Investmentfonds

Kein Grund, sich aus Risikoanlagen zurückzuziehen

Für Emiel van den Heiligenberg vom britischen Vermögensverwalter LGIM ist die Erholung der Weltkonjunktur weiterhin intakt. Von den starken Kursrückgängen im Spätsommer dieses Jahres haben sich die meisten internationalen Aktienbörsen inzwischen wieder erholt. Damit bestätigt sich die Einschätzung von Emiel van den Heiligenberg, Head of Asset-Allocation beim britischen Asset-Manager Legal & General Investment Management (LGIM), nach der die Einbrüche eher als Korrektur, denn als der Beginn eines lang anhaltenden Bärenmarktes einzustufen sind.

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„Die starken Preisschwankungen resultieren aus einer zunehmenden Risikoaversion der Anleger. Wir haben bereits zur Jahresmitte darauf hingewiesen, dass die Märkte sehr unruhig und nervös bleiben werden“, sagt van den Heiligenberg. „In den vergangenen Wochen waren viele Investoren verunsichert über die Entscheidung der Fed, die Zinsen zunächst unverändert zu lassen und viele haben sich gefragt, ob die US-Notenbanker vielleicht mehr wissen über den Zustand der chinesischen Volkswirtschaft als die Märkte. Zudem hat die Abgasaffäre bei Volkswagen alles andere als zur Beruhigung beigetragen.“

Nach historischen Analysen der LGIM-Experten geben die Kurse über den Gesamtmarkt hinweg im Schnitt um 8 Prozent nach, wenn die Fed einen neuen Zinszyklus einleitet und beginnt, ihre Leitsätze zu erhöhen. „Dieses Mal könnte der Rückgang allerdings höher ausfallen, da die Investoren geradezu ’süchtig‘ sind nach den niedrigen Zinsen, nachdem die Sätze jahrelang bei nahezu null gelegen haben“, glaubt van den Heiligenberg. „Außerdem ist an den Anleihemärkten eine unmittelbare Erhöhung noch nicht in vollem Maße eingepreist.“

Ihm zufolge ist die zuletzt schwache Entwicklung der Emerging Markets in diesem Zusammenhang kein Zufall. „Die Korrektur in vielen Schwellenländern lief parallel zu der Phase, in der die internationalen Finanzmärkte die möglichen Zinserhöhungen der kommenden Monate zu verdauen gehabt haben“, so der LGIM-Stratege. „Viele Investoren fürchten, dass die Volkswirtschaften der Schwellenländer stark verlieren werden, wenn in den USA die Zinsen steigen und die Emerging Markets einschließlich ihrer Währungen in der Folge eines stärkeren Dollars an Attraktivität verlieren.“

Dennoch gibt es nach Einschätzung des LGIM-Experten keinen Grund, sich aus Risikoanlagen zurückzuziehen. „Wir sehen die mittelfristigen Risiken gegenüber unserer Einschätzung vom Sommer als unverändert an“, so van den Heiligenberg. „Wir gehen weiter davon aus, dass sich die Weltkonjunktur insgesamt immer noch in der Mitte einer konjunkturellen Aufschwungsphase befindet und das Risiko einer Rezession vergleichsweise gering ist. Für Risikoinvestments ist das ein nahezu optimaler Zeitpunkt.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass mit den jüngsten Kursrückgängen der Bullenmarkt endet und in einen Bärenmarkt mündet, schätzt van den Heiligenberg sehr gering ein – gleichwohl die Anleger immer wieder mit Korrekturen rechnen müssen.

„Die meisten negativen Ereignisse führen in dieser Phase zu relativ geringen Rückgängen – typischerweise 5 bis 10 Prozent -, so wie das auch in den vergangenen Wochen zu beobachten war. Durch aktives Handeln lassen sich diese Schwankungen erfahrungsgemäß kaum ausnutzen“, so der LGIM-Stratege. Dabei ist sich van den Heiligenberg der Schwierigkeit bewusst, den Einfluss eines bestimmten Risikofaktors realistisch abzuschätzen. „Es ist natürlich rückblickend leicht zu sagen, dass in den vergangenen Jahren letztlich kein Ereignis nachhaltig gravierende Auswirkungen für die Aktienkurse gehabt hat – einschließlich der jüngsten, unerwartend schlechten Nachrichten aus China“, so van den Heiligenberg. „Aber wenn sich die Wirtschaft in der Mitte einer konjunkturellen Aufschwungphase befindet und das Risiko einer Rezession entsprechend gering ist, sollten wir gelassener mit dem ständigen Strom von Nachrichten umgehen und den Risiken, die an den Märkten diskutiert werden.“

(Bild: shutterstock)

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