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Momentum für US-Hochzinsanleihen – doch Anleger sollten wachsam sein

Investmentfonds

Investment-Kommentar von Gershon Distenfeld, Director of High-Yield Debt, und Ivan Rudolph-Shabinsky, Portfolio Manager, beim Asset Manager AB

Die Märkte erwarten, dass die neue US-Regierung sowohl das Wachstum als auch die Inflation antreiben wird. Beides wäre positiv für hochrentierliche Vermögenswerte mit höherem Risiko, wie etwa US-Hochzinsanleihen. Doch europäische Anleger, die daran zweifeln, ob Donald Trump wirklich all seine ambitionierten Wirtschaftsversprechen einlösen kann, sollten im ertragreichen High-Yield- Markt einen risikoreduzierten Ansatz erwägen.

Auf den ersten Blick spricht derzeit viel für ein Engagement in hochverzinsliche US-Wertpapiere: Das erhöhte konjunkturelle Potenzial der US-Wirtschaft sowie eine zu erwartende Verlängerung des Kreditzyklus – als Folge von Trumps Maßnahmen – machen die Anlageklasse für Investoren interessant.

Doch unser Eindruck ist, dass viele Anleger alle positiven Potenziale, die mit Trumps Regierungsprogramm für US- Unternehmensanleihen verbunden sind, bereits eingepreist haben. Dazu gehören erhöhte Infrastrukturausgaben und eine Unternehmenssteuerreform. Doch die zweifelsfrei bestehenden Risiken, wie Handelsprotektionismus und politische Auseinandersetzungen, werden offenbar ausgeblendet. Daher sind die Bewertungsniveaus einiger hochverzinslicher US-Vermögenswerte mittlerweile hoch. Deswegen sind wir überzeugt: Anleger sollten sehr wählerisch sein.

Die Risiken begrenzen

Das soll nicht heißen, dass wir zu einem Komplettausstieg aus diesem Segment raten, denn es sind hier weiter attraktive Erträge möglich. Doch nach unserer Überzeugung ist es besser, das Risiko durch kürzere Duration und einen Fokus auf Qualität zu reduzieren. Unser Research zeigt, dass Anleihen mit höherer Bonität und kürzerer Duration langfristig circa 80 Prozent der Aufwärtsbewegungen des High-Yield-Marktes mitmachen – jedoch nur zu 70 Prozent von den Abwärtsbewegungen betroffen sind.

Warum funktioniert diese Kombination so gut? Zunächst einmal schützen kürzere Laufzeiten die Anleger effektiv vor den Auswirkungen höherer US-Zinsen sowie weiterer Marktturbulenzen. Daher halten sie sich in volatilen Phasen besser als der breite Markt.

Ähnliches gilt für die höhere Bonität: Wertpapiere mit besserem Rating von Unternehmen mit soliden Bilanzen können höhere Finanzierungskosten und Mittelabflüsse besser verkraften als Emittenten von CCC-gerateten Titeln. Zwar stieg im Jahr 2016 der breite US-Hochzinsanleihenmarkt um mehr als 16 Prozent und die CCC-Anleihen waren dabei die besten Performer. Auf das spekulativste Segment des Marktes zu setzen ist jedoch keine langfristig erfolgversprechende Strategie, insbesondere nicht in einer solch späten Phase des US-Kreditzyklus wie im Moment. Denn selbst wenn Trumps Maßnahmen die US-Konjunktur befeuern sollten, würde der unvermeidlich folgende Zinsanstieg einige CCC-Emittenten in den Zahlungsausfall treiben.

Das Blickfeld erweitern

Hohe Renditen sind jedoch auch jenseits von hochverzinslichen Unternehmensanleihen realisierbar. Daher ist ein breit gefächerter Ansatz wichtig. Die effektivsten Hochzinsstrategien legen Wert auf ein hohes Maß an Diversifikation, die über regionale und Sektorengrenzen hinwegreicht.

Ein Beispiel sind Schwellenländeranleihen. Diese bieten hohe inflationsbereinigte Renditen und profitieren von verbesserten konjunkturellen Rahmenbedingungen in zahlreichen Ländern.

Und natürlich ist für europäische Anleger auch der Heimatmarkt ein wichtiger Baustein. Aktuell spricht dafür der Kreditzyklus, der sich noch in einem früheren Stadium befindet. Daher dürfte das Ausmaß von Zahlungsausfällen begrenzt sein. Hinzu kommt: Hiesige Anleihen sind weiterhin Nutznießer der stark unterstützenden Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die mit ihren massiven Aufkäufen den Markt befeuert.

Eine weitere Einkommens- und Diversifikationsquelle bieten verbriefte US-Wertpapiere, insbesondere die sogenannten “Credit Risk Transfer Securities” (CRT) von halbstaatlichen Immobilienfinanzierern wie Fannie Mae und Freddie Mac. Diese Papiere bieten Anlegern Zugang zum starken US-amerikanischen Immobilienmarkt, und ihre variablen Zinssätze sind im Umfeld steigender US-Zinsen vorteilhaft. Im Unterschied zu typischen Anleihen der staatsnahen „Agencies“ sind sie zwar mit Kreditrisiko behaftet. Doch die Anleger werden dafür mit hohen Renditen mehr als adäquat entlohnt.

Wir sind durchaus der Meinung, dass Anleger auch in diesem Jahr einen Fokus auf hochverzinsliche Anleihen legen sollten. Doch von entscheidender Bedeutung sind dabei eine strenge, aktive Auswahl sowie eine breite Streuung. (AB)

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