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Erneute Zinssenkung in den USA: Die Fed im Blindflug?“

Seit September existieren aufgrund des „Shutdowns“ keine verlässlichen US-Wirtschaftsdaten mehr, was die amerikanische Notenbank (Fed) jedoch nicht davon abhält, den Zinskorridor weiter nach unten anzupassen, und das trotz einer zuletzt anziehenden Inflationsdynamik

Die Fed befindet sich somit im Blindflug. Erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Neuwirth-Zinskommentars, was den Piloten und Fed-Chef, Jerome Powell, dazu veranlasst haben könnte.

Die Senkung erfolgte in einem eher undurchsichtigen Umfeld, denn infolge des „Shutdowns“ fehlen seit September wichtige Wirtschaftsdaten, darunter auch die für die Geldpolitik eigentlich so entscheidende Inflationsrate. Diese war seit Mai um mehr als 50 Basispunkte gestiegen und lag zuletzt im September bei 3,0 Prozent (Vgl. Abbildung 1). Es ist also völlig unklar, ob die Inflation in den letzten Monaten ihrem bisherigen Wachstumspfad gefolgt ist oder nicht. Wäre dies der Fall, dürfte die Inflation bei rund 3,3 Prozent liegen. Das Weiße Haus unter der Führung von Donald Trump ist natürlich anderer Meinung und überzeugt davon, dass die US-Regierung die Inflation „erdrückt“.

All dies hielt die Fed jedoch nicht davon ab, den Zinskorridor drei Mal innerhalb der letzten vier Monate von 4,25 bis 4,50 auf 3,50 bis 3,75 Prozent zu senken (Vgl. Abbildung 1). In ihrem Beschluss bezieht sich die Fed vor allem auf die „moderate“ wirtschaftliche Entwicklung oder den sich „abschwächenden“ Arbeitsmarkt. Die Fed erkennt sogar die weiterhin erhöhte Inflation an, scheint aber die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt stärker ins Gewicht zu nehmen, auch wenn es für diese Faktoren auch keine aktuellen Wirtschaftsdaten gibt.

Eine steigende oder auch stabile Inflation bei gleichzeitig fallenden Zinsen bedeutet, dass der Realzins fällt und damit der Ertrag auf der Bank liegendes Kapital schrumpft (vgl. Abbildung 1). Gleichzeitig fallen die Finanzierungskosten für Konsum oder Investitionen. Beides zusammen dürfte natürlich die Wirtschaft fördern, was der US-Regierung sicherlich schmecken würde und bereits tut, denn die Aktienmärkte reagierten positiv auf die Entscheidung der Fed.

Ein bisschen stellt sich dennoch die Frage, was das FOMC (Federal Open Market Committee) und den noch amtierenden Fed-Chef veranlasst hat, die Zinsen doch noch so drastisch zu senken, nachdem dieser lange gezögert hat irgendetwas zu tun, obwohl der Druck von Donald Trump, die Zinsen zu senken, bereits zugenommen hatte. An der Stimmauszählung des FOMC-Komitees lässt sich auch ablesen, dass die Fed tief gespalten.

Vielleicht hat Powells Entscheidung auch etwas mit seinem potentiellen Nachfolger, Kevin Hassett, zu tun, denn dieser gilt als sehr loyal gegenüber Donald Trump und dürfte die Zinsen noch drastischer senken, sobald dieser den Vorsitz übernimmt. Powell könnte das einkalkuliert haben, denn moderatere Senkungen dürften die Wirtschaft weniger aufrütteln als große, drastische Zinsschritte. So oder so ist die Unabhängigkeit der Fed in Gefahr, und damit auch, ironischerweise, die amerikanische Wirtschaft.

Weltweit lässt sich beobachten, dass Notenbanker bei der letzten Zinsanstiegsphase Angst vor einer Rezession hatten und deswegen generell die Zinsen zu früh wieder senkten.

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