber dem Vorjahr von 38 % auf 31 %. Der Anteil derjenigen, die angaben, die Handlungen des Finanzsystems hätten sie unterstützt, sank von 33 % auf unter ein Drittel (31 %).
Seema Shah, Chief Global Strategist bei Principal Asset Management®, sagte: „Anhaltender Kostendruck, höhere Kreditkosten und Unsicherheit bezüglich des Arbeitsplatzes führen dazu, dass Haushalte mehr Unterstützung von Arbeitgebern, Regierungen und dem Finanzsystem erwarten. Während der Index darauf hindeutet, dass sich die finanzielle Inklusion weltweit verbessert, spiegeln sich diese Fortschritte nicht unbedingt in der Wahrnehmung der Menschen wider. Interessant ist dabei, dass sich dieser Pessimismus – der in vielen Märkten weltweit spürbar ist – nicht in schwächeren Konsumausgaben niedergeschlagen hat; diese sind bemerkenswert robust geblieben. Dadurch ist eine ungewöhnlich große Kluft zwischen dem entstanden, was die Menschen über ihr Befinden sagen, und ihrem tatsächlichen Verhalten.
Eine Erklärung hierfür ist die anhaltende Wirkung der Inflation: Selbst dort, wo die Arbeitsmärkte widerstandsfähig sind und sich die Reallöhne erholt haben, müssen die Haushalte mit einem dauerhaft höheren Preisniveau leben. Das Leben fühlt sich einfach teurer an, was trotz des relativ starken Konsumverhaltens die finanzielle Verunsicherung aufrechterhält. In jüngster Zeit könnten Schlagzeilen über KI und ihre möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung diese Verunsicherung zusätzlich verstärken. Auch wenn sich die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze noch nicht in dem Ausmaß gezeigt haben, das in der öffentlichen Debatte mitunter suggeriert wird, beeinflusst die Aussicht auf Umbrüche bereits, wie die Menschen über ihre künftige finanzielle Sicherheit denken.“






























