Vor allem die Verwerfungen an den Ölmärkten dürften sich ab März deutlich in den Inflationsdaten niederschlagen. Der starke Anstieg der Preise von Öl am Spotmarkt treibt die Kosten nach oben und beginnt, sich spürbar auf die breitere Inflationsdynamik zu übertragen.
Inflation kehrt zurück mit regionalen Unterschieden
Trotz gesunkener Energieintensität bleibt Öl ein zentraler wirtschaftlicher Faktor. Höhere Preise treffen Verbraucher unmittelbar und verteuern zugleich industrielle Vorleistungen, etwa in der Düngemittel- und Petrochemie. Der Preisanstieg zeigt sich bereits an den Zapfsäulen – auch in den USA – und dürfte ab März zunehmend in den Preisindizes sichtbar werden. Damit kehrt sich der zuletzt beobachtete Stabilisierungstrend der globalen Inflation bei rund 2,5 Prozent im Jahresvergleich um. Für die kommenden Quartale zeichnet sich vielmehr wieder ein Niveau zwischen 3,0 und 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab.
Besonders anfällig sind energieimportierende Volkswirtschaften. Europa, Japan und mehrere asiatische Länder dürften stärker betroffen sein als die USA. Kurzfristig könnte die Inflation im Euroraum im Vergleich zum Vorjahr auf etwa 3,0 bis 3,5 Prozent steigen, während sie in den USA und im Vereinigten Königreich wieder Werte um 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erreichen könnte. Im Jahresdurchschnitt 2026 werden Inflationsraten im Vergleich zum Vorjahr von 3,5 Prozent in den USA, 3,8 Prozent im Vereinigten Königreich und 3,0 Prozent im Euroraum erwartet. In Asien sticht Indien mit rund 4,7 Prozent im Jahresvergleich hervor; in China würden etwa 2,5 Prozent das abrupte Ende der Deflationsphase markieren.
Bringt der Ölschock die Stagflation zurück auf die Agenda?
UBP sieht das Risiko einer Rückkehr zu einem stagflationären Umfeld nach dem Vorbild der 1970er-Jahre, wenngleich es zugenommen hat und eng an die Entwicklung des Konflikts gekoppelt ist, als begrenzt. Ein energiebedingter Angebotsschock schmälert reale Einkommen, erhöht Inputkosten in nahezu allen Branchen und zwingt Zentralbanken in einen schwierigen Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstützung.
Gleichzeitig unterscheidet sich das heutige Umfeld in mehreren Punkten deutlich von der Situation vor fünf Jahrzehnten. Weitgehend automatische Lohnindexierungsmechanismen, die damals aus einem Preisschock eine anhaltende Lohn-Preis-Spirale machten, fehlen heute. Zudem sind die Arbeitsmärkte vieler Industrieländer fragiler, was den Spielraum für kräftige Lohnsteigerungen begrenzt. Auch die Energieintensität der Volkswirtschaften ist deutlich gesunken: In den USA wird heute rund 70 Prozent weniger Öl zur Erzeugung einer Einheit Wirtschaftsleistung benötigt als noch 1980; insgesamt ist die Energieintensität der OECD-Länder seit den frühen 1970er-Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen.
Der aktuelle Schock bleibt dennoch klar stagflationär geprägt: Höhere Inflation trifft auf schwächeres Wachstum, insbesondere in Netto-Energieimportländern. Staaten wie Großbritannien, Italien, Deutschland und Japan sind entsprechend stärker exponiert, während die USA als Netto-Ölexporteur vergleichsweise besser geschützt sind.































