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Euroswitch: Ausblick auf die Kapitalmärkte 2017

Wirtschaft

Kapitalmarktphänomen Trump: Euphorie oder Skepsis?

„Dass politische Börsen kurze Beine haben, ist eine der zahllosen Börsenweisheiten, deren Bedeutung für das aktuelle Marktgeschehen hinterfragt werden muss“, konstatiert Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Euroswitch, in seinem aktuellen Jahresausblick für 2017. Historische Erfahrungen zeigen, dass durch politische Ereignisse erzeugte Marktverwerfungen meist nur von kurzer Dauer seien, bevor rationales Denken und Konzentration auf wirtschaftliche Daten wieder die Überhand gewinnen. Nach der US-Wahl preisen nun die Aktienmärkte die beste aller Welten ein. Damit steige die Gefahr einer Fehleinschätzung.

So überschätzen Aktienanleger die mit Trump verbundenen denkbar positiven Entwicklungen. Dazu gehören eine Ausweitung der Staatsausgaben zur Erneuerung und zum Ausbau der Infrastruktur sowie der Abbau von restriktiven Regulierungen wie z.B. bei Steuern, im Klimaschutz oder bei Banken.

Unterschätzt werden hingegen die mit Trump verbundenen denkbar negativen Entwicklungen. Insbesondere in der Handelspolitik habe ein US-Präsident größte Entscheidungsspielräume und kann unabhängig vom Parlament agieren. Die angedeuteten Handelskriege mit China und Mexiko werden vom Kapitalmarkt zwar als unwahrscheinlich bewertet, seien aber eine reale Gefahr. „Auf jeden Fall ist offensichtlich, dass die Trumpsche Twitter-Diplomatie, jedes noch so komplexe Problem in 140 Zeichen zu kommentieren, Tür und Tor für das ein oder andere Fettnäpfchen öffnen wird“, prophezeit der erfahrene Kapitalmarktexperte Böckelmann.

Während eine die letzten Jahre dominierende Geldpolitik durch eine Liquiditätsflut „alle Boote hob“, wirke ein Konjunkturmotor Fiskalpolitik nur selektiv. So scheint Präsident Trump vorwiegend auf die heimische zyklische Industrie und die Pharmabranche als Profiteure zu zielen. Abgesehen von der zu positiven Gewichtung der Trump-Chancen werden diese durch die unterschiedlichen Marktsegmente abweichend interpretiert. Die Aktienmärkte feiern neben denkbaren Wachstumsschüben vor allem potentielle Steuererleichterungen, ignorieren aber bereits angedeutete Maßnahmen zu deren Gegenfinanzierung.

Ob und wie Europa im Superwahljahr 2017 in dieses Konzert einschwenkt, bleibe fraglich. Dennoch dürfte es je nach Wahlumfrage und Wahlausgang die eine oder andere Entwicklung geben, die unterm Strich wirtschaftsfreundlich und somit aktionärsfreundlich ausfallen wird.

Als Grundlage für die Einschätzung der Aktienmärkte diene das Szenario einer langsam reflationierenden Welt, in der sich der wirtschaftspolitische Schwerpunkt von der Geldpolitik zur Fiskalpolitik verlagere.

Weiterhin seien bei Aktien Weltmarktführer mit entsprechender Preismacht im Fokus, die auf Kontinuität und Dividendenwachstum verweisen können. Der Schlüssel für den Aktienerfolg 2017 könne durchaus in den Schwellenländern und deren Gewicht in einem Portfolio liegen.

Die Währungs- und Anleihenmärkte hingegen erkennen bereits heute die durch milliardenschwere Infrastrukturprogramme potentiell ausgelösten Probleme – nämlich kräftige Zinsanstiege und Inflation. Somit scheine neben steigenden US-Zinsen in Japan und Europa zumindest das Zinstief gesetzt.

Entscheidend wird sein, ob die führenden Währungsblöcke eine Art gemeinsam synchronisierten Wachstum zumindest auf moderaten Niveau erreichen können. „Jüngste Entwicklungen bestätigen unsere Sicht und wir sehen bis auf Weiteres keinerlei Mehrwert in europäischen Staatsanleihen“, so Böckelmann.

Dennoch bieten beispielsweise der Zinssteigerungstrend in den USA und auch Veränderungen in der Bankenregulierung zahlreiche andere Investmentgelegenheiten. Neben inflationsgeschützten Anleihen bleiben vor allem sogenannte nachrangige Papiere von bonitätsstarken Banken sehr interessant. Auch Hochzinsanleihen aus dem Unternehmenssektor bieten bei kurzer Laufzeit noch vergleichsweise attraktive Renditen bei sehr überschaubarem Risiko.

Die aktuellen Prognosen führender Investmenthäuser deuten auf ein komfortables Weltwirtschaftswachstum im Jahr 2017, welches sich dank Stärkung in der Eurozone und Japan gegenüber den Vorjahren weiter stabilisiere – Wachstumslokomotiven bleiben China und die USA.

Dabei setzen die Analysten vorwiegend auf eine Ergänzung der wachstumsfördernden Geldpolitik durch fiskalpolitische Maßnahmen. Letztere werden neben milliardenschweren Infrastrukturprogrammen in den USA vor allem in China und neuerdings auch in Europa gesehen. Insbesondere in Europa sollten Programme nach den Katastrophen Brexit und gescheitertem italienischen Referendum den Wähler im Superwahljahr 2017 besänftigen – trotz des damit verbundenen Schuldenaufbaus und Verteilungskampfes.

Natürlich sei eine fundierte Bewertung drei Wochen vor der eigentlichen Amtseinführung Trumps zu früh. Weder steht sein 2.500 Personen starkes Kernteam, noch sind konkrete Maßnahmen abseits seiner Twitter-Meldungen bekannt. Fakt sei, dass ein wie auch immer geartetes Fiskalprogramm auf einen Arbeitsmarkt mit Vollbeschäftigung trifft. Ob aus dem Populisten Trump in angemessener Zeit ein Pragmatiker werden kann, werde sich zeigen.

Die Anleihenmärkte sind hier skeptisch – die Aktienmärkte etwas zu euphorisch. „Wir müssen wohl die ersten 100 Tage im Amt bis zum Frühlingsbeginn abwarten. Bis dahin bleiben die Märkte sehr politisch – je nach Bewertung der aktuellen Nachrichtenlage“, resümiert Böckelmann. (Klimek Advisors)

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