Investmentfonds

Jubiläum der Shanghai-Hongkong Stock Connect

Die Kooperation kann Investoren bisher nicht überzeugen Das Programm wurde als Meilenstein bei der Öffnung des chinesischen Kapitalmarkts angepriesen. Anleger agieren zurückhaltend – Hauptproblematik ist die Sicherstellung von Liquidität im Markt. Laut Jian Shi Cortesi, Fondsmanagerin von GAM, sind weitreichende Modifikationen des aktuellen Setups nötig. Als die Shanghai-Hongkong Stock Connect November des vergangenen Jahres ihren Betrieb aufnahm, waren die Erwartungen immens. Nach einem Jahr fällt die Bilanz nicht sonderlich positiv aus.

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„Das Handelsvolumen liegt weit hinter den Erwartungen zurück. Es stellt sich die Frage, ob das Geschäftsmodell den Bedürfnissen der Investoren entspricht“, sagt Jian Shi Cortesi, die bei GAM den JB China Evolution Fund verwaltet. So sei das Volumen der gehandelten Titel lediglich im Frühjahr 2015 nennenswert angestiegen. Zu diesem Zeitpunkt herrschte allerdings sowohl am Markt für chinesische A-Shares als auch an der Börse in Hongkong eine gewisse Euphorie.

Begrenztes Interesse von internationalen Anlegern

Die Schwierigkeiten des Programms sieht Cortesi vor allem in den gravierenden Unterschieden zwischen dem schnell wachsenden, aber unreifen A-Shares-Markt in Shanghai und der hoch entwickelten Börse in Hongkong. „Internationale Investoren, die A-Shares über die neue Plattform erwerben können, hatten anfänglich ein sehr großes Interesse an der Börsenkooperation. Das hat allerdings schnell nachgelassen – unabhängig von den Turbulenzen an den Börsen im Sommer“, so Cortesi. Die größte Problematik aus Sicht ausländischer Anleger betreffe die Liquidität am A-Shares-Markt: Fällt oder sinkt der Kurs einer Aktie innerhalb eines Tages um 10 Prozent, wird der Handel für den betroffenen Titel ausgesetzt. Außerdem kann ein Unternehmen, das A-Shares ausgegeben hat, aus eigenem Ermessen den Handel mit seinen Aktien aussetzen und dafür eine ganze Reihe von Gründen ins Feld führen. Die Handelsaussetzungen können monatelang bestehen bleiben, was es für Investoren unmöglich macht, Positionen abzustoßen. Cortesi erklärt: „Für Investmentfonds, die täglich mit Zu- und Abflüssen von Mitteln konfrontiert sind, stellt dies ein großes Problem dar, weil sie unter Umständen für längere Zeit unfreiwillig an bestimmten Positionen festhalten müssen“. Daher agieren ausländische Investoren bisher äußerst zurückhaltend.

Liquidität des Marktes als Voraussetzung für Erfolg

Dabei hatte die Kooperation zwischen den Börsen in Shanghai und Hongkong verheißungsvoll begonnen. Erstmalig erlaubte es die Stock Connect Teilnehmern eines Marktes, auf dem jeweils anderen Markt zu handeln. Internationale Investoren bekamen auf diese Weise einen Zugang zu Chinas größtem Aktienmarkt in Shanghai und den dort gelisteten A-Shares, der weit weniger restriktiv war als zuvor. Dadurch sollte sich – so zumindest die Theorie – eine Vielzahl neuer Investitionsmöglichkeiten zwischen dem chinesischen Inland und dem Rest der Welt ergeben. Es gab sogar Befürchtungen, dass die festgelegten täglichen Handelsquoten nicht hoch genug seien, um das tatsächliche Handelsinteresse der Investoren zu befriedigen.

Die Realität sieht hingegen anders aus. „Der grenzübergreifende Aktienhandel hat weiterhin Entwicklungspotenzial – aber nur, wenn weitreichende Modifikationen des aktuellen Setups vorgenommen werden“, meint Cortesi. Um die Mittel von internationalen Investoren für chinesische A-Shares zu gewinnen, müssten die Mechanismen zur Aussetzung des Handels grundlegend geändert werden, sodass zu jederzeit die Liquidität des Marktes gesichert ist. Würden diese Barrieren nicht abgebaut, bliebe die Zurückhaltung ausländischer Investoren im Hinblick auf einen Markteintritt weiterhin bestehen.

(Bild. pixelio)

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