Donald Trump hat bestimmte Kupferimporte von Importzöllen ausgenommen, nachdem sich das Metall durch die Zollankündigung drastisch verteuert hatte. Für Cornel Bruhin, Portfoliomanager im Team Emerging Markets / Corporate Debt bei MainFirst, ist klar: Mittel- bis langfristig wird Kupfer noch begehrter – und der Preis weiter steigen. Folgende fünf Punkte treiben den Kurs an:
Die Stromnetze brauchen Kupfer: „Die Basis für unsere Stromversorgung basiert auf Kupfer. Rund um den Globus stehen deshalb Milliardeninvestitionen an: So ist das US-Elektrizitätsnetz im Durchschnitt 50 Jahre alt und stößt zunehmend an seine Grenzen. Auch in Europa gibt es Ausbaubedarf: Der große Stromausfall in Spanien und Portugal im Frühsommer war auf Spannungsunterschiede im Stromnetz durch Solar- und Windenergie zurückzuführen; mittags wird das Netz fast überstrapaziert, nachts fällt kaum Stromlast an. In Emerging-Markets-Ländern wie Indien ist die Infrastruktur im Aufbau und es müssen Milliarden investiert werden. In Afrika beginnt vielerorts erst der Netzaufbau. Dieser Kontinent wird in den kommenden zehn Jahren der am schnellsten wachsende sein.“
Künstliche Intelligenz und Elektromobilität erhöhen den Bedarf: „KI braucht enorme Mengen an Energie. Generell benötigen alternative Energieträger zudem mehr Kupfer als die herkömmlichen. Elektroautos haben beispielsweise einen deutlich höheren Kupferbedarf als Verbrenner. Sollten Elektroautos die Welt erobern, brauchen wir in den nächsten 25 Jahren mehr Kupfer als bisher weltweit jemals gefördert wurde. Auch wenn Hybridautos die Zukunft darstellen, benötigen sie ebenfalls deutlich mehr Kupfer.“
Die Produktion kommt nicht hinterher: „Wer die Produktionsseite betrachtet, stellt fest, dass in den vergangenen fünf Jahren nur sehr wenige neue große Kupfervorkommen entdeckt wurden. Mit anderen Worten: Die bestehenden Kupferförderstätten werden älter und sind immer weniger ergiebig. Da von der Entdeckung eines Kupfervorkommens bis zur Produktion meist mehr als zehn Jahre vergehen, ist klar, dass wir einem Angebotsengpass entgegensehen. Bei einem Kupferpreis von 4,5 US-Dollar pro Pfund ist es zu riskant, in neue Minen zu investieren. Erst ab einem Kupferpreis von deutlich mehr als fünf US-Dollar pro Pfund würden sich weitere Investitionen für die Produzenten lohnen.“
Der internationale Kampf um Kupfer hat bereits begonnen: „Die Zollpolitik von US-Präsident Trump zielt darauf ab, Produktionsstätten in die USA zu verlagern. Die Regierung hat eine Liste an strategisch wichtigen Rohstoffen erstellt – Kupfer gehört dazu. Unternehmen mit Projekten für diese Rohstoffe erhalten Staatsgelder, günstige Kredite und beschleunigte Genehmigungswege, um die Eigenversorgung des Landes abzusichern. China ist sehr aktiv, wichtige Rohstoffe zu subventionieren und strategische Lager anzulegen. Bei Lithiumprojekten haben wir bereits diese Art der Staatshilfe von verschiedenen Regierungen gesehen.“
Kupfer korreliert verzögert mit Gold: „In vergangenen Marktphasen erwies sich Gold stets als verlässlicher Frühindikator. Historisch betrachtet folgt der Kupferkurs der Gold-Entwicklung. Ein Blick auf die Chartverläufe der vergangenen 100 Jahre zeigt: Gold gab in der Regel den Trend vor, Kupfer folgte mit zeitlicher Verzögerung und danach reagierte in der Vergangenheit der Ölpreis. Insofern kann die kontinuierliche Aufwärtsentwicklung bei Gold in den vergangenen Monaten und Jahren als Anfang einer breiten Aufwärtsbewegung im Rohstoffsektor gewertet werden.“