„Infrastructure Debt hat sich trotz des volatilen makroökonomischen Umfelds behauptet“, so der Experte. Dies lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass die Anlageklasse wichtige Dienstleistungen unterstützt, die für Wirtschaft und Gesellschaft essenziell sind. „Unterm Strich benötigen Gesellschaften unabhängig davon, ob die Wirtschaft wächst oder schrumpft, weiterhin Energie, Transportmöglichkeiten, digitale Konnektivität und Versorgungsleistungen“, wie Sami weiter erläutert. Infrastruktur ist daher in jedem makroökonomischen Umfeld unverzichtbar.
Dies führt zu vorhersehbaren Erträgen, stabilen Cashflows und Schutz vor Kursverlusten. Außerdem weist Infrastructure Debt (nach wie vor) einen Spread-Aufschlag gegenüber vergleichbaren liquiden festverzinslichen Wertpapieren auf, was die Illiquiditäts- und Komplexitätsprämie widerspiegelt, die bei diesen privaten, bilateral ausgehandelten Transaktionen erzielt werden kann. Darüber hinaus offenbart Infrastructure Debt heute höhere Spreads als herkömmliche Private-Credit-Strategien, was sie umso attraktiver macht.
Europa im Mittelpunkt
Infrastructure Debt ist zwar eine globale Anlageklasse, doch Europa ist laut Sami ihr Epizentrum. „Rund ein Drittel der weltweiten Infrastrukturinvestitionen findet auf diesem Kontinent statt, unterstützt durch einen seit langem etablierten Rechtsrahmen, ein breites Spektrum an Sponsoren und eine große Auswahl an investierbaren Assets“, wie Sami erklärt.
Die europäischen Chancen sind außerdem diversifiziert, da die EU und die Regierungen den Ausbau der Infrastruktur in einer Reihe von Sektoren und Segmenten vorantreiben, allen voran Verkehr, Umwelt, Soziales, Digitales sowie Energie. „Diese Breite ist wichtig, denn wir glauben, dass Diversifizierung entscheidend ist, um sektorale Verzerrungen oder thematische Konzentrationen zu vermeiden“, meint Sami. Europa weist zudem eine gute Mischung aus Brownfield- (Erweiterung oder Modernisierung bestehender Infrastruktur) und Greenfield-Chancen (Ausbau neuerer Infrastruktur) auf, wodurch ein struktureller Reinvestitionszyklus entsteht.
Mit dem zusätzlichen Rückenwind durch Megatrends in den Bereichen Energiewende und Digitalisierung wird die Pipeline an Investitionsmöglichkeiten durch einen stetigen Projektfluss unterstützt, der durch gesetzliche Rahmenbedingungen untermauert wird, die Kontinuität und Planungssicherheit für das gesamte Investitionsumfeld in Europa gewährleisten.
Ein breites Spektrum an Möglichkeiten
Während das Interesse der Investoren an Infrastructure Debt weiterhin durch „grüne Rückenwindfaktoren“ gestützt wird, sind die Möglichkeiten viel größer, wenn man die umfassenderen Themen Dekarbonisierung und Elektrifizierung berücksichtigt. Diese sind ebenfalls für die Erreichung verschiedener Ziele der Energiewende von großer Bedeutung, was Chancen in angrenzenden Sektoren wie Verkehr, Energiespeicherung und Stromnetze schafft.
Die digitale Infrastruktur hat mittlerweile den Charakter einer Versorgungsleistung angenommen. Glasfasernetzwerke, Rechenzentren und Telekommunikationsanlagen stehen nun neben Strom- und Transportinfrastrukturen und bieten unverzichtbare Dienste, die durch die stetige Nachfrage aus den Bereichen Cloud Computing, Datennutzung und einer zunehmend vernetzten Wirtschaft gestützt werden.
„Allerdings sind nicht alle digitalen Assets gleich“, wie Sami zu bedenken gibt. „Der rasante technologische Wandel bringt Risiken mit sich, die außerhalb der Komfortzone traditioneller Infrastrukturen liegen. Assets, die auf unbewährten Erlösmodellen basieren oder von optimistischen Akzeptanzprognosen abhängen, darunter auch EV-Ladenetzwerke in der Frühphase, erfordern einen vorsichtigeren Ansatz.“
Auch hier ist für Kreditgeber Vorhersehbarkeit wichtig. Etablierte Technologien und vertraglich vereinbarte Einnahmen haben weiterhin Priorität. In einem Umfeld, in dem sich digitale Geschäftsmodelle schnell weiterentwickeln können, ist diese Disziplin eher zu einem Differenzierungsmerkmal als zu einer Einschränkung geworden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Infrastructure Debt das Potenzial hat, zu einer festen Größe in Private-Credit-Portfolios von Investoren zu werden. Infrastructure Debt kann mit Eigenschaften punkten, die immer seltener werden: Transparenz bei den Cashflows, Widerstandsfähigkeit über Konjunkturzyklen hinweg und Engagement in Assets, ohne die Volkswirtschaften nicht funktionieren können.
Die Kräfte, die diese Anlageklasse prägen – Dekarbonisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel – sind nicht vorübergehend. Sie führen zu einer anhaltenden Nachfrage nach langfristigem Fremdkapital.
„Für Investoren, die Einkommen, Diversifizierung und eine gewisse Absicherung gegen Marktvolatilität suchen, entwickelt sich Infrastructure Debt zu einem stillen Nutznießer eines turbulenten Umfelds“, hält Sami abschließend fest.
































