Investmentfonds

Auf die Fondskosten schauen? Ja, aber richtig!

Man kann als Anleger nicht einfach in die Fondsbuchhaltung schauen, und in den heutzutage oft täglichen Factsheets sind die Kosten nicht ausgewiesen. So ist man auf den Jahresbericht angewiesen, der auch – mehr oder weniger verständlich – auf die Kosten eingeht. Könnte man die täglich gebuchten Kosten einsehen und würde diese – für ein Jahr zusammengefasst – mit den in jeder Beratungsdokumentation aufgelisteten laufenden Kosten des Fonds vergleichen, so würde man sich verwundert die Augen reiben. Aufgrund regulatorischer Vorschriften stimmen die ausgewiesenen laufenden Kosten eines Fonds meist mit den tatsächlichen Kosten gar nicht überein.

Ein Beispiel: Bei Dachfonds wird von Verbraucherschützern oft die doppelte Kostenstruktur (auf Dach- und auf Zielfondsebene) bemängelt. Doch der Ausweis der Kosten basiert auf gesetzlich vorgeschriebenen Annahmen, die oft nicht der Realität entsprechen. So werden die Kosten eines zum Stichtag (Geschäftsjahres-Ultimo) allokierten Zielfonds entsprechend seinem Anteil in voller Höhe berücksichtigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Fonds über das ganze Jahr oder vielleicht nur über wenige Tage allokiert war. Nur die Zielfondskosten der zum Stichtag allokierten Fonds werden addiert und dann durch das durchschnittliche Fondsvolumen des Fonds-Geschäftsjahres dividiert. Dies wiederum hat zur Folge, dass die exakt gleichen Kosten zweier identisch bestückter Fonds bei einem Fonds mit tendenziell steigenden Fondsvolumen zu einem deutlich höheren Ausweis laufender Kosten führen als bei einem Fonds mit sinkendem Fondsvolumen, obwohl die tatsächlichen Kosten beider Fonds identisch sind.

Es gibt viele andere Gründe, die den Ausweis der laufenden Kosten ad absurdum führen. Aber Kosten können eben mit Kosten anderer Fonds nur sinnvoll vergleichen werden, wenn man berücksichtigt, welche Gegenleistung man dafür erhält. So wäre es absolut unsinnig, einen Fonds mit schlechteren Ergebnissen zu kaufen, nur weil er geringere Kosten ausweist. Ein guter Anwalt berechnet pro Stunde auch deutlich mehr als ein durchschnittlicher Anwalt, denn seine Arbeit ist überdurchschnittlich erfolgreich. Warum also sollte ein überdurchschnittlich erfolgreicher Fondsmanager dem Anleger nicht auch mehr wert sein? Verglichen wird dabei aber oft nur die Performance. Genauso wichtig ist aber, mit welchem Risiko diese erzielt wurde.

Will man die Leistungen verschiedener Fondsmanager vergleichen, so setzt man am besten die Performance in Relation zum Maximalverlust im jeweiligen Betrachtungszeitraum. Das Ergebnis nennt man in der Fachsprache „Calmar Ratio“. Eine höhere „Calmar Ratio“ ist gleichbedeutend mit einer besseren Leistung – und die kostet meist mehr.

JÜRGEN DUMSCHAT

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